„Epoche der Aufrüstung hat begonnen“

Statt Autos könnten bei VW bald Rheinmetall-Panzer vom Band rollen

  • Patrick Freiwah
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Volkswagen plant eine Reduzierung seiner Produktion, während Rheinmetall eine Ausweitung anstrebt: Der Rüstungsriese könnte ein zur Stilllegung vorgesehenes Werk erwerben.

Osnabrück/Düsseldorf – Der deutsche Rüstungskonzern Rheinmetall erlebt ein außergewöhnliches Wachstum. Getrieben von steigenden Verteidigungsausgaben in Europa und geopolitischen Spannungen, befindet sich das Unternehmen in einer neuen Expansionsphase. „Eine Epoche der Aufrüstung hat begonnen“, erklärte Konzernchef Armin Papperger kürzlich und betonte, dass sich daraus „Wachstumsperspektiven ergeben, wie wir sie noch nie erlebt haben“.

Doch um die steigende Nachfrage nach militärischen Fahrzeugen bedienen zu können, braucht Rheinmetall mehr Produktionskapazitäten – und hier kommt Volkswagen ins Spiel.

VW-Werk Osnabrück: Übernahme durch Rheinmetall eine Win-win-Situation

Wie die Financial Times berichtet, erwägt Rheinmetall die Übernahme eines stillzulegenden VW-Werks, um dort gepanzerte Fahrzeuge zu fertigen. Besonders im Fokus steht das bedrohte Werk in Osnabrück, das Papperger als „gut geeignet“ bezeichnete. Volkswagen hatte vor längerer Zeit entschieden, Standorte aufgrund des sinkenden Absatzes auf dem europäischen Markt aufzugeben. Die Osnabrücker Fabrik, einst für die Produktion von Cabriolets und Nischenmodellen zuständig, könnte nun also eine „blühende“ Zukunft vor sich haben – als Rüstungsstandort.

VW-Chef Oliver Blume zeigte sich zuletzt nicht nur gesprächsbereit, vielmehr dürfte ein solches Szenario gelegen kommen: Auch für Volkswagen hätte eine Umwidmung des Werks Vorteile, denn die Autobranche kämpft mit zahlreichen Herausforderungen. Das Joint Venture von Rheinmetall mit MAN Truck & Bus, einer VW-Tochter, sorgt zudem für eine Verbindung zwischen den beiden Unternehmen.

Rheinmetall statt VW in Osnabrück? Milliardenaufträge als Bedingung

Doch eine Übernahme ist für Rheinmetall kein Selbstläufer: Papperger betont, dass der Umbau mit hohen Investitionen verbunden sei. „Ohne langfristige Rahmenverträge mit gesicherten Abnahmemengen macht das für uns keinen Sinn“, stellte der Vorstandsvorsitzende klar.

Rheinmetall liebäugelt offenbar mit einer Übernahme des von der Schließung bedrohten VW-Werks in Osnabrück.

Die Bundesregierung müsste also garantieren, dass in den kommenden Jahren eine ausreichend große Anzahl an Militärfahrzeugen bestellt wird. Sollte dies der Fall sein, könnte das VW-Werk Osnabrück zum neuen Zentrum für gepanzerte Fahrzeuge werden.

Abseits davon hat die Debatte über militärische Aufrüstung Fahrt aufgenommen. Denn Schuldenbremse hin oder her: Wo viel Geld für Militärinvestitionen getätigt wird, muss an anderer Stelle gespart werden.

Rekordumsatz für Rheinmetall im Jahr 2024 und ehrgeizige Pläne

Rheinmetall freut sich dagegen über beeindruckende Wachstumszahlen: 2024 steigerte der Rüstungsriese seinen Umsatz um 36 Prozent auf rund 9,7 Milliarden Euro. Besonders das Geschäft mit Waffen und Munition floriert. Der gesamte Auftragsbestand erreichte mit 55 Milliarden Euro einen neuen Rekordwert. „Das bringt uns für die kommenden Jahre Wachstumsperspektiven, wie wir sie noch nie erlebt haben“, schwärmte Papperger. Die Aussichten für das laufende Jahr sind prächtig und auch die Rheinmetall-Aktie legt einen Höhenflug hin.

Zugleich plant Rheinmetall eine massive Aufstockung seiner Belegschaft. Innerhalb von zwei Jahren sollen rund 8000 neue Stellen entstehen. Dabei könnte der Konzern auch durch Zukäufe wachsen – unter anderem wird spekuliert, dass Rheinmetall Interesse am deutschen Panzerhersteller KNDS hat.

Die besten Arbeitgeber in Deutschland: Zu diesen Unternehmen wollen Fachkräfte 2025 gehen

Siemens AG - Hauptversammlung
Siemens hat es an die Spitze geschafft: In Deutschland würden viele Ingenieure am liebsten zu diesem Arbeitgeber gehen. Dort erhoffen sie sich neben guter Bezahlung und flexiblen Arbeitszeiten eine Firma, die für Innovation steht.  © Sven Hoppe/dpa
Die Vorstände des Technologie-Konzerns Bosch Christian Fischer (l-r), Markus Forschner, Stefan Grosch, Stefan Hartung (Vorsitzender), Tanja Rückert, Markus Heyn und Frank Meyer stehen bei der Bilanz-Pressekonferenz des Konzerns an einem Bosch Logo.
Bosch ist auf Platz 2 der führenden Arbeitgeber für junge Fachkräfte im Ingenieurswesen in Deutschland. Damit ist erstmals kein Automobilunternehmen ganz oben mit dabei - dafür aber ihre Zulieferer.  © Bernd Weißbrod/dpa
Porsche 911 Turbo 50 Jahre
Im Ranking der Beratungsfirma Universum hat es Porsche auf den dritten Platz geschafft. Beim letzten Ranking stand der Autokonzern noch an der Spitze, büßt bei Ingenieuren also zwei Plätze ein.  © Porsche AG
BMW-Stammwerk in München
Auch die BMW Group gehört zu den beliebtesten Arbeitgebern der deutschen Ingenieure. Wie viele Autokonzerne kämpft auch BMW mit harten Zeiten - doch beim Thema E-Mobilität hat dieses Unternehmen die Nase vorn.  © Sven Hoppe/dpa
Winfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen, l-r), Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Markus Schäfer, Vorstandsmitglied der Mercedes-Benz Group, Ola Källenius, Vorstandsvorsitzender der Mercedes-Benz Group, und Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen), Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz, stehen während der Eröffnungsfeier des Mercedes-Benz-Campus ´zusammen
Bei Mercedes-Benz erhoffen sich Ingenieure ebenfalls eine gute Zukunft mit guter Bezahlung und fairen Arbeitsbedingungen. Noch dazu scheint das Unternehmen sich als besonders innovativ herausstellen zu können.  © Sebastian Gollnow/dpa
Ein Airbus von Qatar Airways landet auf dem Hamburger Flughafen
Einen Platz nach oben gerutscht ist im Universum-Ranking für Ingenieure auch Airbus. Der Flugzeughersteller konnte sich in den vergangenen Monaten gegenüber dem Konkurrenten Boeing positiv positionieren - letzterer ist geplagt von Skandalen und Negativschlagzeilen.  © Georg Wendt/dpa
Gernot Döllner, Vorstandsvorsitzender der Audi AG, bei der Vorstellung der Jahreszahlen 2023.
Auch Audi bleibt bei Ingenieuren als Arbeitgeber beliebt - muss aber zwei Plätze im Vergleich zum Vorjahr einbüßen. Die Ingolstädter leiden ebenfalls unter der Autokrise - gerade wird über die Schließung eines Werks in Brüssel intensiv diskutiert.  © Sven Hoppe/dpa
Google eröffnet Cloud-Rechenzentrum in Hanau
Google ist für Ingenieure ein beliebter Arbeitgeber in Deutschland, der Tech-Riese steigt sogar auf im Ranking. Bei der letzten Untersuchung konnte Google nur den 10. Platz für Ingenieure belegen. Dafür ist der Gigant aus den USA im Fachkräfte-Ranking bei der IT an der Spitze der beliebtesten Arbeitgeber.  © Arne Dedert/dpa
Deutsche Bahn fährt in Dresden
Kaum zu glauben, aber wahr: Die Deutsche Bahn gehört zu den beliebtesten Arbeitgebern für Ingenieure in Deutschland. Trotz seines schlechten Rufs als Verkehrsmittel scheint die Firma insbesondere Fachkräfte gut zu erreichen. Bei den Lokführern und Kontrolleuren hingegen hörte man zuletzt eigentlich nur Frust.  © Robert Michael/dpa
Björn Bernhard, Geschäftsführer der Rheinmetall Landsysteme GmbH, spricht bei der Übergabe vom Radpanzer für die Bundeswehr vom Typ Boxer als Schwerer Waffenträger Infanterie. Der Rüstungskonzern Rheinmetall ist mit der Lieferung der 123 Boxer-Fahrzeuge beauftragt worden.
Auf Platz 10 hat es zum ersten Mal ein Rüstungsunternehmen geschafft: Rheinmetall steigt im Ranking der Ingenieure um drei Plätze auf. Damit profitiert das Unternehmen von einer neuen Stellung und Wahrnehmung im Land.  © Philipp Schulze/dpa

Standort Deutschland: Von der Auto- zur Rüstungsindustrie

Neben einer möglichen Übernahme von VW-Werken prüft Rheinmetall laut Reuters die Umstellung bestehender Produktionsstätten. Zwei Standorte in Neuss und Berlin, die bisher Komponenten für die Autoindustrie fertigen, könnten künftig für militärische Zwecke genutzt werden. Insgesamt betreibt Rheinmetall 22 Werke für zivile Produktion – doch angesichts der boomenden Rüstungssparte könnte sich der Fokus weiter in Richtung Militär verschieben.

Für Volkswagen würde die Übergabe des Werks in Osnabrück eine neue Richtung bedeuten. Während der Autobauer seine Kapazitäten reduziert, könnte Rheinmetall dort durchstarten. Ob es tatsächlich zur Übernahme kommt, hängt letztlich von politischen Entscheidungen und langfristigen Aufträgen ab. (PF)

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