Vorbereitung in Eigenregie
Biathlon: „Es hat sich alles geändert“ – Gandler erklärt brisante Abspaltung
Anna Gandler hat zum Start in die Vorbereitung auf den neuen Biathlon-Winter für Gesprächsstoff gesorgt. Die Österreicherin löste sich von ihrem Team und geht künftig eigene Wege. Gegenüber chiemgau24.de erklärt sie ihre Entscheidung.
Sie ist eines der Aushängeschilder im Frauen-Team der ÖSV-Biathletinnen, Anna Gandler, die Junioren-Weltmeisterin von 2020. Neben der mittlerweile zurückgetretenen Lisa Hauser sorgte sie immer wieder für gute Plätze im Weltcup. Die vergangenen zwei Jahre stagnierten ihre Leistungen und nun sorgte die 25-Jährige vor wenigen Tagen für einen Paukenschlag und verließ den ÖSV in Richtung Frankreich.
Die genauen Hintergründe erklärt sie im Gespräch mit chiemgau24.de. „Zu 70 bis 80 Prozent sind es private Gründe, die mich dazu veranlasst haben“, sagt die Sportlerin vom SC Kitzbühel. Sie ist seit fünf Jahren mit dem französischen Biathleten Emilien Claude zusammen. „Jedes Mal, wenn ich zu ihm von Innsbruck nach Frankreich fahre, sitze ich sechs bis sieben Stunden im Auto. Wir haben schon länger mit dem Gedanken gespielt, zusammenzuziehen. In Frankreich ist es außerdem ein Traum, zu trainieren“, sagt sie weiter.
Biathlon: Neue Strukturen bringen alles aus dem Gleichgewicht – „Es hat sich alles geändert“
Natürlich gibt es für den Wechsel auch einen sportlichen Grund, und zwar die Umstrukturierung im Trainer- und Betreuerbereich bei den Biathleten im Nachbarland. So wurde der Ruhpoldinger Wolfgang Pichler der neue starke Mann im Team und Markus Fischer, ebenfalls aus Ruhpolding, neuer Frauentrainer.
„Ich war vor meinem Urlaub auf dem Stand der Dinge, weiter mit Reinhard Gösweiner zu trainieren, wir hatten auch schon die Pläne dazu gemacht. Ich hatte außerdem schon meine Termine gehabt, wann ich nach Frankreich fahre oder in Österreich bin. Nach meinem Urlaub war plötzlich alles anders, es ist nichts mehr gleich geblieben, es hat sich alles geändert“, schildert sie die für sie neue Situation. „Ich kann leider nicht ein neues System starten, das sehr hart ist. Das soll nicht negativ klingen, ich kann aber so wie nun vorgesehen, nicht trainieren. So ein hartes System ist für mich nicht das Richtige gewesen. Darum diese Entscheidung, obwohl ich das Team ungern verlassen habe“, bedauert die 25-Jährige.
Biathlon: Absprache mit dem Verband – „Ich habe nichts gegen die neuen Trainer“
„Im Nachhinein war diese Entscheidung richtig und ich habe sie nicht bereut. Ich habe nichts gegen die neuen Trainer, das, was kommen soll, hat mich einfach nicht angesprochen. Vorher war ich mit allem sehr zufrieden, wenn auch die Ergebnisse noch nicht richtig gepasst haben“, erklärt sie weiter. Zurückblickend hat sie festgestellt, dass es läuferisch die Jahre zwar immer bergauf gegangen ist, leider haderte sie mit ihren Ergebnissen am Schießstand, daher findet sie den Wechsel nach Frankreich sportlich auch wichtig.
Auf ihre Entscheidung hat der ÖSV positiv reagiert und ihr keine Steine in den Weg gelegt. „Ich habe mit den Verantwortlichen Kontakt gehabt und sie haben meinen Schritt respektiert und es wurde auch nicht lange groß diskutiert. Ich werde wie alle anderen gleich behandelt, muss mich natürlich für den Weltcup qualifizieren“, sagt sie. Trotzdem wird ihr zukünftiger Weg nicht einfach, das war ihr allerdings klar. „Ich bin auf mich alleine gestellt, habe keine eigene Gruppe und trainiere mit meinem Freund und seinen zwei Brüdern. Da kann ich sehr profitieren, vor allem am Schießstand“, freut sie sich.
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Ihre Trainingspläne schreibt Papa Markus (Gandler) und oft hat sie Gelegenheit, auch mit anderen französischen Spitzen-Biathleten zu trainieren. Nun hofft sie, mit diesem Schritt ihre Leistungen weiter zu steigern. Die vergangenen zwei Jahre liefen für sie etwas durchwachsen. „Ich bin da gar nicht zufrieden. Ich fand das Training zwar gut, aber für Olympia war es anscheinend zu wenig. Vor allem ändern muss ich, wie gesagt, was beim Schießen. Meine Statistik ist seit vier Jahren gleich. Wenn man vorne dabei sein will, muss man fehlerfrei bleiben oder 95 Prozent und mehr Trefferquote haben. Da will ich hin und das geht nur, wenn ich auch mental stärker werde“, meint sie.
Nach dem Rücktritt von Lisa Hauser ist Anna Gandler nicht bange, was die Zukunft des ÖSV-Frauenteams betrifft. „Wir haben uns in Österreich in dieser Hinsicht gut entwickelt und haben ein starkes Team. Leider konnten wir es nicht immer richtig zeigen, vor allem auch in der Staffel. Oft hat das Glück gefehlt, so wie beim vierten Platz in Lenzerheide“, meint sie. Auf die Frage nach ihren Zielen hat sie eine klare Ansage. „Ich will beim Weltcup aufs Podium, die letzten drei Jahre bin ich ein paarmal knapp vorbeigeschrammt. Und natürlich die Olympischen Spiele 2030 in meiner Wahlheimat Frankreich.“
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Bleibt zum Schluss noch die Frage, in welcher Sprache unterhalten sich eigentlich die Tirolerin und der Franzose? „Auf Französisch, ich habe das mittlerweile gelernt. Emilien spricht mittlerweile auch Deutsch, und das macht er, wenn wir bei meinen Eltern daheim sind.“ (Quelle: chiemgau24.de, SHu)