Nato hält Nordic Response ab
Nato probt in Norwegen den Ernstfall – Pistorius: Russlands Macht „hier oben versammelt“
VonFabian Hartmannschließen
Mit dem Großmanöver im hohen Norden Europas erproben die Nato-Partner ihre militärische Verteidigung. Auch Verteidigungsminister Pistorius reist an.
Alta – „Nordic Response 2024“ heißt das Großmanöver, unter dem NATO-Verbündete seit Mitternacht im hohen Norden Norwegens die Verteidigung im Falle eines Angriffs auf das Bündnisgebiet erproben. Auch die Bundeswehr nimmt mit knapp 1500 Streitkräften am Großeinsatz teil, wie ihre Vertreter der Deutschen Presse-Agentur (dpa) zufolge am Donnerstag in der norwegischen Stadt Alta mitteilten. Ihnen gehören auch etwa 700 Gebirgsjäger an.
Zum Start des Nordic-Response-Manövers reiste auch Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) ins nordnorwegische Alta. Am Vortag hatte er bereits eine Einrichtung des norwegischen Militärs in Pasvik an der Grenze zu Russland besucht und dabei ein verstärktes Engagement der Bundeswehr im hohen Norden angeboten. Seine Nordreise startete der Bundesverteidigungsminister mit einem Besuch des schwedischen Verteidigungsministers Pal Jonson in Stockholm. Dabei vereinbarten sie eine Intensivierung der bilateralen militärpolitischen Beziehungen, wie das Bundesministerium der Verteidigung (BMVG) am gestrigen Mittwoch in einer Pressemitteilung meldete.
Nordic Response in Norwegen: Nato probt den Ernstfall – Waffensysteme werden getestet
Am Großmanöver Nordic Response sind nach norwegischen Militärangaben etwa 20.000 Soldaten aus 13 verbündeten Nationen beteiligt. Darunter sind auch Finnland und Schweden, die sich infolge des russischen Angriffs auf die Ukraine für einen NATO-Beitritt entschlossen haben.
Bei ihrer Verteidigungserprobung fahren die NATO-Bündnispartner ein breites Spektrum von Waffensystemen auf. Darunter 100 Flugzeuge sowie Kräfte der Seestreitkräfte mit Fregatten und U-Booten. Die Soldaten sollten am Donnerstag vom Raum Alta aus südlich gelegene Gebiete, die in diesem Szenario bereits von einem Gegner besetzt wurden, mit einem Gegenangriff einnehmen. NATO-Gründungsmitglied Norwegen teilt sich eine 198 Kilometer lange Grenze mit Russland. Von Pasvik aus ist die nächste große Stadt auf russischer Seite das an der Barentsee gelegene Murmansk. Hier sollen sich auch einige russische Atom-U-Boote der sogenannten Nordflotte befinden.
Pistorius zu Nato-Übung Nordic Response: „Hier kommt vieles zusammen, wovon wir [...] nur wenig mitbekommen“
„Klar wird eigentlich, dass hier in der Arktis, im Nordmeer, die Fäden – wenn man so will – zusammenlaufen“, zitiert das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) Pistorius. „Ein wesentlicher Teil der militärischen Macht Russlands ist hier oben versammelt. Hier gehen die Verkehre durch, hier kreuzen die U-Boote. Hier kommt vieles zusammen, wovon wir in Mitteleuropa nur wenig mitbekommen“, fügte der Verteidigungsminister hinzu.
Neben Nordic Response: Nato startete bereits zuvor Manöver Steadfast Defender
Neben Nordic Response starteten die Bündnispartner auch eine Reihe nationaler Manöver, die unter dem Namen Steadfast Defender (etwa: Standhafter Verteidiger) geführt werden. Insgesamt beteiligen sich 19 Mitgliedsstaaten mit rund 80.000 Soldaten und Soldatinnen hieran. Damit will die NATO die Mobilisierung von Kampfverbänden über große Entfernungen trainieren.
Steadfast Defender ist dabei eine Art Sammelbegriff für Übungen und Manöver auf nationaler Ebene. In Deutschland hat die Bundeswehr eine Übungsserie namens Quadriga 24 aufgelegt – sie soll von März bis Mai stattfinden. Sie besteht aus vier großen Komplexen „Grand North“, „Grand South“, „Grand Center“ und „Grand Quadriga“ sowie einer größeren Anzahl von kleinen Übungen auf Brigadeebene oder Bataillonsebene, wie der Mitteldeutsche Rundfunk berichtet. Auch der Hafen von Emden spielte im Rahmen des Großmanövers schon eine wichtige Rolle: Hier wurden Mitte Februar beispielsweise mehrere Frachtschiffe der britischen Streitkräfte umgeladen.
Dabei ist Steadfast Defender das am größten angelegte Manöver seit Ende des Kalten Krieges. Es dürfe aber nicht nur als Signal der Abschreckung gegenüber Wladimir Putin gelesen werden, wie Robin Allers, Professor an der Hochschule für Verteidigung in Oslo, vor Kurzem erklärte: „Das NATO-Großmanöver ist keine Provokation, aber ein Hinweis an Russland: Wir zeigen, deutlich, was wir haben. Denn es gibt eine konkrete Bedrohung und die Erkenntnis, dass es tatsächlich Krieg in Europa geben kann.“ (fh)