Das Kling-Gelände ist seit Jahren politischer Streitpunkt. Denn die Stadt hatte es für viel Geld gekauft, um dort Wohnhäuser zu bauen. Passiert ist allerdings bislang nichts.
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Das Klinggelände ist seit Jahren politischer Streitpunkt. Denn die Stadt hatte es für viel Geld gekauft, um dort Wohnhäuser zu bauen. Passiert ist allerdings bislang nichts.

Regionaler Flächennutzungsplan

Maintaler Klinggelände soll in Bauland umgewandelt werden

  • VonBettina Merkelbach
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Die Stadt Maintal hat das Klinggelände einst gekauft, um es als Wohngebiet zu entwickeln. Das ist bislang aber nicht passiert. Auch ein Verkauf scheint wegen der Naturschutzauflagen schwierig. Deshalb soll das Areal zumindest im neuen regionalen Flächennutzungsplan als Wohnbauland ausgewiesen werden.

Maintal – Das Gelände, auf dem die ehemalige Klingvilla steht, ist seit Jahren in Maintal ein politischer Streitpunkt. Zu teuer sei das Areal gewesen, wenn die Stadt es nicht als Wohnraum entwickelt. Deshalb soll die Stadt es laut Haushaltsbeschluss wieder abstoßen. Sie hatte das Gelände des ehemaligen Furnierwerks 2018 für 2,4 Millionen Euro gekauft – mit dem Ziel, es als Wohngebiet zu entwickeln. Problematisch daran: Ein großer Teil des 5,3 Hektar großen Geländes ist Landschaftsschutzgebiet. Der bisherige regionale Flächennutzungsplan (RegFNP) hatte sogar die hohe ökologische Bedeutung des unbebauten Gebiets betont, das seltene Tier- und Insektenarten statt neue Maintaler beheimaten soll.

Deshalb könne nur ein sehr kleiner Teil des großen Grundstücks zur Entwicklung von Wohnbebauung herangezogen werden. Das sei allerdings, meinen jene, die schon seit dem Kauf des Grundstücks in der Kommunalpolitik aktiv sein, von vornherein klar gewesen. Kenner der Materie behaupten gar, vor der Entscheidung der Stadtverordneten zum Kauf des Geländes sei das Gerücht gestreut worden, der Eigentümer wolle es an einen Investor verkaufen, der dort ein Bordell errichten wolle. Unabhängig vom Wahrheitsgehalt ist die Stadt dem zuvorgekommen und hat das Gelände gekauft.

Derzeit ist das Areal Schutzgebiet

Bislang gibt es dort aber keine Pläne, etwas anderes zu bauen. Und solange das Gelände Landschaftsschutzgebiet ist, dürfte sich daran auch nichts ändern. Im neuen RegFNP, für den die Kommunen bis im Dezember Eingaben machen können, soll das Gebiet daher als Wohngebiet ausgewiesen werden. Einen entsprechenden Antrag hatten CDU und SPD eingebracht; er war im Mai mit Mehrheit beschlossen worden. Ziel sei, das Gebiet für einen Käufer attraktiver zu machen.

Auf eine kleine Anfrage von Sebastian Maier (SPD) antwortete der Magistrat im Juni, der Beschluss zum Verkauf werde erst mit der Haushaltsgenehmigung „bestandskräftig. Ohne die Klärung der baulichen Möglichkeiten sei ein Verkauf nicht zu empfehlen.“ Die liegt allerdings mittlerweile längst vor. Die Bemühungen, einen Investor zu finden, der zumindest einen Teil des Grundstücks mit Wohnhäusern bebaut, waren bisher trotzdem gescheitert.

Im September berichtete der Magistrat von den Schwierigkeiten, einen Käufer zu finden, denn der „rein spekulative Erwerb ist heute selbst für finanzstarke Marktteilnehmer wirtschaftlich kaum mehr tragfähig – insbesondere dann, wenn die Aufstellung eines Bebauungsplans erhebliche planungsrechtliche Herausforderungen und Kostenrisiken beinhaltet“, heißt es. Mit den Herausforderungen und Risiken sind die landschafts- und artenschutzrechtlichen Gegebenheiten gemeint, die sich „mitunter (...) als nicht (ökonomisch) auflösbar“ herausstellten.

Studie aus 2022 hält über 100 Wohnungen für möglich

Daran ändere auch die Studie der Baulandoffensive von nichts, die die „wesentlichen reglementierenden Belange (...) mangels Erkenntnis- und Detailtiefe – insbesondere auch zur Kostenhöhe – nur oberflächlich“ bewerten konnte. Die Studie war 2022 zu dem Ergebnis gekommen, dass der Bau von 106 Wohneinheiten für rund 260 Einwohner im Westen des Gebiets möglich wäre. Im Norden und Süden empfiehlt die Studie kleinere Wohneinheiten als Eigenheime. Auf einem weiteren Teil des Grundstücks könne ein Bürgerpark angelegt werden.

Von diesen optimistischen Aussichten distanziert sich die Stadt in jüngster Zeit. Sie geht nicht davon aus, „einen Projektentwickler an einen Kauf- und/oder städtebaulichen Vertrag zu binden, ohne dass sie wesentliche Risiken der weiteren Entwicklung zunächst selbst (mit-) trägt.“ Ein Einstieg in eine Ausschreibung oder Konzeptvergabe sei „derzeit nicht erfolgversprechend“.

Deshalb will die Stadt einen sogenannten „Scoping-Termin“ mit den Umweltfachbehörden durchführen. Dieser Termin mit den unteren und oberen Behörden des Main-Kinzig-Kreises und des Regierungspräsidiums Darmstadt zu den Themen Naturschutz und RegFNP sei Anfang 2026 geplant. Im Anschluss soll eine Markterkundung mit vier bis fünf potenziellen Partnern folgen.

Umwandlung in Wohnbauland

Derweilen hat die CDU beantragt, das Gelände im nächsten RegFNP „ganz oder teilweise“ in Wohnbauland umzuwandeln. In ihrem Antrag stellt die Fraktion sogar die Landschaftsschutzfunktion des Gebiets infrage. Denn: Die ökologische und landschaftliche Situation habe sich mittlerweile „völlig verändert“. Die Fläche sei „zwischen Autobahn im Norden, Wohngebiet im Westen, Eisenbahn und Wohn- sowie Mischgebiet im Süden und Gewerbegebiet im Osten völlig isoliert und entspricht in keiner Weise mehr den ursprünglichen Zielen des Landschaftsschutzgebiet LSG. (...) Weder hat der Raum noch Aufenthaltsqualitäten für die Erholung, noch können landlebende Tiere, die nicht fliegen können, den Raum überhaupt erreichen“.

Mit der Umwandlung in ein Wohngebiet wolle man das Areal für einen Käufer attraktiver machen. Damit wäre dann allerdings auch die Zwischennutzung durch den Arbeitskreis (AK) Asyl, der die ehemalige Klingvilla als Begegnungshaus für zahlreiche ehrenamtliche Angebote nutzt, beendet. Von Deutschkursen mit angeschlossener Kinderbetreuung über Sprachcafés und Lernhilfen für Schüler bis hin zu Beratungen, Sport- und Musikangebote schöpft der Verein die örtlichen Möglichkeiten derzeit aus und ist täglich vor Ort, um Geflüchteten und Menschen, die aus anderen Ländern nach Maintal kommen, die Integration zu erleichtern. Hin und wieder nutzten auch Vereine das Gebäude für ihre Sitzungen, berichtet Christine Mayer-Simon, Sprecherin des AK Asyl, auf Anfrage. Auch lagert der Verein gespendete Kinderkleidung, -ausstattung und Spielzeug, um es an bedürftige Familien weitergeben zu können. Dennoch rechne man nicht damit, Gelände und Gebäude „noch Jahre“ nutzen zu können, erklärt Mayer-Simon. „Es ist immer klar gewesen, dass das nur eine Übergangslösung ist.“ Um nicht überrascht zu werden, wolle man sich mit dem Thema bei der nächsten Mitgliederversammlung befassen. Über die Änderung im RegFNP beraten der Bauausschuss und dann die Stadtverordnetenversammlung.

Sondersitzungen

Um die Frist zur Abgabe der Änderungen im RegFNP nicht zu versäumen, hat die Stadt zwei Sondersitzungen anberaumt: Der Bauausschuss befasst sich am Donnerstag, 20. November, um 19 Uhr im Rathaus mit den Eingaben. Beschlossen werden sollen die Beratungsergebnisse in der Sitzung der Stadtverordneten am Dienstag, 2. Dezember, ab 18 Uhr im Bürgerhaus Bischofsheim.

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