Kriselnder Autobauer

Porsche ändert Pläne für VW-Werk in Osnabrück: Folgt nun das Aus?

  • VonMark Simon Wolf
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Porsche nimmt seine Zusage zurück, die Produktion seines E-Modells ab 2026 nach Osnabrück zu verlegen. Könnte dies das Ende des VW-Standorts bedeuten?

Osnabrück – Hat der VW-Standort in Osnabrück überhaupt noch eine Zukunft? Das bleibt nach aktuellen Entwicklungen mehr als zweifelhaft: Wie eine Unternehmenssprecherin von Volkswagen am Dienstag, 1. Oktober, gegenüber NDR Niedersachsen bestätigte, wird die Produktion der E-Autos von Porsche nicht wie geplant an den VW-Standort in Niedersachsen verlegt. Dieser Schritt würde bedeuten, dass das Werk ab Ostern 2026 keine Aufträge mehr erhalten werde. Laut der Gewerkschaft IG Metall werden die Beschäftigten vor Ort noch heute über das Aus informiert.

Betriebsratschef in Osnabrück von Kommunikation irritiert: Nachricht für interne VW-Planungsrunden

Laut dem Konzern hätte das schlecht laufende Chinageschäft hauptsächlich zu dieser Entscheidung beigetragen. Für Stephan Soldanski, Sprecher von IG Metall, sei es eine „schockierende Nachricht“, die zudem überraschend gekommen sei. Dennoch wolle er für den Fortbestand des Standortes kämpfen. Betriebsratschef Jürgen Placke zeigte sich hingegen von der Art und Weise der Kommunikation überrumpelt. Eigentlich werde eine solche Nachricht in internen VW-Planungsrunden bekanntgegeben – und nicht über die Presse. Die Stimmung unter den Beschäftigten bezeichnete er als „extrem schlecht“.  

Laut der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ) ist die Geschäftsführung von VW Osnabrück bereits seit einer Woche von dem Produktions-Aus informiert. Der Porsche-Vorstand habe ihn in einem Schreiben darüber in Kenntnis gesetzt.

Steht der VW-Standort in Osnabrück vor dem Aus? Rund 3.000 Beschäftigte müssten gehen

Vor rund drei Wochen hatte es bereits auf einer Betriebsversammlung am 11. September erste Gerüchte gegeben. Offiziell äußern wollte sich damals allerdings keiner der verantwortlichen VW-Manager. Der 1. Bevollmächtigte der IG Metall, Stephan Soldanski, hatte zu diesem Zeitpunkt sogar noch fest mit der Zusage für die Porsche-Produktion ab 2026 gerechnet. Wenngleich er einräumte, dass selbst diese Maßnahme die insgesamt 2.300 Beschäftigten und 700 Leiharbeiter ausgelastet hätten. Derzeit werden in Osnabrück bis Frühjahr 2026 der T-Roc Cabrio sowie bis März 2026 der 718er-Porsche Cayman und Boxster produziert.

Die Fertigungs-Kapazität betrug in Osnabrück 2023 insgesamt 28.000 Volkswagen und Porsche – zum Vergleich: Im Emdener Werk waren es 180.000 Fahrzeuge sowie im Hauptwerk in Wolfsburg 490.000 Autos.

Porsche macht einen Rückzieher: Wie die VW-Tochter ankündigte, wird das E-Modell ab 2026 nicht in Osnabrück gefertigt.

Ministerpräsident Weil rechnete fest mit Fortbestand des VW-Werks: „Das Werk wird langfristig ausgelastet“

Nachdem der VW-Konzern Anfang September betriebsbedingte Kündigungen und Werkschließungen bei der Kernmarke nicht länger ausgeschlossen hatte, wurde der Osnabrücker Standort nicht selten als erster Kandidat für diese Maßnahmen genannt. Die kleinste Fertigung im gesamten VW-Kosmos in Deutschland würde dem Autobauer allerdings keine erheblichen Einsparungen bringen. Von diesem Vorteil ging anscheinend auch Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil vor rund einem Jahr in der NOZ aus: „Das Werk in Osnabrück wird durch die Fertigung eines vollelektronischen Porsche-Modells langfristig ausgelastet.“

Nun steht fest: Verteilt VW intern nicht doch noch Aufträge in das Werk nach Osnabrück, wird der Standort ab 2026 der Vergangenheit angehören.

Rubriklistenbild: © Jan Woitas/dpa

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