Mit dem amerikanischen Unternehmen „Edge ConneX“, das hier seine Baupläne in Heusenstamm visualisiert hat, steht schon der erste Rechenzentrumsbetreiber in Maintal in den Startlöchern. ARCHIV
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Mit dem amerikanischen Unternehmen „Edge ConneX“, das hier seine Baupläne in Heusenstamm visualisiert hat, steht schon der erste Rechenzentrumsbetreiber in Maintal in den Startlöchern. ARCHIV

„EdgeConneX“ steht in den Startlöchern

Maintal will Ansiedlung von Rechenzentren steuern

  • VonBettina Merkelbach
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Kann die Kommune den großen Digitalplayern Vorgaben machen? Das war die Hauptfrage, die sich angesichts des vom Magistrat in die Maintaler Stadtverordnetenversammlung erneut eingebrachten Ansiedlungskonzepts für Rechenzentren gestellt hat. Die Fraktionen entschieden sich dafür, die Vorlage verbindlicher und konkreter auszugestalten.

Maintal – Frankfurt hat in den vergangenen Jahren den Aufschwung zur europäischen Digitalhauptstadt hinter sich, beschränkt aber mittlerweile die Ansiedlung der Unternehmen so rigoros, dass diese vermehrt ins Umland ausweichen, um einerseits weiterhin von der Nähe zum „Decix“, einem der weltweit größten Internetknoten in der Mainmetropole, zu profitieren, aber andererseits nicht an die Frankfurter Restriktionen gebunden zu sein.

Dort waren dem Magistrat der hohe Flächen- und Stromverbrauch der Gebäude, die die Infrastruktur für IT-Anwendungen beherbergen, und die vergleichsweise geringe Menge an neu geschaffenen Arbeitsplätzen ein Dorn im Auge. Dennoch möchte Maintal auch ein Stück vom Digitalkuchen abhaben. Dazu haben sich die Stadtverordneten am Montagabend klar positioniert.

Anlass war ein Ansiedlungskonzept, das der Magistrat bereits zum dritten Mal vorgelegt hat (wir berichteten). Die Stadt will damit die Leitplanken zur Ansiedlung von Rechenzentren in Maintal abstecken. Vor allem nennt sie potenzielle Flächen, die dafür in Frage kommen. Denn, so erklärte Bürgermeisterin Monika Böttcher (parteilos), die Nachfrage sei da.

Fraktionen bringen weitreichende Änderungen ein

Doch da mit den Rechenzentren nicht nur neue Möglichkeiten, sondern auch Herausforderungen für die Kommune verbunden sind, will sie die Ansiedlung steuern und die „Chancen und Risiken ausbalancieren“ (Böttcher). Das vorgelegte Konzept biete die Grundlage für weitere Steuerungsmaßnahmen, warb die Bürgermeisterin.

Dazu dient die Vorlage nach Ansicht von CDU, FDP, Grünen und SPD allerdings nicht. Die vier Fraktionen brachten einen langen Katalog an Änderungen ein, der nun in der vierten Runde in das Papier einfließen soll. In ihrem gemeinsamen Änderungsantrag adressieren die Fraktionen insbesondere die Themen Abwärme und Gewerbesteuer – zwei Punkte, bei denen die Stadt von der Ansiedlung von Rechenzentren profitieren kann.

Knackpunkte: Stromverbrauch, Abwärme, Gewerbesteuer

Denn ob sich die Ansiedlung von Rechenzentren für Kommunen lohnt, ist umstritten. Die Unternehmen brauchen viel Platz, verbrauchen riesige Mengen an Strom, schaffen wenig Arbeitsplätze und zahlen oft, da ihre Zentralen selten an den Rechenzentrumsstandorten sitzen, nur wenig Gewerbesteuer.

Zwar ist immer wieder im Gespräch, dass die Abwärme zur Heizung ganzer Stadtteile genutzt werden kann. Das ist aber nach wie vor Zukunftsmusik. Interessant könnte die Abwärme allerdings werden, wenn man die Rechenzentren als Fernwärme-Quellen einplant.

Um zu verhindern, dass der Stadt das Potenzial bei der Abwärme und der Gewerbesteuer bei Neuansiedlungen entgeht, wollen die Fraktionen diese Themen in dem Konzept geregelt wissen: Die Nutzung der Abwärme soll als Standort-Kriterium herangezogen werden. Damit die Rechenzentrumsbetreiber in Maintal Gewerbesteuer zahlen, sollen sie zum Beispiel zur Ansiedlung einer Betreibergesellschaft verpflichtet werden.

Weitere Flächen sollen geprüft werden

Auch zu einem nachhaltigen Bau und Betrieb sollen die Betreiber verpflichtet werden. Außerdem analysiert die vorgelegte Version des Konzepts lediglich vier potenzielle Standorte: das Gewerbegebiete West in Bischofsheim, die Gebiete Maintal Mitte I und Mitte II und Dörnigheim Ost. Im Endeffekt empfiehlt das Konzept aber nur zwei Standorte: das DHL-Gelände im Gewerbegebiet West und den ehemaligen „Sirius Business Park“ in Dörnigheim Ost.

Die Fraktionen wollen diese Auswahl ausweiten und vor allem auch das sich in Entwicklung befindliche Gewerbegebiet an der Grünen Mitte – auch unter dem Gesichtspunkt der Nähe zum Maintalbad – mit einbeziehen. Um von den Vorteilen tatsächlich profitieren zu können, warb IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Gunther Quidde im Bauausschuss dafür, das Konzept zu überarbeiten und als verbindliche Planungsgrundlage für die Bauleitplanung auszulegen. Deshalb soll das Ansiedlungs- durch ein Umsetzungskonzept, etwa zur Änderung der Bebauungspläne, ergänzt werden, um es „wirksam und rechtssicher“ umsetzen zu können.

„EdgeConneX“ hat „Sirius Business Park“ gekauft

Was den enormen Stromverbrauch angeht, sollen die Investoren selbst mit den Netzbetreibern Baukostenzuschüsse für den erforderlichen Ausbau des Stromnetzes vereinbaren. Außerdem sollen sie beim Bau der Gebäude für Schallschutz und Begrünung sorgen und flächendeckend Photovoltaik-Anlagen zur Stromversorgung einsetzen.

Doch so theoretisch das Konzept anmutet, ist es gar nicht mehr. Mit dem Unternehmen „EdgeConneX“ will sich ein amerikanischer Rechenzentrumsbetreiber in Dörnigheim niederlassen. Dazu hat der internationale Großplayer, der bis 2023 hierzulande unter dem Namen Optus 951 firmierte, aber mittlerweile die GmbH „EdgeConneX Maintal“ mit Sitz in Düsseldorf gegründet hat, den „Business Park“ von Sirius im Gewerbegebiet Dörnigheim Ost gekauft. Den Kauf hat die städtische Pressestelle auf Anfrage bestätigt.

Viel Zeit bleibt dem Magistrat für den langen Änderungskatalog indes nicht. Das Konzept soll der Stadtverordnetenversammlung im September noch einmal vorgelegt werden.

Von Bettina Merkelbach

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