Franziska Preuß im Interview
Biathlon: „Wusste es schon im Januar“ – Preuß über den Wendepunkt in Ruhpolding und ihre Zukunft
VonTobias Rufschließen
Bei Olympia beendete Franziska Preuß ihre Biathlon-Karriere. Im Interview mit chiemgau24.de verrät sie, dass ihr Entschluss deutlich vorher feststand und ausgerechnet in Ruhpolding fiel. Zudem blickt sie auf 14 Jahre Weltcup zurück und spricht über ihr geplantes Studium in Rosenheim.
Der olympische Massenstart am 20. Februar in Antholz war eine Zäsur im deutschen Biathlon. Nach 14 Jahren beendete Franziska Preuß ihre erfolgreiche Karriere, die mit dem Gesamtweltcupsieg 2025 ihren Höhepunkt fand.
2013 debütierte Preuß im Weltcup, ihren ersten Einzelsieg im Weltcup feierte sie 2019. Es folgten wechselhafte Jahre mit vielen Höhepunkten, aber auch immer wiederkehrenden gesundheitlichen Problemen. Im Interview mit chiemgau24.de blickt die Athletin vom SC Haag auf ihre Karriere zurück und nennt überraschende Details zu ihrem Rücktritt. Zudem gibt die 32-Jährige Einblicke in ihre Zukunftsplanung.
Biathlon: Franziska Preuß im Interview – „In Ruhpolding habe ich gewusst, dass es vorbei ist“
Frau Preuß, wie geht es in der Biathlon-Rente?
Franziska Preuß: Danke, es geht mir sehr gut. Nach Olympia musste ich viele organisatorische Dinge erledigen, habe zwei Praktika gemacht und viel mit Freunden und Familie unternommen. Die Zeit ist unheimlich schnell vergangenen.
Sie haben am 20. Februar bei Olympia Ihre Karriere beendet. Wann haben Sie die endgültige Entscheidung getroffen?
Preuß: Der Gedanke an ein Karriereende nach Olympia war schon vorher da. Beim Weltcup in Ruhpolding habe ich dann gewusst, dass es vorbei ist. Die innere Passion, die ich 14 Jahre hatte, war auf einen Schlag weg. Es hat mich damals sehr beschäftigt, dass sich das so schnell so gravierend verändert hatte. Aber die Entscheidung stand.
Das tatsächliche Karriereende haben Sie aber erst einen Tag vor ihrem letzten Rennen verkündet. Was waren die Gründe?
Preuß: Auch wenn ich nach Ruhpolding wusste, dass ich aufhören werde, war Olympia natürlich noch ein großes Ziel, auf das ich hingearbeitet habe. Ich wollte mich darauf konzentrieren. Der Fokus sollte nur auf Olympia liegen. Zudem wollte ich mein Karriereende so unspektakulär wie möglich gestalten. Ich bin nicht der Typ für den großen Abschied, über den dann wochenlang geredet wird und der medial alles überlagert.
Biathlon: Preuß über neue Erfahrungen – „Es ist schön, endlich wieder Energie zu haben“
Was vermissen Sie aus Ihrer Zeit als Profisportlerin?
Preuß: Nicht viel (lacht). Was mir immer gut gefallen hat, war die Phase vor dem Start in die Vorbereitung. Die abgelaufene Saison inhaltlich aufzuarbeiten und darauf aufbauend die Vorbereitungszeit zu planen – das hat mir viel Spaß gemacht und war ein besonderer Reiz. Aber in Summe muss ich sagen, dass ich doch etwas überrascht bin, wie schnell mir die Abnabelung gelungen ist.
Was fehlt Ihnen so gar nicht?
Preuß: Es ist ein schönes Gefühl, endlich wieder Energie zu haben. Man schleppt sich als Sportler manchmal von Training zu Training und ist gefühlt immer müde – körperlich und phasenweise auch mental. Ich kann jetzt einfach normale Dinge machen, wie beispielsweise am Haus arbeiten. Ohne dabei ein schlechtes Gewissen zu haben, weil ich mich eigentlich vom Training regenerieren müsste. Und dann ist da auch das Thema, dass ich nicht ständig darauf achten muss, bloß nicht krank zu werden. Wenn ich jetzt mal einen Schnupfen habe oder auch mal eine Woche krank bin, dann ist das ganz normal und bringt nicht alle Pläne durcheinander.
Wie fällt das Fazit zu ihrer Karriere aus?
Preuß: Ich bin zufrieden und dankbar für das, was ich erreicht habe und erleben durfte. Ich habe alle Seiten im Biathlon mitgemacht, auch die schlechten. Dabei lernt man viel über sich selbst und andere. Dass mir 2024/25 eine so gute Saison gelungen ist, war sehr cool und lässt das Gesamtfazit natürlich positiv ausfallen. Aber dadurch, dass ich auch die negativen Seiten gut kenne, macht es die Erfolge für mich in der Rückschau unspektakulärer. Ich habe erlebt, wie schnelllebig der Sport sein kann und dass Erfolge vergänglich sind. Das lässt mich etwas nüchterner auf meine Karriere zurückblicken, auch wenn ich in Summe glücklich und zufrieden bin, wie es gelaufen ist.
Biathlon: Der B-Kader der deutschen Damen für die Saison 2026/27




Was würden Sie anders machen, wenn Sie noch einmal am Anfang Ihrer Karriere stünden?
Preuß: Das Thema Infekte hat mich meine ganze Karriere begleitet. Nach der Operation an den Nasennebenhöhlen ist das deutlich besser geworden, vielleicht hätte ich das früher in Angriff nehmen sollen. Aber letztlich ist das spekulativ. Ich war Zeit meiner Karriere immer in bester medizinischer Betreuung und es hat schon seine Gründe gehabt, warum die Operation erst in der Endphase meiner Karriere durchgeführt wurde. Ohnehin halte ich nicht viel davon, rückblickend zu viele Dinge zu hinterfragen, die man hätte anders machen können. Es lässt sich sowieso nicht mehr ändern und oft sind es ja auch die schwierigen Phasen, aus denen man am meisten lernt.
Was würden Sie nochmal genau so machen?
Preuß: Vor vier Jahren habe ich mein Training umgestellt und in Absprache mit den Trainern und der sportlichen Leitung meine Vorbereitung relativ individuell gestaltet. Das war nicht ohne Risiko, hat mir persönlich aber sehr gut getan. Da muss jeder seinen eigenen Weg finden, das passt auch nicht für jeden Sportler.
Wie geht es Biathlon-Deutschland? Die öffentliche und mediale Stimmung nach Olympia war sehr kritisch . . .
Preuß: Ich sehe die Situation bei weitem nicht so negativ, wie sie dargestellt wurde. Ein Jahr zuvor hatte ich meine Erfolge gefeiert und alle waren glücklich. Klar ist nicht alles optimal gelaufen im vergangenen Winter, aber der teils dramatischen medialen Darstellung kann ich mich nicht anschließen. Gerade im Damenbereich haben wir vielversprechende Talente. Die müssen aber Zeit bekommen, um sich in Ruhe zu entwickeln. Und dazu gehören eben auch schlechtere Phasen. Ich weiß, wovon ich spreche.
Biathlon: Preuß plant die Zukunft – Abstand vom Sport und ein geplantes Studium in Rosenheim
Wie werden Sie die kommende Saison verfolgen?
Preuß: Das weiß ich noch nicht genau. Ganz sicher ist, dass ich nicht bei jedem Weltcup vor Ort sein werde (lacht). Aber dass ich mal in Ruhpolding oder an einem anderen Ort vorbeischaue, ist sehr gut möglich.
Haben Sie schon konkrete Pläne für die Zukunft?
Preuß: Ich will auf jeden Fall erstmal weg vom Sport und mich in einer anderen Welt neu orientieren und weiterentwickeln. Aktuell ist der Plan, dass ich ab Oktober ein Studium in Rosenheim im Bereich Architektur beginne. Ich bin gerade im Zulassungsverfahren und hoffe, dass alles so klappt, wie ich es mir vorstelle.
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Warum Architektur?
Preuß: Architektur hat mich schon immer interessiert. Nach meinem Rücktritt habe ich dann zwei Praktika absolviert, die mir großen Spaß gemacht haben. Ich kann mir eine Zukunft in diesem Bereich gut vorstellen. (Quelle: chiemgau24.de, truf)