Lob und Kritik für Großprojekt
Maintaler informieren und äußern sich zu Planungen für den Bau der Nordmainischen S-Bahn
Nächstes Jahr soll Spatenstich sein und ab 2031 soll sie fahren, die Nordmainische S-Bahn. Über Zeitpläne und bauliche Veränderungen an der bisherigen Strecke, die von zwei auf vier Gleise ausgebaut wird, konnten sich Interessierte an einem Stand der Deutschen Bahn am Rande des Wochenmarkts in Bischofsheim informieren.
Maintal – Das Angebot wurde von den Bürgern reichlich angenommen, auch um Kritik loszuwerden. Am Samstagnachmittag wurde Gleiches für die Dörnigheimer am Mainufer geboten.
„Ich finde das Vorhaben ganz gut, aber für mich kommt es 30 Jahre zu spät. Bald gehe ich in Rente“, sagt der Mann, der noch werktäglich zur Arbeit auf dem Flughafen pendelt. Beim Blick auf die Computeranimation von seiner Haltestelle, Maintal-West, fallen ihm gleich die lange Rampe und die Treppe zur bereits bestehenden Brücke der Bundesstraße 8 (Am Kreuzstein) auf. „Der lange Weg um den Bahnsteig ist doch unrealistisch“, bemerkt er in Richtung des Vertreters der Deutschen Bahn. Die Leute würden dann so wie bisher eher über die Gleise laufen, so der Pendler.
Einen Aufzug werde es ob der Wartungskosten nicht geben, sagte der Bahn-Berater. Voll bei dem Bürger war er jedoch in Sachen Busanbindung. Dort sollten mindestens zwei Linien halten, stimmte er zu. Der Platz müsste jedoch noch geschaffen werden. Derzeit gibt es an der Station Maintal-West eine Busverbindung.
„Das ist nicht bürgerfreundlich“
Dass die künftige Unterführung auf der Südseite nur bis zum neuen Mittelbahnsteig, von dem die S-Bahn in beiden Fahrtrichtungen erreicht werden kann, gebaut wird und keinen Durchstich gen Stadtseite erhält, fand eine Bahnnutzerin unpraktisch, und einen Mann mit Sehbehinderung verärgerte die Planung. „Jedes Mal muss man über die Brücke laufen?“, fragte er den Mann von der DB. „Nee, das ist nicht bürgerfreundlich“, sagte der Bischofsheimer auf dessen einsilbige Antwort. Überdies müssten sich schon jetzt die Fußgänger ihren Raum auf der Brücke mit den Radfahrern teilen, die wohl künftig mehr würden.
„Nein, Bahnnutzer bin ich nicht, aber ich würde gerne mit der Bahn zur Arbeit fahren“, sagte ein Interessent mittleren Alters mit einer windschnittigen Radlerbrille auf der Nase, dieser Zeitung. Doch die Erlebnisse seiner Frau, die den Zug nehme, hätten ihn bislang zurückgehalten. „Die Verbindung ist zu unzuverlässig, zu oft fallen Züge aus. Dann muss man eine Stunde auf den nächsten warten“, erklärte er unter dem zustimmenden Nicken des DB-Mannes.
„Es gibt derzeit zu viele Ausfälle“, beklagte sich auch eine Frau bei einem anderen Mann von der Bahn. Gleichwohl sie die S-Bahn für Maintal positiv bewertete, merkte sie nach dem Betrachten der Bilder von Ist- und Planzustand nicht nur an, dass ein Radweg nach Dörnigheim wegen der Bauarbeiten für zwei Jahre nicht befahren werden kann. „Es wird für vier Gleise schon eng und viel Natur geht auch verloren“, sagte sie.
Großteil der Bürger interessiert sich für den Zeitpunkt des Startschusses
Julia Henderichs, zuständig bei der Bahn für die Projektkommunikation, berichtet, dass das Gros der Interessenten wissen wollte, „wann geht es endlich los, wann fährt die Nordmainische S-Bahn“.
Nach derzeitigem Stand gebe es für die Bauarbeiten noch keinen festen Termin. Das Eisenbahnbundesamt habe die Planfeststellung noch nicht abgesegnet. Henderichs zufolge werde dies aber noch vor den Sommerferien der Fall sein. Die Bauarbeiten könnten dann Mitte kommenden Jahres beginnen. Die Bahn werde die Bürger dann wieder direkt über den Ablauf informieren, so die Sprecherin.
Infostand in Dörnigheim
Die Deutsche Bahn informiert am heutigen Samstag, 8. Juni, von 14 bis 18 Uhr am Dörnigheimer Mainufer, nahe dem ehemaligen Fähranleger.
Von Detlef Sundermann