Deutsche Großbank unter Druck
„Das sollte nicht das Ziel sein“: Regierung warnt vor Übernahme der Commerzbank
- VonRobert Wallenhauerschließen
Die Bundesregierung äußert Bedenken, nachdem die Unicredit ihren Anteil an der Commerzbank erhöht hat: Eine Übernahme durch die italienische Bank wäre ein erhebliches Risiko.
Berlin/Frankfurt – Die Bundesregierung warnt die italienische Großbank Unicredit vor einer feindlichen Übernahme der Commerzbank. Damit würde ein großes Risiko einhergehen, sagte Finanz-Staatssekretär Florian Toncar (FDP) am Mittwoch im Bundestag zu Journalisten. „Das sollte nicht das Ziel sein.“ Das Vorgehen der Mailänder habe viel Verunsicherung bei Beschäftigten und in der Politik geschürt.
Commerzbank: Bund hält weiter zwölf Prozent
Toncar ergänzte, er habe im Finanzausschuss des Bundestages die zeitlichen Abläufe geschildert, wie das zuletzt vom Bund veräußerte Paket an die Unicredit gegangen sei. Das höchste Angebot habe den Zuschlag bekommen, sagte der Staatssekretär im Finanzministerium. Die Bundesregierung habe mittlerweile aber deutlich gemacht, für die Eigenständigkeit der Commerzbank einzutreten. Allerding schließt sie aus, im Übernahmekampf ihre Beteiligung an der Commerzbank noch einmal aufzustocken, erklärte SPD-Finanzpolitiker Michael Schrodi der Nachrichtenagentur Reuters. Das habe die Bundesregierung im Finanzausschuss des Bundestages deutlich gemacht, sagte Schrodi weiter. „Die Frage ist, ob man das auf Dauer ausschließen kann.“
Schrodi ergänzte, die Commerzbank sei profitabel und stark. „Sie steht gut da.“ Es gehe jetzt darum, die Beteiligung des Bundes zu halten und die Arbeitsplätze zu sichern. Unicredit kontrolliert 21 Prozent an der Frankfurter Bank und will mehr. Der Bund hält noch zwölf Prozent. Schrodi kritisierte, die italienische Bank habe sich herangeschlichen. Der Aufbau der Beteiligung sei nicht offen, transparent oder auf Augenhöhe mit der Commerzbank erfolgt. Das Vorgehen sei aggressiv.
Unicredit: Option der Übernahme bleibt bestehen
Das Mailänder Geldhaus hält sich indes alle Optionen offen. Unicredit-Chef Andrea Orcel betont aber die Vorzüge einer grenzüberschreitenden Fusion. „Die Commerzbank ist ein Investment. Nichts anderes.“ Derzeit gebe es kein Übernahmeangebot, sagte Orcel auf einer Konferenz der Bank of America in London.
Ein Zusammengehen mit dem Frankfurter Dax-Konzern könne aber zum „Testfall für Europa“ werden, das größere Banken brauche. „Wir können zusammenkommen und etwas Größeres machen.“ Die Commerzbank passe strategisch gut zur italienischen Großbank.
Unicredit hat bereits HypoVereinsbank übernommen
Der deutsche Bankenmarkt sei fragmentiert und Unicredit habe Erfahrung vor Ort, sagte Orcel in Anspielung auf die Tochter HypoVereinsbank (HVB), die 2005 von der Unicredit übernommen worden war. Zugleich betonte Orcel erneut, die Unicredit sei nicht unter Zugzwang. „Wir können den Commerzbank-Anteil auch wieder verkaufen.“ Bei großen Fusionen brauche es Einigkeit auf beiden Seiten.
Auf die Frage, ob die Bank Gespräche mit der deutschen Regierung geführt habe, antwortete Orcel: „Wir haben wiederholt mit großen, wichtigen Aktionären gesprochen.“ Die Unicredit sei offen für einen neuerlichen Dialog. (mit Material von Reuters und der dpa)
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