Wie auf dieser Visualisierung wird nach aktueller Planung der Bischofsheimer Bahnhof für die nordmainische S-Bahn aussehen. VISUALISIERUNG: DEUTSCHE BAHN
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Wie auf dieser Visualisierung wird nach aktueller Planung der Bischofsheimer Bahnhof für die nordmainische S-Bahn aussehen. VISUALISIERUNG: DEUTSCHE BAHN

Aktueller Stand und Überblick über Baumaßnahmen in Maintal

Diskussion über barrierefreie Haltepunkte für Nordmainische S-Bahn

  • VonBettina Merkelbach
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Maintal – Bahnreisende wissen: Man braucht Geduld, wenn man auf die Bahn wartet. Die Stadt Maintal wartet gewissermaßen schon ungefähr seit ihrer Gründung auf die nordmainische S-Bahn. In der Sitzung des Ausschusses für Mobilität und Digitalisierung am Dienstagabend haben die Projektverantwortlichen der Deutschen Bahn einen Überblick über den Stand der Planungen und die Baumaßnahmen auf dem Maintaler Abschnitt gegeben.Wir fassen die wichtigsten Fragen und Antworten zusammen:

Wann geht‘s endlich los?

2025 soll der Startschuss für die umfassenden Bauarbeiten, die auf Maintaler Gemarkung geplant sind, fallen. Läuft alles nach Plan, können die Vorbereitungen wie Baustelleneinrichtungen und Leitungsverlegungen in Maintal Mitte kommenden Jahres beginnen.

Auf welchem Stand ist das Gesamtprojekt?

Im Gepäck hatten die Bahn-Vertreter am Dienstag den seit Ende September vorliegenden Planfeststellungsbeschluss, dessen Verfahren vor sage und schreibe zehn Jahren eröffnet wurde.

Wie ist der geplante Bauablauf?

Zuerst beginnen die Bauarbeiten in Frankfurt. Dort konnte die Bahn schon erste Bauleistungen vergeben. Mitte 2025 werden in Maintal die ersten Vorbereitungen getroffen. Vor allem im Bereich der Bahnhöfe müssen nämlich Wasser-, Strom- und Gasleitungen verlegt werden.

Was wird‘s kosten?

Auf die Kostenfrage antwortete die ansonsten sehr fachkundige und auskunftsfreudige Projektleiterin Belgin Baser ausweichend. Die Preisentwicklung in der Baubranche sei nämlich nicht abschätzbar. Daher sei die Kostenfrage „heikel“. Grundsätzlich übernehme das Land Hessen den Kostenanteil, den der Bund nicht zahlt. Die Kommunen müssen sich nicht beteiligen. Bevor es in Maintal losgeht, muss allerdings die sogenannte Regelfinanzierung stehen. Und das soll laut Projektleiterin Baser im Januar 2025 der Fall sein. Die Stadt Maintal kommt finanziell nur ins Spiel, falls das Eisenbahnbundesamt Kosten für einzelne Baumaßnahmen nicht übernimmt. Etwa für den geplanten Treppenturm am Bahnhof Maintal West im Stadtteil Bischofsheim. Der Ausschuss hat, um darauf vorbereitet zu sein, dafür eine Verpflichtungsvereinbarung über 760 000 Euro beschlossen. Ob es notwendig wird, dass die Stadt finanziell in die Presche springt, entscheidet sich voraussichtlich Mitte 2025.

Wie lange wird voraussichtlich gebaut?

Die Bahn plant aktuell mit einer Bauzeit bis 2030, wobei es hier laut Projektleiterin Baser auch noch zu „Optimierungen“ kommen kann, sobald die Gespräche mit den durchführenden Bauunternehmen anlaufen.

Was genau wird gebaut?

Worum es im Großen und Ganzen geht, ist durch die seit Jahrzehnten andauernde Planung in Maintal bekannt: Die Bahn baut über eine Strecke von fast 20 Kilometern zwei S-Bahn-Gleise von Frankfurt über Maintal bis zum Hanauer Hauptbahnhof. Was um diese Gleise herum jedoch an Baumaßnahmen notwendig wird, ist gewaltig. Darüber gaben die Projektverantwortlichen einen groben Überblick. In Maintal sehen die Planungen den Bau von insgesamt 6,5 Kilometern Gleisen auf nördlicher Seite der bestehenden Bahnstrecke vor, die rund zur Hälfte von Schallschutzwänden eingefasst werden.

Was passiert mit den beiden Maintaler Bahnhöfen?

Beide Haltepunkte – Maintal West und Maintal Ost – werden barrierefrei um- oder ausgebaut. Der Bahnhof in Bischofsheim wird auch versetzt. Dafür muss der Verlauf der Bruno-Dressler-Straße verändert werden. Anstelle der zwei derzeit bestehenden Außenbahnsteige soll ein Mittelbahnsteig gebaut werden. Am Bahnhof Maintal Ost in Dörnigheim wird der alte Bahnsteig nach Norden verlegt. Der komplette Haltepunkt wird verbreitert. Der barrierefreie Zugang zu den Bahnsteigen wird über Rampen und einen Aufzug gewährleistet. Auf den südlichen Gleisen fährt der Fern- und Güterverkehr, die nördlichen Gleise, die hinzukommen, sind für die S-Bahn reserviert. Baustart soll in Dörnigehim 2027, in Bischofsheim 2028 sein.

Welche weiteren Baumaßnahmen sind entlang der Strecke erforderlich?

Zwei Bahnübergänge werden zurückgebaut. Dafür sollen insgesamt sechs neue Straßen-, Bahn- und Radübergänge, Unter- und Überführungen entstehen, etwa im Dörnigheimer Weg. Als Ersatz für den Bahnübergang an der Eichenheege soll eine neue Querung für Radfahrer und Fußgänger unterhalb der Gleisanlagen errichtet werden. Einen Übergang für Autofahrer soll es an dieser Stelle nicht mehr geben. Das sei über Jahre hinweg untersucht und diskutiert worden, erklärte Projektleiterin Baser. Dafür müssten zu viele Gebäude zurückgebaut werden. Eine Umleitung sei wesentlich sinnvoller und für die Autofahrer zumutbar. Zwei neue Brücken soll es über den Braubach geben. Zudem sind landschafts- und artenschutzrechtliche Ausgleichsmaßnahmen erforderlich.

Mit welchen Einschränkungen müssen die Maintaler während der Bauzeit rechnen?

Projektleiterin Baser warb für Verständnis. Es werde „unter rollendem Rad“ gebaut. Das heißt: Grundsätzlich soll der Bahnverkehr weiterfahren. Dennoch könne es zur ein oder anderen Einschränkung kommen. So wird es etwa während der Bauzeit der beiden Brücken über den Braubach keine Querungsmöglichkeit dort geben.

Wie verlief die Diskussion im Ausschuss?

Dass schon seit Jahrzehnten an dem Projekt herumgeplant wird, ist einerseits Fluch, andererseits Segen. Das wurde im Verlauf der vielen detaillierten Fragen klar, die einige Ausschussmitglieder, die sich bereits seit den späten 1960er Jahren mit dem Thema befassen, stellten: Wird es eine Toilette am Bischofsheimer Bahnhof geben (Antwort: geplant ist keine)? Umfasst der Lärmschutz auch den Fern- und Güterverkehr (ja)? Was passiert mit dem Park-and-Ride-Parkplatz in Dörnigheim (er wird durch eine Parkdeck ersetzt)? An vielen Stellen muss die Bahn heute eben auch auf Planungen aufbauen, die die gewollte S-Bahn bereits in den 1970er, 1980er Jahren im Sinn hatte. Doch das große Zeitfenster führt zumindest bei einigen Stadtverordneten zu gehörigen Hemmungen, an der beschlossenen Planung zu rütteln.

Gab es Kritik aus dem Ausschuss?

Ja, vor allem am barrierefreien Zugang zum Bischofsheimer Bahnhof entzündete sich eine Debatte. Der soll nämlich nicht wie in Dörnigheim über einen Aufzug hoch auf die Bahnsteige, sondern über eine Rampe verlaufen, die in einer langen Schleife zum Bahnhof führt – zu lang, fanden einige Stadtverordnete, und stellten gar die Barrierefreiheit des Haltepunkts in Frage. Warum hier kein Aufzug möglich sei?, wollten vor allem die Vertreter der Wahlalternative Maintal wissen. Das sei doch ein „Riesenumweg“ und für Rollstuhl- oder Rollatorfahrer nicht zumutbar. Entscheidungen wie diese habe man zehn Jahre lang im Planfeststellungsverfahren diskutiert. Mit ähnlich langen Entscheidungsprozessen sei zu rechnen, wenn man jetzt daran noch einmal rütteln wolle, führte CDU-Mann Erik Schächer aus. Man habe sich fachlich aus Inklusionssicht beraten lassen, es aber auch nicht „jedem Recht machen können“, versuchte Projektleiterin Baser zu beschwichtigen.

Wie geht es jetzt weiter?

Im Verlauf der Ausschusssitzung wurde deutlich, dass die Stadtverordneten viele Detailfragen haben. Daher haben die Projektverantwortlichen – neben Belgin Baser war auch der für den Maintaler Bauabschnitt zuständige Robert Jovanoski zu Gast – signalisiert, dass sie für weitere Informationsveranstaltungen zur Verfügung stehen. Der Ausschuss für Mobilität und Digitalisierung plant zu dem Thema eine Sondersitzung. Den Termin geben wir rechtzeitig bekannt.

Von Bettina Merkelbach

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