Erster Stadtrat Karl-Heinz Kaiser, Bürgermeisterin Monika Böttcher, Stadtverordnetenvorsteher Martin Fischer, Projektleiterin Belgin Baser und Robert Jovanovski, verantwortlich für den Abschnitt von Maintal nach Hanau (von rechts) stellten sich den Fragen aus der Bürgerschaft.
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Erster Stadtrat Karl-Heinz Kaiser, Bürgermeisterin Monika Böttcher, Stadtverordnetenvorsteher Martin Fischer, Projektleiterin Belgin Baser und Robert Jovanovski, verantwortlich für den Abschnitt von Maintal nach Hanau (von rechts) stellten sich den Fragen aus der Bürgerschaft.

Nordmainische S-Bahn

Bau geht los – wirklich: Bund hat Geld für Maintaler Abschnitt freigegeben

  • VonBettina Merkelbach
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Auf den Bau der Nordmainischen S-Bahn wartet Maintal schon seit seiner Gründung. Jetzt soll es losgehen, das Eisenbahnbundesamt hat die Mittel freigegeben, konnte Projektleiterin Belgin Baser bei der Bürgerversammlung der Stadt verkünden konnte.

Maintal – Für Menschen, die schon länger in Maintal wohnen, mag sie ironisch klingen, die Nachricht, dass es nun wirklich losgeht mit dem Bau der Nordmainischen S-Bahn. Denn das Mammutverkehrsprojekt wird schon seit Bestehen der Stadt Maintal geplant. Entsprechend gut kennen sich viele Bürger mit den Details und den spezifischen Fragestellungen vor Ort aus. Einige von ihnen haben am Dienstagabend die Möglichkeit genutzt, sich bei der Bürgerversammlung der Stadt aus erster Hand über den aktuellen Planungsstand und den Beginn der Bauarbeiten in Maintal zu informieren.

Eingeladen hatte dazu Stadtverordnetenvorsteher Martin Fischer auch zwei in Maintal bereits bekannte Vertreter der Deutschen Bahn (DB): Projektleiterin Belgin Baser und Robert Jovanovski, verantwortlich für den Abschnitt von Maintal nach Hanau, hatten das Projekt bereits in mehreren Ausschuss-Sitzungen vorgestellt und standen diesmal den Fragen aus der Bürgerschaft fachkundig Rede und Antwort.

Die beiden kamen mit brandneuen, guten Nachrichten ins Bürgerhaus Bischofsheim: Sie konnten verkünden, dass das Eisenbahnbundesamt die Finanzmittel für den Maintaler Bauabschnitt freigeben hat. Auch alle Genehmigungen lägen vor – auf beides müsse man in Hanau noch warten. „Wir legen jetzt wirklich los“, freute sich Baser, die für das Gesamtprojekt verantwortlich zeichnet. Aktueller und korrekter konnte man also kaum informiert sein. ChatGPT zumindest dichtet Maintal in seiner Information über die neue S-Bahn-Strecke Maintal einen dritten Bahnhof an, wie Gastgeber Martin Fischer in seiner Begrüßung bemerkte.

Interesse vor Ort gering, im Internet hoch

Dass dennoch nur 65 Besucher, davon viele Stadtverordnete und städtische Mitarbeiter, vor Ort teilnahmen, mag zum einen an dem guten Service liegen, den die Stadt bot. Denn das Stadtparlamentsfernsehen übertrug die Versammlung online. Den Livestream haben knapp 400 Leute angeschaut. Fragen konnte man während der Veranstaltung oder vorab an das städtische Büro der Gremien richten, die wie die Themen aus dem Publikum besprochen wurden. Zum anderen könnten angesichts der Finanzmisere und der Kitakrise aber derzeit auch einfach andere Themen für viele Maintaler eine Rolle spielen.

Doch die dürften sich auf die S-Bahn nicht nur freuen. Die umfangreichen Bauarbeiten erforderten auch Geduld und Verständnis seitens der Bevölkerung, wie die DB-Vertreter mehrfach betonten. Immerhin werden im Zuge des Baus der zwei Gleise auch die Bahnhöfe in Bischofsheim und Dörnigheim neu oder umgebaut. Insgesamt sechs Brücken werden neu gebaut oder erneuert. Zwei Bahnübergänge – an der Eichen- und der Buchenheege – werden beseitigt. Stattdessen kommen Fußgänger und Radfahrer am Bahnhof Maintal Ost unter und an einer neuen Überführung im Wald über die Bahnstrecke.

Rodungen beginnen im Oktober

Dafür soll noch in diesem Jahr die sogenannte Baufeldfreimachung beginnen. Das heißt: Zunächst werden in Maintal viele Bäume gerodet und Gebäude zurückgebaut, um Platz für die neuen Gleise zu schaffen. Parallel dazu müssen unzählige Leitungen für Gas, Wasser und Strom verlegt werden, um das Baufeld auch unterirdisch freizumachen. Besonders betroffen davon sind die Straßen in unmittelbarer Nachbarschaft der Bahnhöfe (etwa Bruno-Dreßler-, Max-Planck-, Philipp-Reis-Straße). Sieben Jahre Bauzeit setzt die Bahn für Maintal an. Bis auf wenige Ausnahmen soll der Bahnverkehr währenddessen weiter fahren. In den Sperrzeiten richtet die Bahn einen Schienenersatzverkehr ein, etwa während einer achttägigen Pause vom 11. bis zum 19. Juli.

Ja, Juli, 2025 – denn die Vorbereitungen sollen tatsächlich bald losgehen. Im Juni sollen die politischen Gremien entscheiden. Im Oktober stehen erste Rodungen zwischen Fechenheim und Bischofsheim an – Maßnahmen, für die die Bahnvertreter für Verständnis warben, ebenso wie für die anstehenden Bauarbeiten und die Einschränkungen im Bahnverkehr.

Auf größeres Unbehagen stieß allerdings die Tatsache, dass mit der Fertigstellung der S-Bahn die Regionalzüge entfallen. Denn dann seien Ziele wie der Flughafen von Maintal aus zwar schneller, aber mit Umsteigen erreichbar, erklärte Baser auf eine Frage aus dem Publikum.

Auf Maintaler Gemarkung sind mehrere Neubauten entlang der Strecke der Nordmainischen S-Bahn geplant.

Das ist geplant

Die Nordmainische S-Bahn stellt eine Verlängerung der bestehenden S5 dar und verbindet Frankfurt mit Hanau. Auf zwei neuen Gleisen soll sie Nahverkehrsanbindungen im 15-Minuten-Takt (zur Hauptverkehrszeit, sonst alle 30 Minuten) bieten. Rund 1,9 Milliarden Euro kostet das Infrastrukturprojekt. Die Kosten, die die Stadt Maintal tragen soll, belaufen sich auf rund 900 000 bis eine Million Euro. Fahren soll sie 2031.

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