„Dramatische Beschleunigung“
Seltene Erden vor Comeback: Trump schmiedet ungewöhnliche Allianz
VonLars-Eric Nievelsteinschließen
China hat die USA im Bereich seltener Erden übertroffen. Nun wollen die USA zurück an die Spitze. Als Hoffnungsträger gilt MP Materials.
Washington, D.C. – „Die Vereinigten Staaten waren ein führender Hersteller und Verarbeiter von seltenen Erden und gilt weiterhin als großer Exporteur und Verbraucher von Seltenerd-Produkten“. So bilanzierte die U.S. Geological Survey der US-Regierung im Jahr 2000 – und bezog sich auf das Jahr 1999. Seitdem aber haben die Staaten ihre Marktführerschaft an China abgegeben. Das wiederum sorgt im Westen aktuell für größere Probleme. Jetzt könnten die USA ein Comeback starten.
MP-Materials soll seltene Erden abbauen – USA als Konkurrenz zu China?
Der Protagonist dieses Comebacks ist das Minenunternehmen MP Materials, das eine wichtige Mine in Mountain Pass, Kalifornien, reaktiviert hat. Innerhalb weniger Tage konnte sich MP Materials mehrere milliardenschwere Deals sichern. Am 10. Juli 2025 gab die Firma bekannt, in eine Partnerschaft mit dem US-Verteidigungsministerium unter Präsident Donald Trump getreten zu sein. Das Ziel dahinter ist angeblich eine „dramatische Beschleunigung“ beim Ausbau der Wertschöpfungskette von Seltenerd-Magneten innerhalb der USA.
Diese Übereinkunft umschließt zum Beispiel ein „Multi-Milliarden-Dollar-Paket“ an Investments und langfristigen Verpflichtungen des Verteidigungsministeriums. MP Materials will im Gegenzug die zweite heimische Fabrik zur Magnetherstellung errichten. Diese soll sowohl der Verteidigung als auch dem zivilen Sektor dienen.
Und dann wäre da noch ein 500-Millionen-Dollar-Deal mit dem US-Tech-Giganten Apple. MP Materials kündigte auch hier eine langfristige Partnerschaft an, mittels der das Unternehmen Apple mit Seltenerd-Magneten ausstatten will, hergestellt in den USA aus zu 100 Prozent recycelten Rohstoffen. Die Produktion soll in Fort Worth, Texas, laufen.
Langsamer Verfall bei seltenen Erden – USA galten bei wichtigen Rohstoffen als Vorreiter
Damit schließen die USA an frühere Erfolge an. Noch vor der Jahrtausendwende stufte die Geological Survey das Land noch als „führenden Hersteller und Verarbeiter“ von seltenen Erden ein. Die heimische Erzproduktion bezifferte sich im Jahr 1998 auf einen Wert von 32 Millionen US-Dollar. Die Raffinierung der Erze fand dabei vorrangig in Phoenix (Arizona) und Chattanooga (Tennessee) statt.
Die hergestellten Erze fanden sich zumeist in Produkten der Automobilindustrie, bei der Raffinierung von Erdöl, bei Magneten und bei metallurgischen Zusatzstoffen und Legierungen wieder. Im Laufe der Jahre aber zogen sich die USA immer weiter vom Markt zurück. Zwischen 2003 und 2012 bauten die ansässigen Unternehmen gar keine seltenen Erden ab. 2014 hatte sich das Land zu einem Netto-Importeur von seltenen Erden entwickelt und zahlte 210 Millionen US-Dollar für die Einfuhr.
2023 bauten die USA Bastnäsit als Primärprodukt der Mountain-Pass-Mine ab. Jetzt versucht das Land, kritische Industrien zurück in die eigenen Grenzen zu holen. „Mit sich rapide intensivierenden Engagement von der Industrie und der Regierung“ will MP Materials die Speerspitze dieser Idee werden.
Was seltene Erden so wichtig macht – Donald Trump nimmt Rohstoffe ins Visier
Seltene Erden sind vor allem wegen ihrer sehr speziellen Einsatzgebiete so wichtig. Man findet sie in den Batterien von Elektroautos, in Windkraftanlagen, in Photovoltaik-Panels, in Smartphones – grob gesagt, in zukunftsträchtigen Technologien. Gleichzeitig ist ihre Produktion teuer und ihre Raffinierung noch viel mehr. Die Verarbeitung erfolgt mittels schwerem chemischen Einsatz, was die Ansiedlung von Verarbeitungsstätten im Westen noch einmal wegen Umweltbedenken verkompliziert.
Ins öffentliche Interesse rückten seltene Erden, als US-Präsident Trump die Verhandlungen mit der Ukraine aufnahm, um sich einen Teil des Rohstoffreichtums innerhalb der Ukraine zu sichern. Noch gravierender für die westlichen Industriestaaten ist jedoch die Frage nach dem Monopolhalter.
China mit Seltenerd-Monopol – Druckmittel im Handelskrieg
Hier kommt wiederum China ins Spiel. Das „Reich der Mitte“ verfügt nicht nur über rund 60 Prozent der Produktionskapazitäten für seltene Erden, sondern auch über ein über 90-prozentiges Monopol bei den Kapazitäten der Verarbeitung. Warum das für die EU und die USA problematisch sein kann, zeigte sich schon vor vielen Jahren, als China wegen eines Fischerei-Disputs die Ausfuhr kritischer Rohstoffe nach Japan gestoppt hat. Im Herbst 2024 tat China dasselbe bei verschiedenen seltenen Erden, die eigentlich in die USA geliefert werden sollten.
Im April 2025 hat China das Ganze noch einmal verschärft, indem es sieben weitere seltene Ressourcen mit einer Exportbeschränkung versah. Unter anderem gehörten nun Yttrium und Gadolinium zu den seltenen Erden, die nicht mehr so leicht ausgefahren werden können. China benutzt diese Ressourcen als Waffe, um eventuell bestimmte Reaktionen von denjenigen zu erzwingen, die vom Handel abhängig sind.
Dem Westen ist daher umso mehr daran gelegen, kritische Rohstoffe wieder aus heimischer Herstellung zu beziehen. In Europa passiert das unter anderem mit Unternehmen wie Norge Mining, das in Norwegen Phosphatgestein abbaut und dadurch seltene Rohstoffe liefert. In den USA übernimmt nun MP Materials die Rolle eines Hoffnungsträgers.
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