Mainfähre: Machbarkeitsstudie stärkt Befürworter und Gegner
- VonBettina Merkelbachschließen
Defizitär, aber gesamtwirtschaftlich sinnvoll – so könnte man in wenigen Worten die Machbarkeitsstudie zusammenfassen, die eine Wiedereinführung der Mainfähre von Dörnigheim nach Mühlheim unter Kosten-Nutzen-Gesichtspunkten untersucht hat.
Maintal – Das Ergebnis kommt bei den Fährunterstützern in Maintal gut an. Aber auch für diejenigen, die lieber eine Nahmobilitätsbrücke statt einer Autofähre über den Main hätten, sind die neu im Auftrag der Mühlheimer Stadtwerke von einem Fachbüro berechneten Zahlen Wasser auf die Mühlen. „Der Fährbetrieb zwischen Maintal und Mühlheim ist wirtschaftlich nicht tragfähig“, kommt die Interessengemeinschaft (IG) „Das Mainufer den Menschen“ zum Schluss nach der Lektüre der Präsentation zur Machbarkeitsuntersuchung.
Die IG sehe ihre Einschätzung damit bestätigt: „Ein dauerhafter Fährbetrieb ist betriebswirtschaftlich nicht darstellbar. Selbst unter verschiedenen Szenarien entsteht ein jährliches Defizit von 165 000 bis 260 000 Euro – Kosten, die dauerhaft von den Steuerzahlern zu tragen wären“, erklärt die IG.
IG: „Fährbetrieb nicht wirtschaftlich“
Die Mitglieder, die vor allem den zusätzlichen Autoverkehr ans Mainufer befürchten, wenn dort wieder eine Fähre ablegt, sehen damit auch die Berechnungen der Bürgerinitiative (BI) Fähre Maintal-Mühlheim widerlegt: „Entgegen der bisherigen Machbarkeitsstudie, die jahrelang einen wirtschaftlichen Betrieb der Mainfähre in Aussicht gestellt hatte, kommt die aktuelle Wirtschaftlichkeitsberechnung des Ingenieurbüros Habermehl und Follmann zu einem gegenteiligen Ergebnis.“
Dennoch kritisiert Heinz-Josef Mühlmeyer, Sprecher der IG „Das Mainufer den Menschen“, die Kosten-Nutzen-Berechnung an sich: „Es fehlen wichtige Bestandteile oder sind nicht ausreichend berücksichtigt, wie zum Beispiel der Schiffsverkehr, der Vorrang vor dem Fährbetrieb hat und die unterstellten Wartezeiten.“
Ein wesentlicher Kritikpunkt der IG betrifft die zugrunde gelegte Vergleichsroute. „Die Nutzen-Kosten-Berechnung setzt ausschließlich die Steinheimer Brücke als Alternative an“, kritisiert die IG. Die näher gelegene Fähre in Rumpenheim sei nicht berücksichtigt worden – wohl, weil sie bei Google Maps nicht vorgeschlagen wird, hatte Mühlmeyer vom Referenten, der die Studie in Mühlheim vorgestellt hatte, erfahren. „Dadurch fällt die angenommene CO₂-Einsparung deutlich geringer aus als in der Studie dargestellt“, sagt Mühlmeyer. „Der volkswirtschaftliche Nutzen wurde somit überbewertet.“
Auch die Tatsache, dass längere Fahrstrecken, etwa über die Steinheimer Brücke, im Vergleich zu kürzeren, durch die Fähre unterbrochene Routen, geringere Emissionen verursachen, vermisst die IG in der Berechnung. „Die Brückennutzung kann also umweltfreundlicher sein als eine Fähre.“ Unverständlich sei außerdem, dass die Studie den Eingriff in das Naherholungsgebiet am Mainufer völlig unberücksichtigt lässt. „Aus volkswirtschaftlicher Sicht müsste auch der Verlust ökologischer und gesellschaftlicher Werte systematisch einbezogen werden. Das Fehlen dieser Aspekte stellt die Vollständigkeit und Belastbarkeit der Ergebnisse infrage“, macht die IG klar und fordert, die Kosten-Nutzen-Betrachtung auf Grundlage der genannten Parameter zu aktualisieren.
BI sieht ihre Berechnung bestätigt
Ganz anders sieht dies die BI Fähre Maintal-Mühlheim. Die sieht sich in ihrer eigenen Studie durch die neue Berechnung bestätigt. „Wir sind hochzufrieden mit der Analyse“, lautet das Fazit von Bernhard Feig, Sprecher der BI und Vorsitzender der Mühlheimer Grünen. „Es freut uns, dass die Kosten-Nutzen-Berechnung unsere eigene Machbarkeitsstudie aus 2023 vollumfänglich bestätigt.“ Die BI hatte nämlich vor zwei Jahren selbst berechnet, was eine Elektrofähre kosten würde und war bei 2,5 bis drei Millionen Euro Investitionskosten gelandet; die neue Kosten-Nutzung-Berechnung geht von 2,2 Millionen für die E-Fähre an sich und gut 500 000 Euro für die Infrastruktur, unter anderem zum An- und Ablegen und Laden, aus. Zusätzlich haben die Ingenieure einige Faktoren mit einkalkuliert, die die BI nicht habe berechnen können.
Dennoch: Man habe nicht „mit einer so hohen Unterdeckung gerechnet“, sagt Vorsitzende Elke Scherer. Aber aus Sicht der Fährbefürworter hat das Ingenieursbüro auch mit dem „Worst-Case-Szenario“ kalkuliert. Die BI selbst hatte einen kostendeckenden Betrieb berechnet, indem die Einnahmen aus den Fahrscheinen die Kosten, unter anderem für Personal, aufwiegen. Das haut in der Kosten-Nutzen-Rechnung des Ingenieursbüros nicht hin, weil hier mit dreieinhalb Fährleuten und einer Teilzeit-Bürokraft kalkuliert wurde, was aus Sicht der BI reichlich großzügig ist. „Ich sehe hier einige Stellschrauben, mit denen sich die Kosten noch senken lassen“, erklärt Feig.
„Wie sinnvoll die Fähre für die Umwelt ist, ist ja sehr schön dargestellt“, findet Jörg Schuschkow, Fraktionsvorsitzender der Wahlalternative Maintal (WAM) in der Maintaler Stadtverordnetenversammlung, die die Wiedereinführung der Fähre seit Jahren fordert. 208 Tonnen CO₂ pro Jahr ließen sich laut der Studie einsparen, wenn man statt über die Steinheimer Brücke mit der Fähre über den Main setzt.
Und die Kosten hält für Schuschkow für „nicht dramatisch hoch. Wenn man die vierteilt, lässt sich das durchaus stemmen.“ Die Vierteilung käme zustande, indem sowohl die beiden Landkreise Main-Kinzig und Offenbach als auch die Anrainerstädte Maintal und Mühlheim zur Kasse gebeten würden. Fährt die Fähre nur werktags, müsste sie jährlich mit 165 000 Euro bezuschusst werden. „Das wären 40 000 Euro für jeden, das wäre durchaus zu schaffen“, findet Schuschkow. „Dass die laufenden Kosten so gering sind, hat uns überrascht. Ich sehe das sehr positiv.“
Was die Akteure nun erwarten? Die BI hofft auf eine Infoveranstaltung oder Bürgerversammlung, damit die breite Öffentlichkeit von den Berechnungen erfährt. Denn in den Ausschusssitzungen, in denen die Machbarkeitsstudie vorgestellt wird, könne man weder Fragen stellen, noch eine eigene Stellungnahme abgeben. „Und dann muss es jetzt losgehen“, formuliert Elke Scherer die Erwartungshaltung der BI. In Mühlheim ist ein Antrag im Gremiengang, der die Stadt auffordert, mit Maintal und den beiden Landkreisen in Verhandlungen einzutreten und die Fördermöglichkeiten auszuloten. Die BI selbst will im nächsten Schritt die Fraktionen anschreiben und um Stellungnahmen bitten – auch mit Blick auf die Kommunalwahl, damit den Bürgern klar wird, wofür sie in Sachen Fähre ihr Kreuz machen. Generell wünschen sich die Fährfans mehr Tempo bei dem Thema – auch um den Zeitvorteil vor einem möglichen Brückenbau auszuspielen. „Bis die Brücke kommt, wäre der Kahn längst abgeschrieben“, macht Feig klar.