Dritte Generation

Vom Biedermann zum Brandstifter: So gut ist der neue Audi Q5

  • Rudolf Bögel
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Das Familien-SUV Q5 ist für Audi eines der wichtigsten Autos. Die neuen Modelle gibt es mit Benziner und Diesel. Welcher Motor ist der beste?

Der Q5 ist ein echter Bestseller im Audi-Imperium, eine Cash-Cow wie sie im Stall steht. 1,6 Millionen wurden von der ersten Generation (ab 2018) verkauft, immerhin noch 1,1 Millionen von der zweiten. Die neue Nummer Drei steht auf der neuen Premium Platform Combustion, auf der auch der A5, also der umgetaufte Audi A4, gebaut wird. Wie sieht er aus der neue Q5, der in der zweiten Generation ja eher Biedermann als Brandstifter war?

Bieder ist er ganz und gar nicht mehr – denn beim Design haben sie eine große Schippe draufgelegt in Ingolstadt. Der Kühlergrill mit seinen riesigen Öffnungen wirkt gierig, mächtig, aber nicht pubertär. Darüber liegen die schmalen Tagfahrlichter, die dem Q5 einen leicht verkniffenen Reptilien-Blick à la Trump geben. Hinten zieht sich das Lichtband quer über die Karosserie. Diffusor und Endrohrblenden (zwei flache Ovale beim Diesel, vier verchromte Endrohre beim SQ5) runden das satte Bild eines selbstbewussten SUVs ab. Hier macht Audi nach wie vor eine kleine, aber feine Unterscheidung. Es gibt wieder zwei Karosserievarianten, die sich von den Dimensionen her kaum verändert haben im Vergleich zum Vorgänger. Einmal das SUV und dann den Sportback mit seiner fließenden zum Heck hin abgesenkten Linie. Unser Fazit zum neuen Design: Der Q5 ist ein echter Audi, vielleicht eines der schönsten Modelle der jüngsten Zeit - übertroffen wird er nur von dem neuen Kombi, dem Audi A6 Avant - der ist noch schicker.

Beim Audi Q5 hat der Beifahrer ein eigens Display

Außen hui und innen? Ebenfalls hui! Hier sitzt man wie schon bei den Vorgänger-Modellen bequem und komfortabel - mit viel Platz an den Seiten. Vor Fahrer und jetzt auch Beifahrer liegt eine Bildschirmlandschaft. Bei Audi auch digitale Bühne genannt. Sie besteht aus dem 11,9 Zoll großen Tacho und dem 14,5 Zoll Infotainment-Bildschirm. Zusammengefasst in einem Curved Display und in bester OLED-Qualität. Beifahrer haben auf Wunsch eine eigene 10,9 Zoll große Glotze. Hier kann man streamen, ohne dass der Fahrer etwas sieht. Im Augenblick ist das Angebot mit ZDF-Mediathek und YouTube allerdings noch ziemlich beschränkt.

Im Cockpit wartet eine wahre Bildschirmlandschaft. Alles in bester OLED-Qualität, sogar der Beifahrer verfügt (optional) über ein eigenes Display.

Gut hingegen: Das Beifahrer-Navi lässt sich unabhängig vom Infotainment-Bildschirm bedienen, so dass hier ungestört nach Restaurants oder Tankstellen gesucht werden kann, ohne dass die Routenführung unterbrochen wird. Die digitale Bühne liegt auf einer horizontalen Schalttafel, die optisch bis in die Türen reicht und mit C-förmigen Lichtelementen eine kokonartige Stimmung erzeugt. 

Hartplastik und Kunststoff: Hier hat Audi gespart

Wohlig wohnlich soll sich das anfühlen - und vielleicht auch vom zum Teil recht einfach wirkenden Materialmix abzulenken. Stellvertretend genannt seien hier nur die unschönen Hartplastik-Türtafeln, die glatten und kalten Kunststoff-Türgriffe oder das beim Öffnen nach einem Plastikeimer klingende Handschuhfach. Bei der Bedienung der digitalen Bühne hilft künstliche Intelligenz. Bis zu 800 Funktionen sollen auch sprachgesteuert ausgeführt werden können. Praktisch: Im Türgriff der Fahrertür ist eine klavierbelackte Schalttafel integriert, mit der sich nicht nur die Spiegel verstellen, sondern auch die Lichtfunktionen einstellen lassen. Smartphones kann man kabellos verbinden.

Leider spiegelt sich das Handy nur auf dem Hauptbildschirm, warum das nicht auf dem Beifahrer-Display geht, was sinnvoll gewesen wäre, konnten wir nicht klären. Aufgeladen wird an USB-C-Anschlüssen, zwei vorne, zwei hinten. Im Fond leisten sie bis zu 100 Watt. Das reicht auch für Tablets und Laptops. Werfen wir noch einen Blick zurück, bevor wir zur Performance der unterschiedlichen Antriebe kommen. Mit der neuen und bis zu 120 Millimeter verschieb- und auch neigbaren Rückbank lässt sich der Kofferraum flexibel beladen. Je nach Karosserieform passen zwischen 470 und 1.473 Liter rein. Die Allradmodelle ziehen bis zu 2,4 Tonnen.

Knackig bis komfortabel: Das neue Fahrwerk im Q5

Zum Marktstart werden drei Motorisierungen angeboten, die allesamt mit dem hybriden Antriebsstrang MHEV plus ausgestattet sind. Einen Stromer gibt es auch, der heißt aber Audi Q6 e-tron. Bleiben wir beim Q5: Das Einstiegsmodell wird der 2,0-Liter große und 204 PS starke TFSI sein. Genauso viel Power hat der ebenfalls 2,0 Liter große Diesel. Darüber rangiert der SQ5 mit einem V-6-Benziner und 367 PS. Ein 3,0-Liter-TDI ist ebenfalls in Planung, wie man hört, allerdings noch nicht so schnell. Konkreter sieht es mit Plug-In-Hybriden aus. Sie sollen in der zweiten Jahreshälfte durchstarten.

An den zwei jetzt ovalen und nicht mehr überblendeten Auspuffrohren erkennt man die neue Generation der Q5-Familie, neu ist auch das Lichtband.

Wir haben uns auf den Testfahrten auf SQ5 und den Diesel konzentriert. Zur Verfügung stehen zwei Antriebsarten. Nur beim Basis-TFSI kann man allerdings zwischen Front und Allrad wählen. Sowohl der Diesel als auch der SQ5 kommen grundsätzlich mit Quattro daher. In die Serie geschafft hat es die Progressivlenkung – sie ist bei Audi eine Bank. Geschmeidig, direkt und präzise. Die optionale Luftfederung wurde für die ganze Q-Familie noch einmal angepasst. Sie arbeitet straff und komfortabel je nach Anforderung, im Sport-Modus lässt sie sowohl den Q5 TDI Sportback als auch den SQ5 knackig durch die Kurven marschieren.

Mild-Hybrid auch beim großen Diesel

Das Fahren hat beim Topmodell SQ5 nicht ganz so viel Spaß gemacht wie erwartet. Irgendwie haben die 367 PS und 550 Nm Drehmoment mehr versprochen. Der Sound hört sich außer im unteren Drehzahlbereich eher nach Vier- als nach Sechszylinder an. Und auch die Beschleunigung, die immerhin in 4,5 Sekunden von 0 auf Tempo 100 vonstattengeht, hat uns auch nicht gerade Schauder über den Rücken gejagt.

Von Audi bis Jaguar: Diese Autos wurden 2024 bereits eingestellt

Renault Megane in Blau
Renault Mégane: Seit knapp 30 Jahren bauen die Franzosen den Kompaktwagen. Er ist damit ein absoluter Dauerbrenner. Doch für den Verbrenner ist nun Schluss! Die elektrische Version mit dem Namenszusatz E-Tech darf jedoch weiterleben. © Renault
Ein Renault Zoe.
Renault Zoe: Obwohl der Kleinwagen rein elektrisch unterwegs ist, sind seine Tage nach knapp zehn Jahren gezählt. Damals war der Zoe eines der ersten elektrischen Massenmodelle. In seine Fußstapfen tritt Ende des Jahres der 5. Damit verabschiedet Renault ein Modell und holt den Namen eines anderen sehr erfolgreichen Pkw wieder zurück. © Renault
Kia e-Soul.
Kia e-Soul: Und auch ein weiterer Wegbereiter der Elektromobilität verschwindet vom deutschen Markt. Und auch hier füllt ein anderes Modell die Lücke. Der Kia EV3 soll den e-Soul beerben. Die Gründe liegen auf der Hand: Der EV3 ist günstiger und bietet mehr Leistung als der e-Soul. Mit der veralteten Technologie und dem unkonventionellen Design war der e-Soul in Deutschland nie besonders beliebt. 2023 wurden lediglich 556 Einheiten in Deutschland verkauft. © Kia
Smart ForTwo EQ.
Smart ForTwo EQ: Der Abschied des Kleinstwagen kommt alles andere als unvorbereitet. Er ist die Folge der Neuausrichtung der Marke an sich. Nach 25 Jahren ist seit Ende März endgültig Schluss. Ein neuer Zweisitzer ist aber in Planung und könnte 2026 auf den Markt kommen. © Mercedes-Benz
Mitsubishi Space Star.
Mitsubishi Space Star: Mit dem Japaner stirbt ein weiterer Kleinwagen den Modelltod. Mitsubishi begründet das Aus des Space Star mit steigenden Anforderungen an Assistenzsysteme und Cybersicherheit. © Mitsubishi
Volvo S60
Volvo S60: Ein kompletter Abschied ist das eigentlich nicht. Denn der S60 soll ab 2025 in China und der Türkei weiter angeboten und gebaut werden. In Deutschland ist er dann jedoch nicht mehr erhältlich. Der Kombi V60 hingegen vermutlich schon. © Volvo
Ein Peugeot 508 Hybrid lädt an einer Wallbox
Peugeot 508: Und auch bei den Franzosen muss ein Mittelklassemodell gehen. Mit dem 508 trat Peugeot gegen den VW Passat und den Audi A4 an. Anfang 2023 spendierte man dem 508 noch einmal ein Facelift. Hier erwischt es neben der Limousine aber auch den Kombi. Diese gibt es schon jetzt nur noch als Plug-in-Hybride. Ende des Jahres ist dann Schluss. © Peugeot
Maserati Levante
Maserati Levante: Im Jahr 2016 war der Levante der erste SUV der Nobelmarke aus Italien. Sieben Jahre später heißt es frei nach Andrea Bocelli: Time to say Goodbye. Die Produktion lief bereits im März aus. Einen Nachfolger soll es ab 2027 geben. Natürlich rein elektrisch! © Maserati
Ein Jaguar F-Type.
Jaguar F-Type: Mit einem finalen Sondermodell schicken die Briten den Sportwagen in seinen wohlverdienten Ruhestand. Das letzte Exemplar wird im Markenmuseum ausgestellt. Doch auch andere Modellreihen werden nur noch abverkauft. Jaguar stellt nämlich konsequent auf Elektro um und verkauft vorerst keine Neuwagen mehr. © Jaguar
Audi R8
Audi R8: Sportwagen kann man auch in Ingolstadt. Das hat Audi mehrfach beweisen und mit dem R8 im GT-Bereich zahlreiche Rennen und Titel gewonnen. Und auch auf der normalen Straße war der Sportwagen eine Ikone. Im März 2024 verließen die letzten Exemplare die Manufaktur Böllinger Höfe in Heilbronn. Insgesamt wurde der R8 seit 2006 45.949 Mal gebaut.  © Audi

Besser bleibt man da beim guten alten Diesel, solange es ihn noch gibt. Unterstützt wird er von zwei E-Maschinen. Der Riemen-Startergenerator, wie der Name schon sagt, übernimmt nur das Starten und das Laden der Batterie. Der Triebstranggenerator hingegen packt im Getriebe mächtig mit an (18 kW/24 PS und 320 Nm Drehmoment). Und auch beim Rekuperieren ist er eine Macht. Bis zu 25 kW Bremsenergie fließt zurück in die 1,7 kWh große Batterie. Diese Kapazität reicht zum elektrischen Segeln sowie zum Ein- und Ausparken. Der 2,0-Liter-TDI schiebt mit 400 Nm Drehmoment fröhlich von unten heraus an – und macht sich mit einem vertrauten Brummen auch im Innenraum bemerkbar. Beim Verbrauch zeigt der Motor alte Diesel-Stärke: Um die sechs Liter sollen drin sein. In diesem Effizienzwettbewerb haben wir allerdings kläglich versagt, weil das Fahren so viel Spaß gemacht hat, lagen wir am Ende bei knapp acht Liter.

Ein echter SUV und kein reiner Salonlöwe ist der neue Audi Q5. Ausgestattet mit einem Quattro-Antrieb und Luftfederung packt er auch schweres Gelände.

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Last but not least: Der Audi Q5 ist nicht nur auf dem Papier ein SUV, sondern auch im Gelände. Wir waren zwar nicht auf ausgewiesenen Offroad-Trails unterwegs, die schmierige, steile und ausgewaschene Schlammpiste in den Bergen hinter Marbella haben jedoch gezeigt: Da geht mehr. Mit der Luftfeder hebt sich die Karosserie nämlich um bis zu 30 mm an, bei sportlicher Fahrweise geht es um 15 mm runter – und wer schwere Fracht einladen will, kann sogar noch weiter absenken.

Unser Fazit zur neuen Q5-Familie aus Ingolstadt

Abgesehen von der umstrittenen Qualität im Innenraum, kann man sich mit SUV und Sportback überall sehen lassen. Die Preise sind leider hoch, aber das ist die neue Normalität. Für den Basis-Benziner muss man immerhin 52.300 Euro hinlegen, für den Diesel 57.100 Euro. Der SQ5 liegt mit seinem Einstandspreis von 82.900 Euro dann schon auf Luxus-Niveau. Rudolf Bögel 

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