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Immer häufiger chronische Schmerzen: Welche Gründe dahinter stecken
VonSabrina Reisinger
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„Schmerz, lass nach“: Immer mehr Menschen leiden an chronischen Schmerzen. Dafür sind verschiedene Faktoren wie die Corona-Pandemie verantwortlich.
Verrenkter Wirbel, steifer Nacken: Jeder leidet im Laufe seines Lebens an Schmerzen. Normalerweise klingen sie mit der Zeit wieder ab. Wenn die Beschwerden allerdings nicht zurückgehen, können sie zu einer großen Belastung werden. Von chronischen Schmerzen spricht man, wenn die Symptome nach drei bis sechs Monaten noch immer bestehen. Sie können in verschiedenen Formen auftreten, sei es als Rücken-, Kopf- oder Gelenkschmerzen. Oft wird die Lebensqualität der Betroffenen erheblich eingeschränkt. Die Krankenkasse Barmer hat nun alarmierende Zahlen zu chronischen Schmerzpatienten veröffentlicht.
„Schmerz-Atlas“ legt Leid der chronischen Schmerzpatienten offen
Während akute Schmerzen zeitlich begrenzt auftreten, haben sich chronische Schmerzen als qualvoller Dauerzustand im Körper etabliert. Dem „Schmerz-Atlas“ der Barmer zufolge leiden durchschnittlich 571 von 10.000 deutschen Versicherten an Schmerzen, die länger als sechs Monate andauern. Die Beschwerden treten dabei je nach Bundesland mehr oder wenig häufig auf. Die meisten Schmerzpatienten gibt es in Thüringen mit 870 Betroffenen pro 10.000 Einwohnern. Auch in Sachsen (776) und Brandenburg (763) ist die Zahl hoch. Die wenigsten Fälle gibt es in Hamburg (370) und Bremen (382).
„Schmerz macht den Alltag zur Tortur“, weiß Prof. Dr. med. Christoph Straub, Vorstandsvorsitzender der Barmer. „Betroffene benötigen im Bedarfsfall eine ganzheitliche, multimodale Schmerztherapie. Sie soll verhindern, dass sich der Schmerz noch weiter chronifiziert.“ Wichtig sei es, dass arbeitstätige Patienten diese Therapien berufsbegleitend durchführen können. „So vermeiden sie längere Arbeitsunfähigkeiten und integrieren die erlernten Fähigkeiten direkt in den Alltag“, so Straub.
Zahl der chronischen Schmerzpatienten steigt
Die Statistiken sind jedenfalls besorgniserregend, denn in den letzten Jahren leiden immer mehr Menschen an chronischen Schmerzen. Das berichtet auch Prof. Dr. Frank Petzke, Vorstand der Deutschen Schmerzgesellschaft und Leiter der Schmerzmedizin an der Universitätsmedizin Göttingen. „Mein Eindruck ist schon, dass sich das Problem der chronischen Schmerzen heute mehr häuft als noch vor ein paar Jahren. Wir haben auf jeden Fall jetzt mehr Patienten“, sagt er gegenüber der Bild-Zeitung.
Was steckt dahinter? Laut Petzke ist neben der alternden Bevölkerung außerdem die Corona-Pandemie dafür verantwortlich. „Viele Menschen haben während dieser Zeit den Arztbesuch gemieden, waren mit ihren Schmerzen allein und nicht in Behandlung. Das rächt sich jetzt.“
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Chronische Schmerzen werden durch Stress und Übergewicht begünstigt
Daneben wirkt sich auch ein ungesunder Lebensstil auf die Gesundheit aus. Laut Dr. Magdalena Kuhn stellen schlechte Ernährung, Bewegungsmangel, Übergewicht und Stress Risikofaktoren dar, die die Entwicklung von chronischen Schmerzen begünstigen. Die Medizinerin arbeitet als Oberärztin in der Klinik für Anästhesie, operative Intensivmedizin und Schmerztherapie am Vivantes Klinikum Am Urban.
Während die meisten Patienten zu Schmerzmitteln wie Ibuprofen greifen, setzt Kuhn auf einen ganzheitlichen Ansatz. „Ob chronische Rücken-, Nacken-, Schulter-, Hüft-, Fuß- oder Knieschmerzen, die Behandlung ist ähnlich und umfasst eine Kombination aus individuellen medizinischen, psychologischen und nicht medikamentösen Ansätzen“, berichtet sie.
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Warum die Schmerztherapie eine psychosoziale Komponente braucht
Denn auch die Psyche spielt bei chronischen Schmerzen eine große Rolle. Tatsächlich sei die Ursache der Beschwerden in vielen Fällen nicht körperlicher Natur. „Wir müssen zusammen mit dem Patienten ergründen, welche Faktoren u. a. die Wahrnehmung und Bewertung des Schmerzes beeinflussen und wie wir diese kontrollieren können, um die Lebensqualität und Funktionsfähigkeit zu beeinflussen“, erläutert die Ärztin.
Stress nachhaltig reduzieren – mit bewährten Entspannungstechniken
Mediziner arbeiten deshalb mit Physiotherapeuten und Psychologen zusammen, um dem Patienten noch besser helfen zu können. Im Kopf werde der eigene Schmerz oft größer gemacht, so Kuhn: „Der Schmerz entsteht zwar beispielsweise im Gelenk, wird aber als besonders einschränkend und drastisch wahrgenommen. Entspannungstechniken können helfen, die Schmerzwahrnehmung zu reduzieren und den Umgang mit ihnen zu verbessern.“
Wie gut die Heilchancen sind, hängt dabei vom Ausmaß der Schmerzen ab. Wer bereits viele Jahre lang an starken Beschwerden leidet und dadurch stark beeinträchtigt wird, wird es vermutlich schwerer haben, die Schmerzen vollständig loszuwerden. Zumindest verspricht die Schmerztherapie aber einen verbesserten Umgang mit den Symptomen.
Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unserer Redaktion leider nicht beantwortet werden.