Lockerung der Abgasvorschriften

Verbrenner-Aus: EU prüft Pläne – was das für Autobauer bedeutet

  • Markus Hofstetter
    VonMarkus Hofstetter
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Die EU will die Abgasvorschriften für Autohersteller lockern und damit Strafzahlungen vermeiden. Auch das Verbrenner-Aus könnte gelockert werden.

Brüssel – Die Europäische Union plante bisher, ab 2035 keine neuen Autos mehr zuzulassen, die CO₂ ausstoßen. Doch dieses sogenannte Verbrenner-Verbot ist umstritten – sowohl bei den Autoherstellern als auch in der Bevölkerung.

Verbrenner-Aus ist unbeliebt: Hälfte der Verbraucher fordert Abschaffung oder Verschiebung

Viele Hersteller haben angesichts dieser Regelung frühzeitig darauf gesetzt, den Anteil von Elektroautos am Gesamtabsatz stark zu erhöhen, einige wollten sogar ganz aus der Verbrenner-Produktion aussteigen. Nur wenige wie BMW verfolgten eine technologieoffene Strategie. Die Folge: Angesichts des schleppenden Absatzes von Elektroautos mussten viele Autohersteller, darunter Mercedes, ihre Antriebsstrategien anpassen.

Auch in der Bevölkerung ist der Abschied vom Verbrennungsmotor nicht populär. In einer Umfrage von Autoscout24 in Deutschland, Österreich, Italien und Frankreich sprach sich mehr als die Hälfte der Befragten dafür aus, das geplante Zulassungsverbot für neue CO2-emittierende Diesel, Benziner und Hybride zu kippen.

In der EU neu zugelassene Fahrzeuge dürfen ab 2035 kein CO₂ mehr ausstoßen – das kommt quasi einem Verbrenner-Verbot gleich. (Symbolbild)

Verbrenner-Aus könnte aufgeweicht werden: Kommen Ausnahmen für Plugin-Hybride und E-Fuel?

Bleibt es bei dem Verbrenner-Aus in seiner bisherigen Ausgestaltung, wäre ein Großteil des aktuellen Fahrzeugangebots von dem Verbot betroffen. Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland laut Kraftfahrt-Bundesamt 380.609 Pkw mit reinem Elektroantrieb neu zugelassen, was einem Anteil von 13,5 Prozent aller Neuzulassungen entspricht. Rechnet man die mit Wasserstoff (H2) betriebenen Elektroautos hinzu, die auch nach 2035 neu zugelassen werden dürfen, würde sich dieser Anteil leicht erhöhen. Wie hoch dieser Anteil in zehn Jahren sein wird, ist jedoch offen.

Diese Entwicklungen haben offenbar dazu geführt, dass auch in Brüssel die bisherige Strategie überdacht wird. Die EU-Kommission überprüft das Aus für den Verbrennungsmotor nun bereits in diesem Jahr und nicht wie bisher geplant erst 2026. Laut EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (CDU) soll dabei keine Technologie von vornherein ausgeschlossen werden.

Viele setzen ihre Hoffnung darauf, dass Autos, die mit alternativen Kraftstoffen, sogenannten E-Fuels, betrieben werden, auch nach 2035 neu zugelassen werden dürfen. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) fordert auch Ausnahmen für Plugin-Hybride.

EU will Abgasvorschriften für Autobauer lockern: Hersteller bleiben vorerst von Strafzahlungen verschont

Auch bei den Klima-Strafzahlungen soll sich etwas tun. Die EU schreibt den Herstellern vor, wie viel Kohlendioxid ihre verkauften Neuwagen im Schnitt maximal ausstoßen dürfen. Für die Unternehmen gelten individuelle Werte, die in diesem Jahr gesunken sind und eben ab 2035 bei null liegen sollen. Werden diese Abgasziele nicht erfüllt, sind Strafen vorgesehen, die in die Milliarden gehen können. Angesichts des schwachen Absatzes von Elektroautos haben Volkswagen oder Renault aber Probleme, die verschärften Abgasziele zu erreichen.

Um drohende Strafen zu vermeiden, sollen die Autohersteller den CO2-Ausstoß ihrer Neuwagen aus dem laufenden Jahr mit den Werten der kommenden zwei Jahre verrechnen können. Wer also in diesem Jahr die Grenzwerte verfehlt, könnte dies in den Jahren 2026 und 2027 ausgleichen.

Zeitenjagd auf Nordschleife: Diese 10 Elektroautos waren am schnellsten

Porsche Taycan Turbo auf der IAA.
Platz 9 – Porsche Taycan Turbo: Die Zuffenhausener sind fast schon Stammgast in der Eifel. Es war also nur eine Frage der Zeit, bis man nach dem Rekord für in Serie gebaute Elektroautos greift. Und so schickten die Schwaben 2019 einen Vorserien Taycan Turbo auf die Nordschleife. Die offizielle Zeit: 7:42,3. Ein neuer Rekord! Übrigens: Der BMW M4 CS der vorherigen Generation war genauso schnell. © Manfred Segerer/Imago
Tesla Model S
Platz 8 – Tesla Model S Plaid: Wo es um Elektroautos geht, ist Tesla nicht weit weg. Und so wollten die Amerikaner auch den Rundenrekord auf der Nordschleife. Um Porsche abzulösen, schickte man 2021 das Model S Plaid ins Rennen. Mit Erfolg: Das 1.020 PS starke Elektroauto durchquerte die Grüne Hölle in 7:35,5 Minuten. Es war der Anfang eines Duells um die Bestzeit. © Tesla
Porsche Taycan Turbo S auf der Nordschleife.
Platz 7 – Porsche Taycan Turbo S: Nur ein Jahr später schickte sich Porsche an den Tesla-Rekord zu knacken. Dieses Mal sollte es der Taycan Turbo S richten. Und er pulverisierte die Bestmarke der Texaner. Mit 7:33,3 Minuten war er knapp zehn Sekunden schneller als das Model S Plaid. © Porsche
Tesla Model S auf der Nordschleife.
Platz 6 – Tesla Model S Plaid Track Pack: Im Jahr 2023 folgte dann ein weiterer Anlauf von Tesla. Dieses Mal war das Model S Plaid zusätzlich noch mit dem Track Pack ausgestattet. Perfekte Voraussetzungen für einen Trackday mit Rundenrekord. Und den schnappten sich die Texaner auch. Die Zeit: 7:25,2 Minuten. Satte 8,1 Sekunden schneller als Porsche. © Tesla
Toyota TMG EV P002 auf der Nordschleife.
Platz 5 – Toyota TMG EV P002: Der Name dieses Stromers ist ähnlich kryptisch, wie der des ersten Elektro-Toyotas bz4X. Dahinter verbirgt sich aber ein elektrischer Prototyp eines Rennautos mit 469 PS. Mit 7:22,32 stellte Toyota 2012 für kurze Zeit den Rekord für Elektroautos auf der Nordschleife auf. © Toyota Gazoo Racing Europe
Porsche Taycan Turbo GT auf der Nordschleife.
Platz 4 – Porsche Taycan Turbo GT: Und täglich grüßt das Murmeltier oder in diesem Fall Zuffenhausen. Im Januar 2024 schickte die VW-Tochter einmal mehr eine Vorserienversion des Elektrosportlers auf die Nordschleife, um den Tesla Rekord einzustellen. Und das gelang eindrucksvoll. Mit 7:07,5 Minuten blieb man nur knapp über sieben Minuten. Platz drei verpasste der Taycan um grade einmal 2,3 Sekunden. Zeitgleich war man knappe 18 Sekunden schneller als Dauerkonkurrent Tesla. © Sebastian Kubatz/Porsche
Rimac Nevera
Platz 3 – Rimac Nevera: Mit einer Zeit von 7:05,2 ist das Hypercar hauch dünn, das schnellste Serien-Elektroauto auf der Nordschleife. Die 1.088 PS haben bei der Rekordfahrt Ende 2023 sicherlich geholfen, um Porsche, Tesla und Co. hinter sich zu lassen. Den Sprint von null auf 100 schafft der Nevera in 1,7 Sekunden. Auch abseits der Grünen Hölle ist er somit eines der schnellsten Elektroautos auf dem Markt. Zudem hält der Sportwagen einen Weltrekord für die höchste Geschwindigkeit im Rückwärtsgang. © Cover-Images/Imago
NIO EP9
Platz 2 – NIO EP9: Auch wenn der Sportwagen zwischen 2016 und 2019 für etwa 1,55 Millionen Euro verkauft wurde, ein Serienfahrzeug ist er nicht. Lediglich zehn Exemplare wurden gebaut. Auf der Nordschleife durfte das 1.360-PS-Monster 2017 zeigen, was in ihm steckt. Und das ist einiges: Als erstes Elektroauto bezwang er die Grüne Hölle in unter sieben Minuten. Und zwar deutlich. Am Ende zeigte die Stoppuhr 6:45,9 Minuten. Beim ersten Versuch im Vorjahr blieb das Hypercar mit 7:05,12 Minuten noch knapp darüber. © Pond5 Images/Imago
Ein Lotus Elvija X auf der Nordschleife.
Platz 2 – Lotus Elvija X: Schon die Serienversion des Elektro-Hypercars ist beeindruckend. 2.039 PS katapultieren den Lotus Elvija in 9,1 Sekunden auf Tempo 300, das maximale Drehmoment beträgt 1.704 Newtonmeter. Daran hat sich auch bei der Nordschleifen-Version nichts geändert. Lediglich an der Aerodynamik hat Lotus geschraubt. Der Elvija X trägt einen massiven Heckflügel sowie einen ausgeprägten Frontsplitter und Luftleitbleche. Hinzu kommen Karbonbremsen und Rennreifen von Pirelli. Mit diesen minimalen Modifikationen brannte das Hypercar eine Zeit von 6:24,047 Minuten in den Asphalt der Grünen Hölle. Damit ist es das schnellste Auto mit Serienfahrwerk. © Lotus
VW ID.R auf der Nordschleife.
Platz 1 – VW ID.R: Noch bevor Volkswagen voll auf Elektro gesetzt hat, experimentierte man in Wolfsburg mit dem Alternativ-Antrieb herum. Heraus kam der ID.R. Mit 680 PS und weniger als 1.100 kg Gewicht war die Studie ein offensichtlicher Kandidat für den Elektro-Rekord in der Eifel. 2019 war es dann so weit und die Grüne Hölle war kein Gegner für den ID.R. Der Elektrorenner brauchte nur 6:05,3 Minuten für die Nordschleife. Damit ist er mit deutlichem Abstand der schnellste Stromer auf der Kult-Strecke. Einzig der Porsche 919 Hybrid Evo legte die 23 Kilometer schneller zurück. © Bildagentur Kräling/Volkswagen

Dazu will die Kommission in den kommenden Wochen eine Gesetzesänderung vorschlagen, über die dann das Europaparlament und der Rat der 27 EU-Staaten verhandeln müssen.

Aufweichung des Verbrenner-Verbots: Autofahren wird trotzdem teurer werden

Sollte die EU das Verbrennungsverbot tatsächlich aufweichen, könnten die Hersteller wieder mehr in neue Hybridmodelle oder sparsame Benziner investieren. Autokäufer hätten dann eine größere Auswahl an Antriebsarten.

Doch ein weiterer Wermutstropfen zeichnet sich bereits ab. Ab 2027 wird der Verkehr in den EU-weiten Emissionshandel einbezogen, so dass ab diesem Zeitpunkt mit steigenden Benzin- und Dieselpreisen zu rechnen ist.

Rubriklistenbild: © Panthermedia/Imago

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