Verdichtung in Maintals Mitte
Stavo bringt Städtebau-Wettbewerb auf den Weg
- VonBettina Merkelbachschließen
Es geht weiter mit Maintal Mitte: Die Stavo hat den Startschuss für einen städtebaulichen Realisierungswettbewerb gegeben. Wir erklären, um welches Gebiet es genau geht, was dort entstehen soll, warum es einen Wettbewerb gibt und wie der vonstatten geht.
Maintal - Es ist in mehrfacher Hinsicht ein Novum, was die Stadtverordneten in der Juli-Sitzung beschlossen haben: Erstmals schreibt die Stadt einen sogenannten städtebaulichen Realisierungswettbewerb aus. Dazu sollen mehrere Planungsbüros eingeladen werden, ihre Entwicklungsideen für das Gebiet „Maintal Mitte“ abzugeben. Und dass beim Beschluss der Wettbewerbsausschreibung das Ziel „Verdichtung“ – ein Wort, das die Stadtverordneten ansonsten meiden wie der Teufel das Weihwasser – so klar und deutlich fällt, hat in Maintal ebenfalls Seltenheitswert. Wir haben die wichtigsten Fragen und Antworten zu dem Stadtentwicklungsprojekt zusammengestellt:
Um welches Gebiet genau handelt es sich?
Das als „Maintal Mitte“ bezeichnete Gebiet ist knapp neun Hektar groß und erstreckt sich von der Eichenheege bis zum Bahnhof Maintal-Ost. Ausgespart ist das Grundstück für die neue Dörnigheimer Feuerwache.
Warum schreibt die Stadt einen städtebaulichen Wettbewerb aus?
Die Entwicklung des Areals „Maintal Mitte“ hat eine lange Geschichte. Im jüngsten Kapitel hatte die Stavo sich dafür entschlossen, das Gebiet als Ganzes, keine Teilstücke, zu entwickeln, die sich unter anderem im Besitz des Real-Investors Instone und der Familie Rink befinden. Zuvor hatte die Stavo im März 2022 beschlossen, den ursprünglich vom ehemaligen Ersten Stadtrat Ralf Sachtleber entwickelten „Masterplan Maintal Mitte“ nicht weiterzuverfolgen, sondern einen Ideenwettbewerb auszuschreiben. Insofern ist eine Bezeichnung der weiteren Planung als „Masterplan Maintal Mitte“ im Grunde irreführend. Ziel des Wettbewerbs soll laut dem Beschluss vom 28. März vergangenen Jahres nämlich ein neuer „Gesamtentwicklungsplan für das Entwicklungsgebiet Maintal Mitte“ sein. Und dafür wolle man sich, so die Meinung der Stadtverordneten, „Know-how von außen“ holen.
Der Magistrat hatte in die jüngste Stadtverordnetenversammlung die Ausschreibungsunterlagen mitgebracht und sowohl die Durchführung durch das Büro Sommer und Drees als auch den Einsatz freier Mittel aus dem Investitionsvolumen für das Bürgerhaus Bischofsheim zum Beschluss gestellt, der von den Stadtverordneten mehrheitlich angenommen wurde.
Was soll dort entstehen?
Einigkeit besteht darin, dass Maintal Mitte als gemischtes Quartier entwickelt werden soll. „Attraktiver Wohnraum für alle Bevölkerungsgruppen“ soll in dem Gebiet entstehen, „vielfältiges Wohnen und soziale Durchmischung sind neben Städtebau, Architektur und Freiraum die tragenden Elemente des zukünftigen Quartierskonzeptes“, heißt es in den Wettbewerbsunterlagen.
Ganz einig darüber, wie viel neuer Wohnraum dort genau geschaffen werden soll, waren sich die Stadtverordneten allerdings nicht. Die Diskussion in der jüngsten Stavo und im vorberatenden Bauausschuss entzündete sich daher unter anderem an der im Wettbewerb ausgeschriebenen Geschossflächenzahl – also der Zahl, die angibt, wie viel Wohnraum auf jeden Quadratmeter gebaut werden darf. Diese wichtige Kennzahl hatten die Wettbewerbsunterlagen ursprünglich mit 1,2 Geschossen zuzüglich Staffelgeschoss – einem optisch abgesetzten oberen Geschoss – angegeben. Doch die Grünen beantragten eine flexiblere Angabe, die mehr Wohnraum zulässt, und forderten die Änderung dieser Angabe von 1,2 in „bis zu 1,6 zuzüglich Staffelgeschosse“. Ein Vorschlag, dem sich im Laufe der Beratungen die anderen Fraktionen anschlossen.
CDU-Bauexperte: „Wollen Baudichte erhöhen“
CDU-Bauexperte Erik Schächer begründetet diesen Antrag: „Wir wollen die städtebauliche Dichte erhöhen, weil der Wohnraum knapp ist und wir möglichst viele Menschen in Bahnhofsnähe ansiedeln wollen.“ Weitere Gründe, die dort aus Sicht der Christdemokraten für eine höhere Wohndichte sprechen, sind ein günstigerer Wohnungsbau, eine geringere Flächenversiegelung für genauso viele Menschen und der Lärmschutz zur Bahnlinie. Als Vergleich zog Schächer das Baugebiet Quellenpark in Bad Vilbel mit einer Geschossflächenzahl von 1,65 bis 1,8 heran. „Da erscheint eine Geschossflächenzahl von 1,6 auch in Maintal verträglich“, so Schächer in dem Antrag. Damit die am Wettbewerb teilnehmenden Fachleute jedoch die aus ihrer Sicht optimale Lösung vorschlagen und gegebenenfalls auch eine niedrigere Dichte vorsehen können, hat sich die CDU für eine offene Formulierung („von ... bis“) ausgesprochen. Sowohl diese Änderung als auch die so geänderte Vorlage wurden mit Mehrheit von der Stavo beschlossen.
Wie läuft dieser Wettbewerb ab?
Mit dem Beschluss hat die Stavo den Startschuss für den Wettbewerb gegeben, der vom Frankfurter Bauplanungsbüro Drees und Sommer als beschränkter Einladungswettbewerb ausgelobt und begleitet wird. Einladungswettbewerb heißt, es werden ausschließlich Büros mit entsprechenden Referenzen dazu eingeladen, ein Konzept zur Neugestaltung des Areals Maintal Mitte einzureichen. Die Anzahl der Teilnehmer ist auf sieben Büros beschränkt. Die Teilnehmer sind aufgerufen, ihre Idee zur Entwicklung von Dörnigheims Mitte einzureichen. Dazu sind unter anderem ein städtebauliches Rahmenkonzept, ein Modell, aber auch Piktogramme zum Nutzungskonzept, zu Wohnformen, Konzepte zur Erschließung, Mobilität, Energieversorgung und Nachhaltigkeit gefordert. Viel Zeit bleibt den Wettbewerbsteilnehmern nicht. Die Vorprüfung der Unterlagen ist Ende November geplant. Dann soll auch das Preisgericht die Preisträger festlegen. Im Dezember sollen die Ergebnisse veröffentlicht werden. Als Ergebnis sollen mindestens vier Entwicklungsvarianten ausgewählt werden.
Was kostet der Wettbewerb?
Der Realisierungswettbewerb kostet insgesamt 142 000 Euro. Die Mittel nimmt die Stadt aus dem nicht genutzten Investitionsvolumen für das Bürgerhaus Bischofsheim.
Wer entscheidet über die Preisträger?
Das sogenannte Preisgericht, das den oder die Preisträger kürt, setzt sich aus Fach- und Sachpreisrichtern zusammen, die – wie der Name verrät – entweder über Fachkompetenz verfügen oder als Sachpreisrichter mit den örtlichen Gegebenheiten vertraut sind. Fachpreisrichter sind daher unabhängige Experten aus den Bereichen Architektur und Stadtplanung, aber auch Vertreter der Inhaber Instone und der Familie Rink, um die Eigentümer frühestmöglich einzubinden. Zu den Sachpreisrichtern zählen neben Bürgermeisterin Monika Böttcher und Jörg Wuff, Leiter des Fachdienstes Stadtentwicklung und -planung, auch Vertreter der Maintaler Fraktionen.
Was bekommen der oder die Preisträger?
Der Wettbewerb wird honoriert: der erste Preis mit 32 000 Euro, der zweite mit 19 200 und der dritte mit 12 800 Euro für den Städtebau und 10 000, 6000 und 4000 Euro für die Verkehrsplanung. Nach Empfehlung des Preisgerichts beauftragt die Ausloberin – die Stadt – den oder die Preisträger damit, ihr Entwurfskonzept auszuarbeiten und einen Bebauungsplan zu erstellen.
Von Bettina Merkelbach