Italiener übernehmen weitere Anteile
Unicredit strebt die Fusion mit der Commerzbank an – mit möglichen Auswirkungen auf den Mittelstand
- VonRobert Wallenhauerschließen
Die italienische Großbank sichert sich weitere Anteile an der Commerzbank. Die Leitung der Frankfurter Bank alarmiert jedoch die Bundesregierung: Es bestehe ein Risiko für den Mittelstand.
Update vom Montag, 23. September, 17.02 Uhr: Das Commerzbank-Management hatte die Regierung vor den Folgen einer vollständigen Übernahme durch Unicredit für den Mittelstand gewarnt, nun reagiert die Bundesregierung und stellt sich gegen das Vorhaben der italienischen Bank. Das berichtete die Bild-Zeitung. „Die Bundesregierung unterstützt die auf Eigenständigkeit ausgerichtete Strategie der Commerzbank“, soll es demnach aus dem Bundesfinanzministerium heißen.
UniCredit will die Commerzbank übernehmen – mit dramatischen Folgen für den Mittelstand
Erstmeldung vom Montag, 23. September, 14.31 Uhr: Frankfurt – Die italienische Bank UniCredit hat nach eigenen Angaben weitere Anteile an der Commerzbank übernommen. Ihre Beteiligung an der Bank erhöhe sich so von derzeit neun auf 21 Prozent, erklärte die zweitgrößte italienische Bank am Montag (23. September). Die finale Übernahme der Anteile erfolgt, sobald alle erforderlichen „Genehmigungen eingeholt wurden“, heißt es von UniCredit. Außerdem habe man bei der Europäischen Zentralbank (EZB) beantragt, die Beteiligung auf 29,9 Prozent zu erhöhen.
Commerzbank-Chefs warnen die Ampel vor Übernahme durch UniCredit
Derweil warnt das Management der Commerzbank die Bundesregierung, dass eine komplette Übernahme Gefahren für den deutschen Mittelstand berge. Ein Zusammenschluss mit dem italienischen Rivalen könne die Kreditvergabe an kleine und mittelständische Unternehmen behindern, sagen Insider der Financial Times (FT).
Die Kreditvergabe für kleine und mittelständische Unternehmen ist ein wichtiger Bestandteil des Geschäfts der Commerzbank. Nach einer Fusion könnten Kreditentscheidungen und Risikomanagementkapazitäten ins Ausland verlagert werden, warnte das Führungsteam der Commerzbank die Berliner Entscheidungsträger, so die FT.
Ein möglicher „Italy first“-Ansatz der UniCredit in Zeiten finanzieller Krisen könnte deutsche Kunden benachteiligen und der Wirtschaft insgesamt schaden, sagten Personen, die den Führungskräften der Commerzbank nahe stehen, der britischen Finanzzeitung. Die Commerzbank sei besorgt, dass ein großer Teil ihrer 25.000 Geschäftskunden die Bank verlassen würde, sollte eine Übernahme durch die UniCredit erfolgen.
UniCredit sieht kein Risiko für den deutschen Mittelstand
Die italienische Bank erklärte wiederum, dass diese Argumente die Arbeitsweise der Mailänder Gruppe falsch darstellen. Man sei eine „paneuropäische“ Bank mit „vollständig eigenständigen Rechtseinheiten“ in allen Märkten, hieß es von der UniCredit gegenüber der FT. Bei der HypoVereinsbank, einer UniCredit-Tochter, die in München ansässig ist, werden „alle täglichen Entscheidungen in Deutschland getroffen – nicht in Mailand“.
UniCredit-Chef Andrea Orcel warb zuletzt offen für eine Komplettübernahme der Commerzbank. Deutsche Oppositionspolitiker und besonders die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi kritisierten diese Möglichkeit scharf und forderten den Bund auf, dies zu verhindern. Seitens der Bundesregierung hieß es, es werde zwar grundsätzlich am Plan eines gänzlichen Verkaufs der Commerzbank-Aktien festgehalten, vorerst sollen aber keine weiteren Anteile zum Verkauf gestellt werden. Der Bund war im Zuge der Finanzkrise 2008 zur Rettung bei der Frankfurter Bank eingestiegen. (mit Material der AFP)
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