„Bleibt ein attraktives Investment“
Große Bank bestätigt massiven Stellenabbau – es soll 3.900 Mitarbeiter treffen
VonLars-Eric Nievelsteinschließen
Die Commerzbank kann auf ein erfolgreiches 2024 zurückblicken. Dennoch steht ein umfangreicher Stellenabbau bevor. Das bestätigte die Bank jetzt.
Update vom 13. Februar, 7:25 Uhr: Die Commerzbank hat den Stellenabbau bestätigt. „Insgesamt sollen bis zum Jahr 2028 brutto rund 3900 Vollzeitstellen wegfallen“, erklärte der Konzern am Donnerstag (13. Februar). Als Hintergrund gab die Bank „Effizienzgewinne durch die Digitalisierung“ und die „verstärkte Nutzung von internationalen Standorten“ an. Unter anderen hatte die Nachrichtenagentur AFP berichtet.
Erstmeldung vom 12. Februar, 15:43 Uhr: Frankfurt – Immer mehr Unternehmen bauen Stellen ab. Erst kürzlich erwischte es kurz hintereinander eine wichtige Maschinenfabrik, einen bekannten Autozulieferer und ein Traditionsunternehmen aus der Möbelherstellung. Eine VW-Tochter hatte bereits mit einem massiven Stellenabbau innerhalb Europas gedroht, sollten EU-Zölle in Kraft treten. Insidern zufolge ist jetzt eine wichtige deutsche Bank dran.
Umfassender Stellenabbau – Maßnahme soll Commerzbank angeblich stärken
Laut Insiderinformationen plant die Commerzbank den Abbau von Tausenden Stellen. So ganz konkret sind die Zahlen nicht – eine mit der Angelegenheit vertraute Person soll gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters von 3.000 bis 4.000 Arbeitnehmern gesprochen haben, die von diesen Maßnahmen betroffen sein würden. Insgesamt hat die Commerzbank eine Belegschaft von etwa 42.000 Mitarbeitern. Marginal wäre dieser Wegfall demnach nicht. Mit diesem Kahlschlag will die in Frankfurt ansässige Bank die Kosten senken und angeblich ihre Eigenständigkeit untermauern.
Das sei darum notwendig, weil die italienische Bank UniCredit die Hände nach der Commerzbank ausgestreckt hat. 2024 hatte der UniCredit-Chef Andrea Orcel eine größere Beteiligung an der Commerzbank in die Wege geleitet, die Bank hatte offen Interesse an einer Übernahme bekundet.
Nähere Informationen zu dieser Angelegenheit sollen am Donnerstag (13. Februar) folgen. Am Mittwoch (12. Februar) soll der Aufsichtsrat der Bank die Maßnahmen erörtern. Das Management arbeitet offenbar schon seit Monaten an einer Strategie, die das „signifikante Wertpotenzial“ der Bank sichtbar machen soll. Auf Reuters-Anfrage hatte die Commerzbank offenbar kein Statement geben wollen.
Deutliches Plus für die Commerzbank – „Bleibt ein attraktives Investment“
Erst Ende Januar hatte die Commerzbank die Jahresergebnisse für 2024 offengelegt. Im abgelaufenen Geschäftsjahr, so hieß es in einer Unternehmensmitteilung, habe das Nettoergebnis bei 2,68 Milliarden Euro gelegen. Im Vergleich zu 2023 sei das eine Steigerung von 20 Prozent – ein Rekordgewinn. Die Erträge stiegen auf 11,11 Milliarden Euro (plus sechs Prozent, angeblich dank eines starken Kundengeschäfts), der Zinsüberschuss lag auf einem hohen Niveau.
Als eine Konsequenz des starken Geschäftsergebnisses will die Bank eine Dividende von 0,65 Euro pro Aktie vorschlagen (von vorher 0,35 Euro). Außerdem hatte der Commerzbank-Vorstand einen weiteren Aktienrückkauf vorgeschlagen – im Volumen von bis zu 400 Millionen Euro. Laut der Bank hatten die erforderlichen Genehmigungen bereits vorgelegen.
„Wir haben unser Kapitalrückgabeversprechen an unsere Aktionärinnen und Aktionäre übererfüllt“, hatte Commerzbank-CEO Bettina Orlopp in einer entsprechenden Unternehmensmeldung dazu gesagt. „Durch konsequentes Kostenmanagement und den Fokus auf Wachstumsinitiativen konnten wir das Nettoergebnis des abgelaufenen Geschäftsjahres deutlich steigern. Dank einer weiter steigenden Profitabilität und neuer Wachstumsinitiativen werden wir die Kapitalrückgabe in den kommenden Jahren nochmals erhöhen. Die Commerzbank ist und bleibt ein attraktives Investment.“
Commerzbank und UniCredit – Bundesregierung schaltet sich ein
UniCredit hatte bereits mehrere Stufen von Aktienkäufen der Commerzbank durchgeführt. Im Dezember 2024 hieß es noch, die italienische Großbank kontrolliere nun etwa 28 Prozent der Commerzbank. Dafür hatte sie den Teilausstieg des Bundes im September 2024 ausgenutzt und war in großem Stil eingestiegen. Das hatte der UniCredit jedoch nicht gereicht: Das erklärte Ziel war eine Beteiligung von 29,9 Prozent. Dieses Engagement sei lediglich als Investment zu betrachten, hatte UniCredit erklärt.
Die Bundesregierung hatte mit offener Kritik reagiert. UniCredit gehe „unabgestimmt und mit unfreundlichen Methoden“ vor, hatte die Tagesschau einen Regierungssprecher zitiert. Die Regierung lehne dieses Vorgehen ab – „und umso mehr, da es sich bei der Commerzbank um eine systemrelevante Bank handelt.“ Die Regierung hatte erwartet, dass UniCredit von seiner Möglichkeit Gebrauch machen würde, das Investment wieder aufzulösen.
Das ist bislang nicht passiert. Auf der Homepage der Commerzbank ist (stand 12. Februar) zu sehen, dass UniCredit 9,49 Prozent der Aktien kontrolliert und sich rund 18,5 Prozent der Finanzinstrumente gesichert hat. Die Bundesrepublik hält 12,11 Prozent der Aktien. (Laernie mit Material von Reuters)
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