Zeichen an Putin
U-Boote wie Blauwale: Deutschland und Norwegen gehen neuen Weg an NATO-Nordflanke
VonPeter Siebenschließen
Die NATO-Staaten Deutschland und Norwegen bauen gemeinsam U-Boote. Das Projekt ist einzigartig – und weist in die Zukunft, sagen Experten.
Kiel/Bergen – Es sind Giganten, die künftig die Gewässer im hohen Norden durchstreifen sollen. 73 Meter lang sind die U-Boote vom Typ 212CD – so lang wie drei ausgewachsene Blauwale. Die NATO-Länder Deutschland und Norwegen entwickeln, bauen und warten die U-Boote gemeinsam. Das ist eine bislang einzigartige Besonderheit, wenn es um rüstungswirtschaftliche Kooperationen geht: Die U-Boote werden so gebaut, dass Besatzungen beider Streitkräfte sich sofort in den Booten des jeweils anderen Landes zurechtfinden.
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Ein Zeichen von großem Vertrauen, sagt Michael Kern, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Deutsch-Norwegischen Handelskammer in Oslo. Ursprünglich sollten vier der insgesamt sechs U-Boote, die bei TKMS in Kiel gebaut werden, an die norwegische Marine und zwei an die deutschen Streitkräfte geliefert werden. Jetzt hat Norwegen noch zwei weitere Boote bestellt.
Für die Wartung der U-Boote entsteht im norwegischen Bergen eine neue Werft. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) wird eigens zum symbolischen Spatenstich am 2. Dezember anreisen. „Die Entscheidung, mehr U-Boote als ursprünglich geplant zu bauen, zeigt das Vertrauen in die Leistungsfähigkeit dieser Partnerschaft“, sagt Kern im Gespräch mit IPPEN.MEDIA. „Sie hat nicht nur sicherheitspolitische, sondern auch wirtschaftliche Auswirkungen, da viele Zulieferer und Unterzulieferer in beiden Ländern davon profitieren.“
U-Boot: Neue Klasse 212CD
► Das neue U-Boot 212CD basiert auf der Klasse 212A. Die Buchstaben „CD“ stehen für „Common Design“.
► Länge: 73 Meter, Verdrängung: 2.800 Tonnen, Indienststellung: ab 2029
► Norwegen und Deutschland entwickeln die U-Boote gemeinsam, zwei Boote gehen an Deutschland, sechs an Norwegen. Kosten Deutschland: 2,79 Mrd. Euro, Kosten Norwegen: 5,5 Mrd. Euro.
► Im Juli sagte Verteidigungsminister Boris Pistorius, dass auch Deutschland weitere vier der U-Boote beschaffen werde.
Das gemeinsame Projekt ist auch ein Zeichen an Putin: Norwegen hat seine einstige auf gute Beziehungen ausgerichtete Politik gegenüber dem Nachbarn im Osten seit dem Überfall auf die Ukraine grundlegend gewandelt. Man will Russland, zu dem Norwegen eine gemeinsame Grenze hat, klarmachen: Wir lassen uns nichts gefallen und sind vorbereitet.
NATO-Staaten wollen weniger abhängig von den USA sein
Gleichzeitig zeigt das U-Boot-Bündnis auch: Ein Stück weit wollen die europäischen NATO-Länder unabhängiger von den USA werden. „Die USA sind Norwegens wichtigster Verbündeter. Sie bleiben der Eckpfeiler der Abschreckung und kollektiven Verteidigung der NATO und spielen eine entscheidende Rolle für die europäische Sicherheit“, sagt Kapitän Fredrik Borgmann, Verteidigungsattaché in der norwegischen Botschaft in Berlin.
Aber: „Europa muss mehr Verantwortung für seine eigene Sicherheit übernehmen. Wir müssen stärker zusammenarbeiten und unsere Verteidigungsfähigkeiten und Interoperabilität innerhalb der NATO stärken.“ Insofern sei das gemeinsame U-Boot-Projekt eine Blaupause für zukünftige Beschaffungsprojekte.
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Die neue U-Boote-Klasse 212CD hat gegenüber Vorgängermodellen technische Besonderheiten. So ist der Schiffskörper nicht rund, sondern im Querschnitt eher diamantförmig. Das soll die Ortung durch andere Schiffe erschweren. Und anstelle eines Periskops werden die U-Boote mit sogenannten Optronik-Mastsysteme ausgestattet, die mithilfe von Sensoren auch bei schlechter optischer Sicht deutliche Bilder liefern sollen.
Aufklärungsaktivitäten an NATO-Nordflanke an der Grenze zu Russland hochgefahren
Wo genau die neuen U-Boote vom Typ 212CD eingesetzt werden, ist noch nicht im Detail bekannt. Ein Bereich wird wohl die Aufklärung in der Nordsee beziehungsweise in der Barentssee an der Grenze zu Russland sein. Dort, an der sogenannten Nato-Nordflanke, hat Norwegen seine Aktivitäten längst hochgefahren, wie der norwegische Brigadegeneral Eystein Kvarving vor einigen Monaten im Gespräch mit dieser Redaktion erklärte: „Wir machen mehr Aufklärungsflüge und setzen neue Flugzeuge ein. Neben den alten P3-Poseidon-Aufklärern nutzen wir zunehmend neue Modelle vom Typ P8 Poseidon.“
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