So könnte es aussehen, das neue Entree Dörnigheims. Den städtebaulichen Vertrag dazu haben die Stadtverordneten am Montag beschlossen.
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So könnte es aussehen, das neue Entree Dörnigheims. Den städtebaulichen Vertrag dazu haben die Stadtverordneten am Montag beschlossen.

Real-Gelände

Großer Kompromiss: Maintals Stadtverordnete beschließen Vertrag mit Investor

  • VonBettina Merkelbach
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Lange schon diskutieren die Maintaler Stadtverordneten über die Bebauung des Real-Geländes. In der Stadtverordnetenversammlung am Montag sind sie einen bedeutenden Schritt weitergekommen: Sie haben den städtebaulichen Vertrag mit Investor Instone beschlossen.

Maintal – Der Supermarkt verfällt vor sich hin, unansehnliche Graffitis auf den Fassaden verblassen, Unkraut wuchert auf der tristen Betondecke des Parkplatzes – ein Entree, das in Maintal willkommen heißt, sieht anders aus. Darin sind sich auch die Stadtverordneten weitgehend einig. Jetzt könnte es tatsächlich in absehbarer Zeit neu bebaut werden, das Gelände des ehemaligen Real-Markts in Dörnigheim.

In einer Sondersitzung haben die Stadtverordneten den städtebaulichen Vertrag mit Investor Instone und zugleich die nächste Phase der Offenlage beschlossen. Damit, beglückwünschte Bürgermeisterin Monika Böttcher (parteilos) das Parlament zu dem Beschluss, sei man einen wichtigen Schritt weiter im Bauleitverfahren, mit dem „nicht mehr weiten“ Ziel, den „städtebaulichen Missstand“ in ein „attraktives Quartier“ zu verwandeln.

Vorangegangen waren einmal mehr lange Diskussionen, die selbst noch am Montagabend mit erheblichem internen Beratungsbedarf in den Fraktionen einherging. Letztlich mündete die Debatte aber in einen „guten Kompromiss“, waren sich mehrere Redner einig. Zwar haben man Abstriche machen müssen, etwa bei einer Mobilitätsstation, die die Grünen gerne gehabt hätten, oder beim Klimaschutz.

Maintal musste Zugeständnisse machen

Aber letzten Endes müsse man bezahlbaren Wohnraum schaffen, die Kennedystraße sei dafür prädestiniert. „Wenn es irgendwo funktioniert, dass wir hoch bauen, dann dort“, resümierte CDU-Bauexperte Erik Schächer und hielt die Baudichte „für vertretbar“.

Die war bis zuletzt Stein des Anstoßes, den der Bürgerkreis Real weiter kritisiert, der sich seit Beginn der Planung mit dem Essener Wohnungsentwickler Instone Real Estate kritisch zu dessen Entwürfen äußert (siehe Bericht unten). Auch die Höhe der geplanten Gebäude steht nach wie vor in der Kritik. In dem etwas luftiger und grüner wirkenden Entwurf namens „Grünes Quartier“ sind die höchsten Häuser 24 Meter hoch. „Ich halte das städtebaulich für vertretbar“, fand Schächer. Man habe schließlich auch gegenüber Instone einige Zugeständnisse machen müssen. Dafür erhalte man aber ein Quartier, in dem man wegen der guten Nahverkehrsanbindung auch ohne Auto leben könne, das Wohnraum für alle Alters- und Gehaltsklassen biete – ein „städtebaulicher Gewinn“, lautete Schächers Fazit.

„Wir haben das Beste ausgehandelt, was wirtschaftlich geht“, fand auch WAM-Fraktionsvorsitzender Jörg Schuschkow, auch wenn sich seine Fraktion mit dem Baugebiet insgesamt „schwergetan“ habe und er auch die aktuelle Planung unter Klimaanpassungsanforderungen nach wie vor für „nicht tragbar“ halte. Vor allem die geschlossene Gebäudefront Richtung Kesselstädter Straße lasse nach wie vor keine Durchlüftung des Quartiers zu, was zur Überhitzung beitrage.

Kein Bauland gegenüber

Angesichts verschiedener Zahlen zur Baudichte, die „durch den Raum schwirrten“ versuchte Professor Joachim Fetzer (FDP) für Klarheit zu sorgen: Ursprünglich war man von 280 Wohnungen zuzüglich einer nicht bezifferten Anzahl von Seniorenwohnungen ausgegangen. Davon seien rund hundert geplant, rechnete Fetzer vor, sodass man insgesamt auf circa 380 Wohnungen komme, zehn weniger als jetzt im Raum stünden, versuchte er dem Bürgerkreis, der diese Zahlenspiele als intransparent kritisiert, den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Seine Fraktion legte Wert darauf, dass die Fläche gegenüber nicht bebaut wird, obwohl sie im neuen regionalen Flächennutzungsplan als Bauland markiert ist. Der Antrag wurde mehrheitlich beschlossen. Auch der geänderten Vorlage stimmte die Mehrheit zu, sodass die Stadt den Vertrag mit Instone in trockene Tücher bringen und im nächsten Schritt den neuen Entwurf der Öffentlichkeit und den Behörden offenlegen kann.

Neuer Rahmenplan „Grünes Quartier“

Im Vergleich zum „Landschaftshügel“ aus dem Jahr 2022 hat sich im neuen Entwurf „Grünes Quartier“ einiges getan: Der ursprünglich mit rund 9000 Quadratmetern eingeplante Einzelhandel umfasst nur noch 3800 Quadratmeter, 2000 davon Verkaufsfläche. Einzelhandel und Gastronomie sind an der Ecke Kesselstädter/Kennedystraße konzentriert. Mehr Raum für erdgebundene Bäume und Versickerungsflächen wurden geschaffen, indem die Tiefgarage nicht das komplette Quartiert unterkellert, sondern in einer Quartiersgarage zusammengefasst ist. Deren Fassade soll für ein besseres Mikroklima begrünt werden. Der Spielplatz wurde zentriert. Die Gebäudefront an der Kesselstädter Straße wurde zurückgesetzt, um Platz für Bäume und Radfaher zu schaffen. Fußgänger- und Radwege führen durch das Quartier.

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