Bis 2030 am Netz
Erst Gas, dann Wasserstoff: Energiekonzern Uniper plant neuen Block am Kraftwerk Staudinger
- VonDetlef Sundermannschließen
Uniper kündigt den Bau eines neuen Blocks auf dem Kraftwerksgelände Staudinger an. Staudinger 8 soll als H2-ready-Kraftwerk konzipiert werden und könnte eine Vorreiterrolle einnehmen. Die Inbetriebnahme ist bis 2030 vorgesehen.
Großkrotzenburg – Auf dem Kraftwerksgelände Staudinger soll ein neuer Block entstehen, das teilte Uniper am Dienstagabend (29.10.2024) im Beisein von Vertretern der Nachbarschaftskommunen und Umweltverbänden mit. Staudinger 8 soll als H2-ready-Kraftwerk konzipiert werden, das laut Betreiberin eine Vorreiterrolle einnehmen könnte. Der Betrieb läuft zunächst mit Erdgas und später mit Wasserstoff.
Der Betrieb läuft zunächst mit Erdgas und später mit Wasserstoff
Die kombinierte Gas- und Dampfturbinenanlage soll eine Leistung von 890 Megawatt liefern, um Spitzenverbräuche im Netz abzudecken und sogenannte Dunkelflauten zu überbrücken.
Die Inbetriebnahme ist bis 2030 vorgesehen. Allerdings befindet sich das Projekt noch nicht in trockenen Tüchern. Zurzeit liefern auf Staudinger nur noch Block 4 (Gas) und 5 (Kohle) Strom, deren Gesamtleistung bei etwa mehr als 1100 Megawatt liegt. Laut Uniper hat die Bundesnetzagentur im April die Systemrelevanz für beide Blöcke bis 31.03.2031 verlängert. Was danach mit den Altanlagen geschieht, ist laut Uniper offen.
Auch der verstärkte Ausbau von Photovoltaik – die größte Anlage im Kreisgebiet entsteht derzeit auf den Feldern bei Freigericht – und Windkraft reichen offenkundig nicht, um den künftigen Stromverbrauch kontinuierlich und sicher zu decken.
Um keine Versorgungstäler bei Dunkelheit oder Flaute (zusammengefasst auch Dunkelflaute genannt) entstehen zu lassen, bereitet die Bundesregierung eine Kraftwerksstrategie vor, für deren Umsetzung ein Kraftwerkssicherheitsgesetz geschrieben wird. Dieses Gesetz befindet sich laut Ministerium für Wirtschaft und Klimaschutz aktuell im Konsultationsverfahren. Im ersten dazugehörigen Dokument mit dem Titel „Neue Ausschreibungen für wasserstofffähige Gaskraftwerke und Langzeitspeicher für Strom“ geht es etwa darum, wie der Bau und die Umrüstung von sieben Gaskraftwerken ausgeschrieben werden könnte.
Umrüstung zu 100 Prozent Wasserstoffbetrieb
„Die Kraftwerke werden später kurzfristig und mit geringem Aufwand auf 100 Prozent Wasserstoffbetrieb umgestellt“, so das Ministerium in einer Mitteilung. Block 8 wird für rund 8700 Betriebsstunden (362 Tage) pro Jahr konzipiert. Die Gasturbinen sollen in der Lage sein, binnen zwei bis drei Stunden anzulaufen, wenn ein Strommangel droht und damit die Netzstabilität in Gefahr ist.
Auf diese gesetzliche Grundlage soll Staudinger 8 geplant werden, dessen Bezeichnung „8“ aus zwei nicht verwirklichten Vorgängerprojekten resultiert, darunter der hoch umstrittene Giga-Block 6, der pro Jahr 5,2 Millionen Tonnen Steinkohle zur Stromerzeugung verheizt hätte.
Die Voraussetzungen, sich erfolgreich an der Ausschreibung zu beteiligen, werden bei Uniper als gegeben betrachtet, etwa weil der Standort nahe der künftigen Fernleitung des Wasserstoff-Kernnetzes liegt und an die 380 000-Volt-Trasse angeschlossen werden kann, heißt es von Uniper.
Der neue Block soll nach Darstellung von Kraftwerksleiter Andreas Armenat auf einer rund 4,4 Hektar großen Freifläche zwischen dem Kohlebunker und dem Kühlturm von Block 4 gebaut werden.
Uniper-Projektleiter Mark Wesemann sprach bezüglich der Leistung von Block 8 von einem „sehr, sehr großen Kraftwerk“, das die Blöcke 4 und 5 nahezu ersetzen kann. Mit dem Neubau wird voraussichtlich eine weniger markante Landmarke auf Staudinger entstehen, als es bei den bisherigen Anlagen dort der Fall war und ist.
Laut Wesemann wird das Kesselhaus mit 46 Meter Höhe den Kohlenbunker knapp überragen. Der Schornstein soll etwa 100 Meter in den Himmel ragen. Im Vergleich: Der Schlot von Block 4 ist 250 Meter hoch. Statt einen gut 140 Meter hohen Kühlturm mit sogenanntem Naturzug wie bei Block 5 wird es einen Zellenkühler geben, der laut Wesemann 16 Meter in der Höhe messen soll.
Welche Schall- und Abgasemissionen von Block 8 für die Menschen in den benachbarten Orten ausgehen – die Hanauer Stadtteile Klein-Auheim und Großauheim sowie die Kommunen Hainburg und Großkrotzenburg – konnte bei der Projektvorstellung nicht genannt werden. Untersuchungen stünden noch an, hieß es. Auch nach der späteren Umstellung auf reinen Wasserstoff wird aus dem Schornstein der Gasturbinen zwar kein Kohlendioxid aufsteigen, aber auch nicht nur Wasserdampf.
Das leicht flüchtige Gas verbrennt mit einer hohen Verbrennungstemperaturen, dabei entstehen erhebliche Mengen Stickstoffoxid. NOx besitzt jedoch auf Mensch und Tier eine schädliche Wirkung, etwa auf die Lunge. Die hohe Emission entsteht, weil Luft zu rund drei Vierteln aus Stickstoff besteht. Aktuell wird mit verschiedenen Lösungen versucht, die NOx-Emission zu verringern, weil Wasserstoff künftig weltweit zunehmend fossile Brennstoffe ersetzen soll. Für das Verbrennen von Wasserstoff muss Block 8 später technisch modifiziert werden.
Keine Angaben zu Investitionskosten
Über die Investitionskosten für Block 8 machte Uniper keine Angaben. Bei einer erfolgreichen Teilnahme an der Ausschreibung werde es jedoch eine staatliche Förderungen geben, hieß es. Dafür muss sich Uniper verpflichten, spätestens acht Jahre nach dem derzeit geplanten offiziellen Betriebsbeginn 2030, also bis 2038, die Anlage zu 100 Prozent mit Wasserstoff zu betreiben.
Laut Uniper werde der Staat zudem über die ersten vier Jahre den teureren Energieträger für bis zu 800 Betriebsstunden pro Jahr subventionieren. Wie das Preisverhältnis von Erdgas zu Wasserstoff in 2038 sein wird, das wagte bei der Vorstellung niemand vorherzusagen, ebenso wenig, welche Auswirkungen Block 8 und ähnliche Kraftwerke dieses Typs in Deutschland auf die Stromtarife für die Verbraucher haben werden. (Detlef Sundermann)
Projekt wird vorgestellt
Am 07.11.2024 stellt Uniper das Projekt Block 8 in einer Bürgerversammlung in der Standortkommune Großkrotzenburg öffentlich vor.
