Der Bürgerkreis Real zeigt eine dreidimensionale Visualisierung des Instone-Entwurfs für das Real-Gelände, um die Kritik plastisch zu machen.
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Der Bürgerkreis Real zeigt eine dreidimensionale Visualisierung des Instone-Entwurfs für das Real-Gelände, um die Kritik plastisch zu machen.

Bürgerkreis Real Gelände zeigt 3-D-Animation

„Betonwand“ statt offenem Entree

  • VonBettina Merkelbach
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Um das ganze Ausmaß der geplanten Bebauung des Real-Geländes zu verdeutlichen, hat der Bürgerkreis eine dreidimensionale Animation anfertigen lassen. Die Mitglieder zeigen sie den Stadtverordneten, in der Hoffnung, dass diese den Entwurf doch noch kippen.

Maintal – Der Bürgerkreis Real-Gelände meldet sich erneut mit kritischen Worten zum beschlossenen Bebauungsentwurf für das Grundstück des ehemaligen Real-Markts in Dörnigheim zu Wort. Diesmal zeigen die Anwohner, die sich für eine weniger dichte Bebauung aussprechen, eine 3-D-Animation des beschlossenen Planungsentwurfs namens Landschaftshügel. Das 3-D-Video soll einen möglichst plastischen Eindruck davon geben, wie die geplanten Wohn- und Geschäftshäuser am Dörnigheimer Ortseingang nach Bau tatsächlich aussehen.

„Befürchten, Unterlagen werden nicht gelesen“

Diesen Schritt geht der Bürgerkreis nach eigener Aussage, weil er vor allem die Stadtverordneten darauf aufmerksam machen will, dass der beschlossene Entwurf nicht ihren ästhetischen, städtebaulichen und nachhaltigen Ansprüchen an das neue Quartier entspricht. „Wir befürchten, die Unterlagen werden nicht gelesen“, erklärt Hayriye Rupin, Sprecherin des Bürgerkreises. „Wenn wir diese Planung umsetzen, gehen wir einen weiteren Schritt hin zur Schlafstadt“, findet sie klare Worte für den von Investor und Grundstückseigentümer Instone Real Estate präsentierten Entwurf, in den die Stadtverordneten ihre Wünsche bereits einbringen konnten.

Der Landschaftshügel ist daher zwar bereits als konsolidierter Planungsentwurf beschlossen. Dennoch versucht der Bürgerkreis, einen Diskurs darüber in Gang zu setzen oder zu halten. Denn die Kommunikation mit der Stadtverwaltung und den Fraktionen der Stadtverordnetenversammlung läuft nur schwerfällig, wie Rupin berichtet. „Die Leute schauen sich die Pläne nicht im Detail an“, kritisiert Rupin den Beschluss. Diese Details erhofft sich der Bürgerkreis nun mit dem 3-D-Rendering verdeutlichen zu können. „Wir wollen die architektonische Kubatur, die Abstände zwischen den Gebäuden und die Baudichte aufzeigen“, erklärt Nabil Afzali, der sich ebenfalls im Bürgerkreis Real engagiert, mit dem ehemaligen Neupert-Geschäftsführer Reiner Michaelis einen eigenen Entwurf gestaltet hat und in Maintal ein Planungsbüro betreibt.

Hauptkritikpunkt ist direkter Bau an der Straße

Einer der größten Kritikpunkte des Bürgerkreises ist der direkte Bau an der Straße. Lediglich 6,50 Meter Abstand zur Kennedystraße sehe die Planung vor, hat Afzali aus den Plänen ausgerechnet. 3,50 Meter davon böten Raum zur Begrünung. „Dort entsteht eine 22 Meter hohe Wand“, erklärt Afzali. Diese Höhe entspreche dem zur Kennedystraße hin geplanten Lebensmittel-Discounter, der Kita im ersten Stock und darüber vier Wohngeschossen.

Diese „Betonwand“ stellt aus Sicht des Bürgerkreises nicht nur ein wenig einladendes Entree dar. Sie verändere auch die Lichtverhältnisse auf der Kennedystraße auf „unnatürliche“ Art und Weise. „Die Kennedystraße wird dunkel. Die dort geplanten Bäume kriegen keine Sonne ab“, beschreibt Afzali, welche Auswirkungen diese Bebauung hätte. „Diese Wand schafft ein abgeriegeltes Quartier voller Schlafplätze“, lautet Rupins deutliche Kritik. Ein im Entwurf vorgesehenes Café hin zur Kesselstädter Straße, das den Eindruck einer geschlossenen Betonwand auflockern würde, findet allerdings keine Berücksichtigung in dem 3-D-Entwurf. Daher stellt sich die Frage, ob der Entwurf die geplante Bebauung tatsächlich abbildet. Auch dass diese „Riegelbebauung“ zu den viel befahrenen Straßen hin das Quartier vor Lärm schützt, ist für die Anwohner zweitrangig. Wichtiger ist ihnen die klimatische Durchlüftung und der Durchgang zum Mainufer. „Diese Wand ist ein Hindernis auf dem Weg zum Main“, sagt Rupin und fordert eine durchlässigere Bebauung, die der Bürgerkreis im eigenen Entwurf umgesetzt sieht.

Offener und durchlässiger ist der Wunsch

Deshalb zeigt die Webseite des Bürgerkreises auch den direkten Vergleich zwischen beiden Plänen. Die eigene Zeichnung hält einen zehn Meter großen Abstand zum Bürgersteig ein und mutet daher gleich offener und durchlässiger an, findet Afzali. „Wir haben in dem Entwurf nicht alle geplanten Bäume optisch umgesetzt – nicht um den Entwurf weniger grün erscheinen zu lassen. Sondern weil die Pflanzung tiefwurzeliger Bäume unserer Meinung nach auf der Tiefgarage nicht möglich ist“, erklärt Afzali, der seine Darstellung daher für realistisch hält. Auch dass die derzeit zum Real-Gelände hin gesperrte Wingertstraße zwar als verkehrsberuhigter Bereich, aber dennoch für Verkehr geöffnet werden soll, ist den Anwohnern ein Dorn im Auge.

„Planungsentwurf muss angepasst werden“

Abgesehen von der Bebauung zur Kesselstädter und zur Kennedystraße hin gefällt den Anwohnern aber die Planung. Positiv bewertet der Bürgerkreis auch die Änderungsanträge, die die Fraktionen zum Grundlagenvertrag zwischen Stadt und Instone eingebracht haben. „Den aktuellen Beschluss finden wir gut“, sagt Rupin. Auch die Reduzierung der Einzelhandelsfläche, die bislang mit 9000 Quadratmetern eingeplant war, stößt auf Zustimmung, weil die Anwohner dadurch auch auf weniger Autoverkehr hoffen.„Der Planungsentwurf muss angepasst werden“, hoffen die Anwohner. „Diese 3-D-Visualisierung ist vor allem ein Appell an die Stadtverordneten, sich die Planung noch einmal genau anzuschauen“, fasst Rupin ihr Ansinnen zusammen. „Die Zukunft Maintals liegt in ihrer Hand“, macht sie die Bedeutung, die der Bürgerkreis der Planung des neuen Quartiers beimisst, deutlich.

3-D-Animation

Wer sich selbst einen Eindruck des 3-D-animierten Planungsentwurfs machen will, findet das Video auf der Webseite des Bürgerkreises www.buergerkreis real.de.

Von Bettina Merkelbach

Diese Wand schafft ein abgeriegeltes Quartier voller Schlafplätze.

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