Mein Thema des Jahres
Maintal ringt um neue Rolle zwischen Metropole und Landkreis
- VonBettina Merkelbachschließen
Maintal wird 2026 die größte Stadt im Main-Kinzig-Kreis. Die neue Rolle birgt große Chancen für die Kommune – sie muss sie aber auch nutzen.
Maintal – 2026 markiert eine Zäsur für Maintal: Mit der Auskreisung Hanaus steigt die fast 42 000-Einwohner-Stadt zur größten im Main-Kinzig-Kreis (MKK) auf. In den zurückliegenden zwölf Monaten gab es in den politischen Gremien viele öffentliche Diskussionen, die widerspiegelten, dass es nicht einfach ist, diese neue Rolle auszufüllen – eine Rolle zwischen der Metropolregion Frankfurt-Rhein-Main und dem ländlich geprägten Main-Kinzig-Kreis.
Und zuletzt schien es, als brächte dieser Status für Maintal nur Nachteile: Die Stadt sei nicht groß genug, um nicht noch einiges an Wachstum zu vertragen und Wohnraum fürs angespannte Rhein-Main-Gebiet zu schaffen – als, so lautete die Kritik der Maintaler FDP, „Überlaufbecken“ Frankfurts. Aber auf der anderen Seite sei sie nicht mehr klein genug, so ein anderer Vorwurf Richtung Gelnhausen, um von der ländlich orientierten Kreispolitik zu profitieren.
Droht Maintal, an den Ansprüchen der großen Schwesterstädte zu scheitern und gleichfalls aus dem Blick des über die Geschicke des MKK entscheidenden Kreistags zu geraten? Diesen Anschein konnte man bisweilen als Beobachter der jüngsten Gremiensitzungen gewinnen. Dabei sind die Chancen, die sich der Kommune durch ihre Lage, ihre Größe und ihre Struktur bieten, enorm.
Es kommt allerdings darauf an, was man daraus macht. Und da fehlte es zumindest im zurückliegenden Jahr – den Vorwurf muss sich die Stadtspitze gefallen lassen – zu oft an einer optimistischen Vision und am kommunikativen Geschick, die richtigen Leute zur richtigen Zeit zu informieren und einzubinden.
Beispiele dafür gab es in den vergangenen zwölf Monaten einige. Das gravierendste, weil es die größten öffentlichen Wellen geschlagen hat: der Verzicht auf das Vorkaufsrecht für eine Gewerbefläche in der Bischofsheimer Gemarkung, die sich der US-Riese Amazon für die Ausläufer des auf dem ehemaligen DHL-Gelände geplanten Rechenzentrums gesichert hat.
Ob sich dadurch Maintal die Möglichkeit, kleine und mittelständische Firmen anzusiedeln und örtliche Unternehmen zu halten und zu erweitern, sprichwörtlich verbaut hat, wird sich zeigen. Glaubt man den Kritikern des Deals und Mitgliedern des zur Klärung des Vorgangs eingesetzten Akteneinsichtsausschusses, spricht leider einiges dafür.
Auch an den Großbauprojekten Maintalbad, Real-Gelände, Maintal-Mitte und Bürgerhaus Bischofsheim reißt die öffentliche Kritik nicht ab. Hier wird es im kommenden Jahr mehr denn je darauf ankommen, die Bevölkerung mitzunehmen und die Vorteile und Möglichkeiten, die sich der Stadt durch die Stadtentwicklungsvorhaben und Unternehmensansiedlungen bieten, glaubwürdig darzustellen – das auch, damit die Wählerinnen und Wähler am 15. März nicht dort ihr Kreuz machen, wo es vermeintlich einfache Antworten auf die komplexen Herausforderungen gibt, die sich Maintal stellen.