Seltene Erden
„Thema lange unterschätzt“ – Westliche Antwort auf Chinas Monopol bei seltenen Rohstoffen
VonLars-Eric Nievelsteinschließen
China hat die Lieferung von seltenen Erden reduziert. Für westliche Unternehmen entstehen dadurch Engpässe und Mehrkosten.
Peking/Berlin – Europäischen Firmen gehen langsam wichtige Rohstoffe aus. Zwar ging im Juli 2025 noch die Meldung herum, dass China zuletzt wieder mehr Exportlizenzen für sogenannte seltene Erden vergeben hat, aber das ändert kaum etwas an den Preisanstiegen und den Engpässen bei der Anlieferung. Sei es Antimon, Wolfram oder Scandium – der Westen braucht Antworten auf die Notlage.
China nutzt Monopol bei seltenen Erden – und sorgt für Engpässe bei der Versorgung
Das dahinterliegende Problem: China beschränkt die Ausfuhr seltener Rohstoffe immer weiter. Der Prozess begann bereits vor vielen Monaten mit Rohstoffen wie Gallium und Germanium, die das Land schon seit 2023 nicht mehr ohne Weiteres in den Westen liefert. Im April 2025 erhielt das Thema noch einmal besondere Aufmerksamkeit, weil China sieben sogenannte seltene Erden mit einer Restriktion belegte. Unter diesen sieben Rohstoffen befinden sich auch Dysprosium und Terbium.
Besonders wichtig sind diese, weil sie in Hochleistungsmagneten zum Einsatz kommen, die wiederum in entscheidenden Zukunftstechnologien wie Elektroautos oder Windkraftanlagen verbaut werden. „Beide Elemente sorgen dafür, dass die Magnete auch bei hohen Temperaturen, etwa beim Betrieb eines Elektromotors, stabil bleiben und zuverlässig Leistung bringen“, erklärt Jan Giese, Senior manager Minor Metals and Rare Earths beim Frankfurter Rohstoffkonzern TRADIUM, gegenüber IPPEN.MEDIA.
Dementsprechend verwundert es nicht, dass diese Engpässe vor allem in der Automobilindustrie bemerkbar werden. Einige Zulieferer hatten im Frühling nach der Bekanntgabe von Chinas Plänen tatsächlich Produktionsbeschränkungen in Betracht gezogen. „Die steigende Nachfrage nach diesen überwiegend metallischen Rohstoffen könnte zumindest temporär zu Engpässen entlang der Wertschöpfungskette führen“, warnte der Verband der deutschen Automobilindustrie (VDA).
Alternativen zum China-Import – West-Unternehmen reagieren, aber langsam
Aufgrund der globalen Verteilung von Seltenerd-Vorkommen gibt es für den Westen kaum Alternativen zu den chinesischen Exporten. China verfügt nicht nur über rund 60 Prozent der Förderkapazitäten für diese Rohstoffe, sondern – so berichtete das Center vor Strategic and International Studies (CSIS) – auch über ein Monopol bei ihrer Verarbeitung.
„Die genannten Elemente gehören fast alle zur Gruppe der schweren seltenen Erden, deren Abtrennung vom Ausgangsmaterial besondere Technologien erfordert“, sagt Giese dazu. Lediglich ein australisches Unternehmen kann Dysprosium und Terbium aus Rohmaterial produzieren, und das erst seit wenigen Monaten. Daneben gibt es einige Firmen, die Material recyclen, doch die so gewonnen Mengen reichen nicht aus. Nicht einmal die USA können auf absehbare Zeit die Dimensionen der chinesischen Produktion erreichen, auch wenn sie derzeit Raffinerien aufbauen wollen.
Zuletzt unternimmt auch Frankreich Anstrengungen, um den europäischen Bedarf zu decken. Ein französisches Unternehmen baut laut TRADIUM aktuell eine Anlage für Recycling und Raffinerie von seltenen Erden. Ab Ende 2026 will es 600 Tonnen Dysprosium- und Terbiumoxid pro Jahr produzieren. Das soll ausreichen, um 15 Prozent des weltweiten Bedarfs zu decken.
Vorräte für seltene Erden – „Thema lange unterschätzt“
Bis es soweit ist, müssen europäische Firmen sich aber entweder an vorsorglich aufgebauten Vorräten bedienen oder sich den chinesischen Auflagen beugen, um neues Material anzukaufen. „Exportrestriktion“ bedeutet nämlich nicht zwangsläufig einen Stopp. Die Prozesse sind jedoch drastisch verlangsamt und unter anderem müssen europäische Unternehmen jetzt sensible Informationen mit China teilen und beispielsweise offenlegen, ob die angekauften Rohstoffe am Ende in westlichen Rüstungsgütern landen.
Nennenswerte Vorräte existieren für viele Firmen jedoch nicht. „Während einige internationale Firmen, insbesondere aus den USA und Japan, bereits vorausschauend Material gesichert haben, hat man das Thema hierzulande lange unterschätzt“, rekapituliert Giese. „In Deutschland können wir die Zahl der Unternehmen, die sich strategisch bevorratet haben, an zwei Händen abzählen.“
Eine zunehmende Zahl von Unternehmen suche das Gespräch mit dem Rohstoffhändler, um die Versorgung zu sichern, aber der Wettbewerb ist hart. „Viele ausländische Abnehmer agieren schneller und aggressiver beim Kauf von verfügbarem Material. Wir als Rohstoffhändler setzen aktuell alle Hebel in Bewegung, um auch jene Unternehmen noch zu versorgen, die sich bisher nicht vorbereitet hatten.“
Massiver Preisanstieg bei seltenen Erden – China-Beschränkungen sorgen für Probleme
Für diese Unternehmen bedeutet der späte Einstieg jedoch ein massives Draufzahlen. Die Preise für Dysprosium, Terbium und andere seltene Erden sind seit April deutlich gestiegen. „Zwischen Anfang April und Anfang Juni lag der Marktpreis für Dysprosiumoxid zeitweise beim Dreifachen des Vergleichswerts in China“, erklärt Giese. Allerdings heißt es für die Unternehmen, die sich noch versorgen müssen: Rohstoffe um jeden Preis.
Wie geht es weiter? Die EU unternimmt aktuell im Rahmen des Critical Raw Materials Act Anstrengungen, um Europa vor Abhängigkeiten und Engpässen zu schützen. Dieser legt fest, dass bis 2030 bestimmte Anteile des EU-Verbrauchs beim Recycling von seltenen Erden, bei der Produktion und Verarbeitung, aus heimischen Kapazitäten stammen müssen. Bis 2050 erwartet die EU eine Versiebenfachung des Bedarfs bei Seltenerdmetallen.
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