Mainfähre Mühlheim
Machbarkeitsstudie zur Mainfähre vorgestellt: Defizit unvermeidbar
- VonJan Lucas Frengerschließen
Das lange Warten hat ein Ende: Die Stadtwerke Mühlheim haben die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie zur Wiederbelebung der Fährverbindung von Mühlheim nach Dörnigheim präsentiert. Das Ergebnis war zu erwarten: Der volkswirtschafltiche Nutzen ist hoch, ein finanzielles Defizit aber unvermeidbar.
Maintal/Mühlheim – Im Sitzungsaal des Mühlheimer Rathauses tummelten sich einmal mehr ungewohnt viele Zuhörerinnen und Zuhörer. Sie alle waren gekommen, um das Ergebnis der vor über einem Jahr durch die Stadtwerke Mühlheim in Auftrag gegebenen Machbarkeitsstudie zu einer möglichen Wiederaufnahme des Fährbetriebs zwischen der Mühlenstadt und Maintal-Dörnigheim zu erfahren. Kleiner Ausblick: Die Überprüfung durch die Ingenieursgesellschaft Habermehl und Follmann aus Rodgau hat genau das zu Tage gefördert, was vorher eigentlich jedem klar war – die Fähre stünde am Ende zwar mit einem Defizit da, brächte allerdings dennoch einen volkswirtschaftlichen Nutzen.
Um das zu errechnen, hat das beauftragte Büro unter anderem ein standardisiertes Bewertungsverfahren angewandt, bei dem neben verkehrlichen und wirtschaftlichen Aspekten auch mögliche Auswirkungen auf das Klima berücksichtigt werden. „Wir haben verschiedene Kosten-Nutzen-Komponenten, wie etwa Einsparungen beim Co2-Ausstoß, kürzere Fahrtstrecken sowie Betriebs- und Anschaffungskosten gegenübergestellt“, erläuterte Diplom-Ingenieur Hendrik Ilcken bei der Präsentation der Machbarkeitsstudie.
Zwei Millionen für Elektrofähre
Für den letztgenannten Posten gehen seine Kollegen und er nach Herstellerinformationen von rund zwei Millionen Euro zur Anschaffung einer reinen Elektrofähre aus. Hinzu kommen unter anderem jährliche Kapitaldienste für die ortsfeste Infrastruktur (18 000 Euro), Energiekosten von fast 13 000 Euro sowie Ausgaben für Reparatur und Unterhalt in Höhe von knapp 18 000 Euro.
Den deutlich größten Anteil an den laufenden Kosten machen derweil die Aufwendungen fürs Personal aus. Laut Studie wären – mit Ausfall- und Krankheitszeiten – 3,5 Vollzeitstellen und eine Teilzeitkraft für einen reibungslosen Ablauf notwendig. Kostenpunkt: mehr als 400000 Euro im Jahr. Allerdings gilt es hierbei zwei verschiedene Szenarien zu berücksichtigen. Denn sollte die Fähre statt die ganze Woche über an Sonn- und Feiertagen nicht fahren, würden auch die Personalkosten knapp 100 000 Euro niedriger ausfallen. „Da auch noch nicht feststeht, wer die Fähre betreiben soll, sind die angesetzten Gehälter ebenfalls noch variabel“, sagte Ilcken.
Nach der standardisierten Bewertungsmethode ergibt sich somit ein Kosten-Nutzen-Verhältnis mit dem Faktor drei. Das bedeutet, dass das Vorhaben aus gesamtwirtschaftlicher Betrachtung sinnvoll und zudem durch das Land Hessen förderfähig wäre. „Wir waren von dem guten Ergebnis sehr überrascht, was aber vor allem daran liegt, dass in diesem Falle keine großen Investitionen in die Infrastruktur notwendig sind“, erklärte Ilcken.
Mühlheimer Liberale sehen Methode kritisch
Aus betriebswirtschaftlicher Sicht bleibt bei geschätzten jährlichen Erlösen aus dem Verkauf von Fahrkarten in Höhe von rund 300 000 Euro je nach präferiertem Betriebskonzept entweder ein Defizit von knapp 260 000 oder 160 000 Euro übrig – Musik in den Ohren von Jürgen Ries, Fraktionsvorsitzender der Bürger für Mühlheim. Er sieht darin die Bestätigung, dass eine baldige Rückkehr der Fähre realistisch ist: „Wenn alle Beteiligten jeweils nur 50 000 Euro dazugeben, wären wir schon gut dabei.“ Gegenwind kommt derweil aus Richtung der Mühlheimer FDP, die trotz eines Allianz-Antrags zur Wiederaufnahme des Fährbetriebs mit der Untersuchung alles andere als zufrieden scheint.
Fraktionsvorsitzender Michael Bill kritisierte etwa, dass knapp 25 Prozent der im angewandten Bewertungsverfahren aufgeführten Co2-Einsparungen auf PKW entfielen, die aufgrund der Maßnahme theoretisch gar nicht erst produziert und gekauft würden. „Wir reden hier von einer Fähre, die zu 90 Prozent von Autofahrern genutzt wird – das ist doch nicht realistisch und vollkommen absurd“, gab er zu bedenken und ergänzte: „Lässt man diesen Punkt weg, sieht die Bewertung schon ganz anders aus.“
Mühlheims Erster Stadtrat Robert Ahrnt (Grüne) griff ein und wies darauf hin, dass die Rechnung aus volkswirtschaftlicher Sicht durchaus sinnvoll sei, auch wenn die individuelle Betrachtung möglicherweise gegenteilig ausfalle. Hendrik Ilcken stellte zudem klar, dass selbst ohne diesen Faktor das Ergebnis der Studie noch immer positiv ausfallen würde.
Doch Bill war nicht überzeugt und brachte noch einen weiteren Punkt ein: die kalkulierten Kosten für die Ladeinfrastruktur, die in der Studie mit 10 000 Euro angegeben sind. „Da wurde uns in der Vergangenheit eine deutlich höhere Zahl genannt – das kommt rechnerisch überhaupt nicht hin.“ Laut Ilcken sei das die Summe, die man auf Nachfrage bei einem Hersteller erhalten habe. „Darauf müssen wir uns am Ende auch einfach verlassen können“. Bleibt abzuwarten, was das für den gemeinsamen Antrag, über den die Mühlheimer Parlamentarier voraussichtlich in der kommenden Stadtverordnetenversammlung abstimmen, bedeutet.