Wie kann das Real-Gelände zukünftig stärker mit dem Mainufer, dem Stadtteil und darüber hinaus vernetzt werden? Damit hat sich der Bürgerkreis auseinandergesetzt und ein eigenes Verkehrskonzept entwickelt. Archiv
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Wie kann das Real-Gelände zukünftig stärker mit dem Mainufer, dem Stadtteil und darüber hinaus vernetzt werden? Damit hat sich der Bürgerkreis auseinandergesetzt und ein eigenes Verkehrskonzept entwickelt. Archiv

„Wir brauchen einen Masterplan“

Bürgerkreis Real-Gelände hat ein eigenes Verkehrskonzept entwickelt

  • VonBettina Merkelbach
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Wie soll der Auto-, Fußgänger- und Radverkehr in und um das geplante Neubaugebiet auf dem Real-Gelände in Dörnigheim verlaufen? Mit dieser Frage hat sich der Bürgerkreis auseinandergesetzt. Er kritisiert das bestehende Konzept der Planer und legt jetzt eigene Ideen vor.

Maintal – Der Bürgerkreis Real-Gelände, der sich regelmäßig kritisch mit den aktuellen Planungen für das Neubaugebiet auf dem Areal des ehemaligen Supermarktes auseinandersetzt, legt jetzt ein eigenes Verkehrskonzept vor. Es sieht mehrere Fußgängerwege durch das Neubaugebiet und über die Kesselstädter Straße in das gegenüberliegende Grüngebiet vor. Damit die Fußgänger die viel befahrene Straße gefahrlos passieren können, fordert der Bürgerkreis hier eine Verkehrsberuhigung auf „maximal Tempo 30“ und eine Verengung der Fahrbahn zugunsten von Grün- und Fahrrad-Streifen wie auf einer Allee. Zwischen Kesselstädter, Kennedy- und Berliner Straße wünscht sich der Bürgerkreis außerdem einen Kreisverkehr statt der Ampelkreuzung und ein Verbot für Lkw auf der Kesselstädter Straße.

Wohingegen das Thema Kreisel dort kein neues ist, gehen die Forderungen der Dörnigheimer weit über das Real-Gelände hinaus: „Was wir brauchen, ist ein Masterplan“, sagt Nabil Afzali, der mit dem ehemaligen Neupert-Chef Reiner Michaelis einen eigenen Entwurf zur Bebauung des Real-Geländes entwickelt hat. Was ihm vorschwebt ist nicht mehr und nicht weniger als die gesamte Vernetzung aller geplanten Neubaugebiete, vom Real-Gelände über die Eichenheege bis Maintal Mitte. „Wir müssen die Entwicklung im Großen sehen und eine stärkere Vernetzung schaffen“, erklärt der Architekt.

Das Vorbild, das ihm dabei vorschwebt, ist das Frankfurter Konzept „Speichen und Strahlen“, das den Grüngürtel mit der Innenstadt verbindet und in die Außenbezirke der Mainmetropole vernetzt. Das könne, gibt Afzali zu, natürlich nicht eins zu eins auf Maintal übertragen werden. Aber das Konzept des Bürgerkreises versuche zumindest eine stärkere Vernetzung des Real-Gelände hin zu den anderen Neubaugebieten, zum Mainufer, in den Stadtteil und darüber hinaus.

Mehr Rad- und Fußwege als im Entwurf Landschaftshügel

Gleichzeitig fordert der Bürgerkreis von der Stadt ein Gesamtkonzept, das neben dem Thema Verkehr auch Begrünung, Gewerbe und soziale Flächen als einzelne Ebenen abbildet. Das Integrierte Städtebauliche Entwicklungskonzept hält er dafür nicht geeignet. „Er ist nicht verständlich, nicht aktuell, nicht konkret genug“, sagt Afzali. Gleichzeitig kritisiert der Bürgerkreis mit der Entwicklung eines eigenen Konzepts wie so häufig auch die aktuellen Entwürfe des Investors Instone.

„Es ist unbefriedigend, wenn man sieht, welche Masse an neuen Wohnungen hier entstehen sollen und man als Bürger das Gefühl hat, dass die Planer nach dem Motto vorgehen: Das Verkehrskonzept wird sich schon finden. Das ist höchstens Stückwerk“, kritisiert Hayriye Rupin, die sich seit den ersten Planungen für Alternativen stark macht, die ihrer Meinung nach Klimaschutz, Aufenthaltsqualität und zukunftsfähige Mobilität stärker in den Mittelpunkt stellen als das der aktuelle Entwurf von Instone und Planquadrat tut. Deshalb habe er in seinem Verkehrskonzept Auto-, Radfahrer und Fußgänger gleichermaßen berücksichtigt, erklärt der Bürgerkreis.

Ein Knackpunkt ist jedoch: Auf den zuletzt von der Stadtverordnetenversammlung favorisierten Entwurf namens Landschaftshügel lassen sich die Ideen kaum übertragen. Dieser Entwurf lasse beispielsweise weniger Durchwegungen zu, weil aus Schallschutzgründen zur Kesselstädter Straße hin eine stärker geschlossene Gebäudefront vorgesehen ist. Die Verkehrsanalysen und -Gutachten des Planungs- und Ingenieurbüros IMB-Plan haben sich mit unterschiedlichen Planfällen auseinandergesetzt. Dabei gehen die Planer von einem Neuverkehrsaufkommen von rund 5000 bis 6000 Kfz-Fahrten an einem Normalwerktag aus und kalkulieren darin auch die angrenzenden (geplanten) Neubaugebiete „City 1 Group“ und Opel-Eck ein. Daten zu Maintal Mitte gibt es noch nicht.

Gutachten hält Planung für „mindestens ausreichend“

Grundsätzlich ist in den Planungen für das Real-Gelände eine Zufahrt im Alten Kesselstädter Weg und eine Abfahrt an der Kesselstädter Straße vorgesehen. Das Gutachten kommt insgesamt zu dem Schluss, dass die Verkehrsknotenpunkte die neuen Belastungen in „mindestens ausreichende Weise aufnehmen und abwickeln“ können, empfiehlt aber an der Einmündung Kennedystraße/Alter Kesselstädter Weg einen zusätzlichen Linksabbieger-Streifen. Für Fußgänger und Radfahrer ist ein Geh- und Radweg entlang der Kesselstädter Straße bis in die Wingertstraße vorgesehen.

Der Bürgerkreis sieht in seinem Konzept hingegen mehr Wege für Radfahrer und Fußgänger vor – „weil wir zukünftig auf klimaresistente, alternative Verkehrsmittel setzen müssen“, erläutert Hayriye Rupin. „Das Wegenetz funktioniert so im Landschaftshügel nicht“, erklärt Afzali und erneuert damit die Forderung des Bürgerkreises nach einer „durchlässigeren“ Bebauung.

Ob diese Ideen in die weiterführende Planung eingehen, ist indes ungewiss. Derzeit gelänge es dem Bürgerkreis nicht einmal, einen Gesprächstermin mit Bürgermeisterin Monika Böttcher (parteilos) zu finden, berichtet Sprecherin Rupin.

Von Bettina Merkelbach

Das Verkehrskonzept des Bürgerkreises setzt stärker auf Vernetzung in den Stadtteil und darüber hinaus.
Verkehrsberuhigte Allee: Die Kesselstädter Straße soll für Radfahrer und Fußgänger sicherer werden.

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