Unterschiedliche Wohnformen: So wollen die Sieger des städtebaulichen Wettbewerbs Maintal Mitte entwickeln.
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Unterschiedliche Wohnformen: So wollen die Sieger des städtebaulichen Wettbewerbs Maintal Mitte entwickeln.

Gemischtes Wohnquartier geplant

Sieger des Städtebau-Wettbewerbs für Maintal Mitte steht fest

  • VonBettina Merkelbach
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Für das rund neun Hektar große Areal in Dörnigheim Maintal Mitte hat die Stadt einen städtebaulichen Wettbewerb ausgeschrieben. Jetzt stehen die Gewinner fest.

Maintal – Die Gewinner des städtebaulichen Realisierungswettbewerbs für das Areal „Maintal Mitte“ stehen fest: In dem von der Stadt ausgeschriebenen Planungswettbewerb hat sich der Entwurf von Planquadrat Elfers Geskes Krämer und R&T Verkehrsplanung durchgesetzt. Mit Planquadrat kommt auch bei diesem Stadtentwicklungsprojekt ein Architektur- und Stadtplanungsbüro zum Zuge, das schon die Entwürfe für das Real-Gelände geliefert hat. Eine Rolle dürfte dies bei der Entscheidung der Jury allerdings nicht gespielt haben. Denn wie die Stadt mitteilt, haben die Fach- und Sachpreisrichter gemäß den Wettbewerbsregeln, die das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit vorgibt, alle Entwürfe anonymisiert zur Bewertung erhalten.

Im Juli 2023 hatte die Stadtverordnetenversammlung den Wettbewerb auf den Weg gebracht. Insgesamt waren acht Architektur- und Stadtplanungsbüros eingeladen worden, Ideen für das rund neun Hektar große Areal zwischen Bahntrasse, Berliner Straße, dem Neubaugebiet Eichenheege und den Tennisplätzen in Dörnigheim zu entwickeln und einzureichen. Dort befinden sich unter anderem das sogenannte Rink- und Ambrosius-Gelände, die Flächen des Eigenbetriebs Betriebshof und der Dörnigheimer Feuerwehr. Diese gehören zu ungefähr gleichen Teilen der Stadt Maintal, dem Investor Instone Real Estate, der das Real-Gelände entwickelt, und der Familie Rink (wir hatten berichtet).

Quartier mit unterschiedlichen Wohnformen

Anstelle der ehemaligen Gewerbeflächen soll hier ein urbanes Quartier mit unterschiedlichen Wohnformen, Orten für Begegnung und grüner Infrastruktur entstehen. So soll flächensparend neuer Wohnraum entwickelt werden, um den wachsenden Druck auf den Wohnungsmarkt mit stetig steigenden Mieten zu mildern. Die Anforderungen seitens der Stadt lauteten, ein fußgänger- und radverkehrsfreundliches sowie klimagerechtes Wohngebiet für alle Einkommensgruppen mit Dienstleistungsangeboten und öffentlichen Freiflächen. „Ziel sollte sein, von mehreren Planungsbüros verschiedene Entwicklungsvarianten für ein lebendiges, klimaangepasstes, autoarmes Wohngebiet mit hoher Freiraumqualität zu erhalten. Dabei soll sich das neue Wohngebiet harmonisch in die Umgebung einfügen“, erläutert Bürgermeisterin Monika Böttcher als zuständige Stadtplanungsdezernentin.

Daher enthielt die Ausschreibung klare Vorgaben zur städtebaulichen Struktur, zu Grün- und Freiräumen, ebenso wie zu den Themen Mobilität, Lärm-, Klima- und Naturschutz. Mit der Entwicklung des Quartiers sollen zudem die erforderlichen Infrastruktur- und Gemeinbedarfseinrichtungen frühzeitig bereitgestellt werden. Dazu gehören Standorte für zwei Kitas sowie ausreichend Flächen für Kinderspielplätze. Auch für Jugendliche sollen Aufenthaltsangebote entstehen.

Preisgericht mit Fachleuten und lokaler Kompetenz besetzt

Das sogenannte Preisgericht hat die eingereichten Entwürfe bewertet. Besetzt ist das Gericht mit acht Fachpreisrichtern – Architekten und Stadtplanern, die über die notwendige Fachkompetenz verfügen, um über die Qualität der Entwürfe entscheiden zu können. Zusätzlich haben sieben Sachpreisrichter, die mit den örtlichen Gegebenheiten vertraut sind, ihr Votum abgegeben. Das Sachpreisgericht war mit Bürgermeisterin Monika Böttcher (parteilos), Jörg Wuff, Leiter des Fachbereichs Stadtentwicklung bei der Stadt, Leo Hoffmann (FDP), Eva Maria Holter (SPD), Angela Lochmann (Grüne), Götz Winter (CDU) und Christian Wolf (WAM) als Vertreter der Fraktionen sowie weitere Sachverständige ohne Stimmrecht besetzt. Die Diskussionen der Jury wurden von dem renommierten Architekten und Städtebauer Prof. Dr. Franz Pesch geleitet. Die Jurymitglieder haben erst nach der Abstimmung über die Preisränge eins bis drei erfahren, von welchen Architekturbüros die Entwürfe stammen. Alle drei Erstplatzierten erhalten ein Preisgeld in Höhe von 42 000, 25 200 und 17 200 Euro.

Wohnen, Gemeinschaft, Kitas und Gesundheit

Die Gewinner schlagen eine eigenständige Entwicklung der insgesamt vier Teilbereiche vor und sehen Geschosswohnungsbauten, Stadthäuser mit kleineren Appartements, gemeinschaftliche Sonderwohnformen und altersgerechtes Wohnen mit insgesamt rund 800 Wohneinheiten. Die Quartiersmitte – durch die Begrünung von den Planern als grüner Salon bezeichnet –bündelt gemeinschaftsorientierte Nutzungen wie Gastronomie, Mobilitätsberatung oder Co-Working-Räume in einem Begegnungsraum. Gesundheitsdienstleistungen und Gastronomie verteilen sich über das gesamte Quartier. Auch zwei Kitas sind an zentralen Stellen vorgesehen. Eine Ringerschließung am Rand des Wohngebiets leitet den motorisierten Verkehr zu zwei Quartiersgaragen, ohne das Innere des Gebiets zu belasten.

„Der Entwurf hält die Balance zwischen einer Vielzahl an unterschiedlichen Gebäudeformen und städtischem Grün. Wohnungsnahe Freiräume und ein Grünzug, der sich harmonisch durch das Gebiet zieht, tragen zu einer angenehmen Wohnatmosphäre bei“, so Franz Pesch. Für Instone trug „insbesondere die Gruppierung der Wohnbebauung um die Quartiersgarage zu einer sichtbaren Aufwertung des Quartiers bei“, so Ralf Werner von Instone.

Der Wettbewerbsbeitrag überzeugte durch seine klare Struktur mit einer Vielfalt an Wohnungstypen mit Mehrfamilien-, Reihen-, Einfamilien- und Kettenhäusern, einem Atriumhaus mit betreutem Wohnen, sozialen Einrichtungen, Praxen und zwei Kitas. Ein Quartiershaus würde Angebote für ein aktives Gemeinwesen enthalten. Auch hier wäre im Zentrum eine grüne Mitte als Park geplant. Eine Quartiersgarage würde weitere Mobilitätsangebote bereitstellen. Bei diesem Entwurf wurde allerdings Optimierungsbedarf hinsichtlich der Baukörpertiefen, der Quartiersgarage, dem Standort einer der beiden Kitas und der Kaltluftdurchströmung gesehen. Beim drittplatzierten Beitrag hob die Jury positiv die Vielfalt an Bautypen hervor, merkte aber die unruhige Anordnung der Kubaturen und Sonderformen negativ an. Zudem wurde die zurückhaltende Begrünung der Innenhöfe bemängelt.

Weitere Informationen zu den Entwürfen

Die drei Gewinnerentwürfe sind bis zum 27. Februar im Rathaus, Klosterhofstraße 4-6, während der Öffnungszeiten zu sehen. Planquadrat stellt den Siegerentwurf in der Sitzung des Bauausschusses am Dienstag, 20. Februar, um 19 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses vor.

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