Flottenmarkt als Rettungsanker

Deutschlands Autohandel im Realitätscheck – “Fatal, wenn diese Regelungen wegfielen“

  • Patrick Freiwah
    VonPatrick Freiwah
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Der Chef eines großen Autohändlers warnt vor einer erneuten Elektroauto-Prämie. Außerdem erklärt er, was für deutsche Autohersteller jetzt wirklich zählt.

Rheine/München – Der deutsche Automarkt stagniert. Die Zahl der Neuzulassungen lag über die letzten 30 Jahre stabil bei etwa drei Millionen – vergangenes Jahr waren es laut Kraftfahrt-Bundesamt noch 2,8 Mio. „Der Markt ist im Grunde seit langem gesättigt“, bringt es in einem Interview Jörg Senger auf den Punkt, Geschäftsführer eines der größten Autohandelsunternehmen in Nordrhein-Westfalen.

Jedoch steht die Autoindustrie unter Druck: Hohe Kosten, unsichere Förderbedingungen und eine Konsumzurückhaltung belasten deutsche Autohersteller und Handel gleichermaßen. Dennoch zeigen sich punktuelle Aufschwünge – vor allem bei Marken wie Skoda und Cupra, die bei Kunden mit attraktiven Leasingkonditionen und Preis-Leistungs-Verhältnis punkten. Volkswagen attestiert der Experte diesbezüglich einen „hervorragenden Job“.

Deutsche Autohersteller und E-Autos: Warum eine Prämie schaden könnte

Zwar erleben E-Autos weltweit eine kontinuierliche Entwicklung, doch in Deutschland kam es 2024 zu einem Einbruch – bedingt durch das abrupte Ende der staatlichen Elektroauto-Prämie. Senger warnt gegenüber Focus.de vor falschen politischen Reaktionen: „Wenn jetzt Kaufprämien kämen, (...) dann verursacht das nur eine Verschiebung der Nachfrage.“ Vielmehr würde der deutschen Autoindustrie Verlässlichkeit helfen: „Wir brauchen Kontinuität, auch was die Förderung betrifft.“

Der Fachmann betont, dass E-Mobilität langfristig nicht zu stoppen ist – aber nur dann breite Akzeptanz finde, wenn Preis, Restwert und Infrastruktur stimmen. Für viele Käufer bleibe die Frage der Wirtschaftlichkeit und Sicherheit

Der deutsche Automarkt stagniert seit Jahren und gilt als „übersättigt“. Premiummarken profitieren durch die Dienstwagenbesteuerung.

Laut Studie hohe Qualität bei VW, Mercedes und Co.

Interessanterweise steht die deutsche Autoindustrie bei der E-Mobilität in Sachen Qualität international gut da. Laut einer aktuellen Studie der Unternehmensberatung BearingPoint wurden Kunden in Deutschland, Frankreich, den USA und China befragt – überall lagen deutsche Marken bei der wahrgenommenen Qualität vorn. 

Je nach Markt betrug der Vorsprung drei bis sieben Prozentpunkte gegenüber der zweitplatzierten Gruppe. Doch in den Detailwertungen lagen in China (BYD) und den USA (Honda) nicht-deutsche Hersteller vorne – ein Zeichen dafür, dass der globale Wettbewerb keinesfalls schläft.

Deutsche Autoindustrie: Flottenmarkt als Rettungsanker

Ein oft unterschätzter Treiber des Absatzes ist der Flottenmarkt – und hier zeigt sich der entscheidende Einfluss der Politik: „Unsere Premium-Marken – Audi, Mercedes, Porsche – werden eher von Gewerbekunden gekauft“, erklärt Senger. 

Der Flottenmarkt wachse seit Jahren, vor allem wegen der steuerlichen Anreize bei Dienstwagen. Besonders bei elektrifizierten Antrieben seien die Vorteile für Fahrer beträchtlich. „Es wäre fatal, wenn diese Regelungen wegfielen“, warnt der Händler.

Ranking: Auf diese Automarken und Modelle fahren Deutsche am meisten ab

Deutschland, das Land der Dichter, Denker und namhafter Automarken. Welche Hersteller liegen in der Gunst des Volkes vorne? Hier kommen die Top Ten sowie die beliebtesten Modelle
Deutschland, das Land der Dichter, Denker und namhafter Automarken. Welche Hersteller liegen in der Gunst des Volkes vorne? Hier kommen die Top Ten sowie die beliebtesten Modelle. © Sven Simon/Imago
Platz zehn der beliebtesten Automarken in Deutschland: Toyota
Platz zehn der beliebtesten Automarken in Deutschland: Toyota mit 87.578 Neuzulassungen. © Thales Antonio/Imago
Beliebtestes Herstellermodell im Jahr 2025 laut KBA: Toyota Yaris (und Yaris Cross, im Bild) mit 29.985 Neuzulassungen
Beliebtestes Herstellermodell im Jahr 2025 laut KBA: Toyota Yaris (und Yaris Cross, im Bild) mit 29.985 Neuzulassungen. © Pond5 Images/Imago
Platz neun der beliebtesten Automarken in Deutschland: Hyundai mit 93.839 Neuzulassungen
Platz neun der beliebtesten Automarken in Deutschland: Hyundai mit 93.839 Neuzulassungen. © NurPhoto/Imago
Beliebtestes Herstellermodell im Jahr 2025 laut KBA: Hyundai Tucson mit 20.907 Neuzulassungen
Beliebtestes Herstellermodell im Jahr 2025 laut KBA: Hyundai Tucson mit 20.907 Neuzulassungen. © Hyundai
Platz acht der beliebtesten Automarken in Deutschland: Ford mit 108.299 Neuzulassungen
Platz acht der beliebtesten Automarken in Deutschland: Ford mit 108.299 Neuzulassungen. © Ford
Beliebtestes Herstellermodell im Jahr 2025 laut KBA: Ford Transit Custom mit 22.329 Neuzulassungen
Beliebtestes Herstellermodell im Jahr 2025 laut KBA: Ford Transit Custom mit 22.329 Neuzulassungen. © Ford
Platz sieben der beliebtesten Automarken in Deutschland: Opel mit 136.189 Neuzulassungen
Platz sieben der beliebtesten Automarken in Deutschland: Opel mit 136.189 Neuzulassungen. © NurPhoto/Imago
Beliebtestes Herstellermodell im Jahr 2025 laut Kraftfahrt-Bundesamt: Opel Corsa mit 48.581 Neuzulassungen
Beliebtestes Herstellermodell im Jahr 2025 laut Kraftfahrt-Bundesamt: Opel Corsa mit 48.581 Neuzulassungen. © Opel
Platz sechs der beliebtesten Automarken in Deutschland: Seat mit 162.566 Neuzulassungen
Platz sechs der beliebtesten Automarken in Deutschland: Seat mit 162.566 Neuzulassungen. © NurPhoto/Imago
Beliebtestes Herstellermodell im Jahr 2025 laut KBA: Seat Leon mit 38.425 Neuzulassungen
Beliebtestes Herstellermodell im Jahr 2025 laut KBA: Seat Leon mit 38.425 Neuzulassungen. © Seat
Platz fünf der beliebtesten Automarken in Deutschland: Audi mit 205.862 Neuzulassungen
Platz fünf der beliebtesten Automarken in Deutschland: Audi mit 205.862 Neuzulassungen. © Audi
Beliebtestes Herstellermodell im Jahr 2025 laut KBA: Audi A6 mit 37.505 Neuzulassungen
Beliebtestes Herstellermodell im Jahr 2025 laut KBA: Audi A6 mit 37.505 Neuzulassungen. © Audi
Platz vier der beliebtesten Automarken in Deutschland: Skoda mit 226.472 Neuzulassungen
Platz vier der beliebtesten Automarken in Deutschland: Skoda mit 226.472 Neuzulassungen. © Skoda
Beliebtestes Herstellermodell im Jahr 2025 laut KBA: Skoda Octavia mit 44.890 Neuzulassungen
Beliebtestes Herstellermodell im Jahr 2025 laut KBA: Skoda Octavia mit 44.890 Neuzulassungen. © Skoda
Platz drei der beliebtesten Automarken in Deutschland: BMW mit 253.712 Neuzulassungen
Platz drei der beliebtesten Automarken in Deutschland: BMW mit 253.712 Neuzulassungen. © BMW
Beliebtestes Herstellermodell im Jahr 2025 laut KBA: BMW X1 mit 47.143 Neuzulassungen
Beliebtestes Herstellermodell im Jahr 2025 laut KBA: BMW X1 mit 47.143 Neuzulassungen. © BMW
Platz zwei der beliebtesten Automarken in Deutschland: Mercedes-Benz mit 260.415 Neuzulassungen
Platz zwei der beliebtesten Automarken in Deutschland: Mercedes-Benz mit 260.415 Neuzulassungen. © Mercedes-Benz
Beliebtestes Herstellermodell im Jahr 2025 laut KBA: Mercedes GLC/GLK mit 37.146 Neuzulassungen
Beliebtestes Herstellermodell im Jahr 2025 laut KBA: Mercedes GLC/GLK mit 37.146 Neuzulassungen. © Mercedes-Benz
(Traditionell) Platz eins der beliebtesten Automarken in Deutschland: VW mit 560.796 Neuzulassungen
(Traditionell) Platz eins der beliebtesten Automarken in Deutschland: VW mit 560.796 Neuzulassungen. © Volkswagen
Beliebtestes Herstellermodell im Jahr 2025 laut KBA: VW Golf mit 85.023 Neuzulassungen
Beliebtestes Herstellermodell im Jahr 2025 laut KBA: VW Golf mit 85.023 Neuzulassungen. © Volkswagen

Tatsächlich wäre ohne diese steuerlichen Mechanismen der Absatz vieler Premiumhersteller deutlich geringer. Während der Privatkundenmarkt stockt, bleibt das Gewerbekundensegment stabil – nicht zuletzt durch günstige Versteuerung und Leasingangebote.

Deutscher Autobranche würde „Aufschwung der Konjunktur” helfen

In dem Gespräch mit Focus.de macht Senger deutlich, dass neue Subventionen nicht das Allheilmittel seien. Viel entscheidender ist demzufolge eine gesunde wirtschaftliche Gesamtlage: „Was uns mit Abstand am meisten helfen würde, wäre ein Aufschwung der Konjunktur.“ Erst wenn sich die Kaufkraft erholt, könne auch der Automarkt wieder die Drei-Millionen-Grenze bei den Neuzulassungen durchbrechen.

Dazu müsse die Politik weniger auf kurzfristige Impulse setzen – und mehr auf langfristige Planungssicherheit: für Autohersteller, Handel und Kunden. (PF)

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