Verkauf aktuell kein Thema mehr
Staat will Commerzbank-Beteiligung wider Erwarten ausbauen
- VonAndreas Jägerschließen
Der Bund nimmt nicht am laufenden Aktienrückkaufprogramm der Commerzbank teil – und steigert seinen Anteil dadurch. Rentabel wäre ein Verkauf aktuell wohl ohnehin nicht. Indes präsentierte die Bank neue Rekordzahlen für das vergangene Geschäftsjahr.
Frankfurt – Die Bundesregierung neigt dazu, deutlich mehr Geld auszugeben als sie hat. Das führte bei der Aufstellung des Haushalts für 2024 zu einigen Problemen. Weshalb man im Zuge der Haushaltsberatungen offenbar auch einen Verkauf der Commerzbank-Anteile prüfen ließ, wie die Süddeutsche Zeitung damals berichtete. Diskutiert wurde ein Verkauf der Aktien auch schon vorher immer mal wieder.
Der Staat rettete die Commerzbank 2009 vor der Pleite
Nun ist die Sachlage aber eine andere: Denn bei der Commerzbank läuft aktuell ein Aktienrückkaufprogramm, an dem der Staat allerdings nicht teilnimmt. Das bedeutet: Weil danach weniger Aktien im Umlauf sein werden, steigt die Beteiligung automatisch. Vermutlich von aktuell 15,75 Prozent auf rund 16,5 Prozent – das vermeldet das Handelsblatt mit Verweis auf Finanzkreise.
Die Anteile an der Commerzbank hält der Staat mittlerweile schon seit Januar 2009 – eine staatliche Beteiligung an einer privaten Bank war damals ein Novum in der deutschen Geschichte. 25 Prozent plus eine Aktie kaufte der Bund, um die Commerzbank vor einer Pleite in Folge der Finanzkrise zu bewahren. Und obwohl sich die Beteiligungsquote im Lauf der Jahre reduziert hat, ist der Staat weiterhin größter Einzelaktionär der Bank geblieben.
Drei Milliarden Euro für die Aktionäre
Rentabel wäre ein Verkauf der Commerzbank-Anteile aktuell aber wohl ohnehin nicht. Der Aktienkurs des Geldinstituts pendelte zuletzt zwischen zehn und elf Euro. Wie die Bundesregierung 2019 mitteilte, müsste der Preis je Aktie mindestens 26 Euro betragen, um die Stabilisierungsmaßnahme grundsätzlich verlustfrei zu beenden.
Indes präsentierte die Commerzbank am Donnerstagmorgen ihre Geschäftszahlen – mit einem Rekordgewinn im Jahr 2023. Damit wurden sogar noch die sehr guten Zahlen von 2022 übertroffen. Aufgrund der Zinswende stieg der Jahresüberschuss von gut 1,4 Milliarden Euro auf etwas mehr als 2,2 Milliarden Euro. Bis 2027 will der Vorstand das Nettoergebnis auf rund 3,4 Milliarden Euro steigern. Grund zur Freude gibt es dabei für die Aktionäre, also auch für den Staat: So hat die Bank für die Geschäftsjahre 2022 bis 2024 in Summe drei Milliarden Euro für Dividenden und Aktienrückkäufe vorgesehen.