Unberechtigte Förderung

Millionenspiel mit E-Autos: Subventionsskandal trifft China-Hersteller

  • Patrick Freiwah
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Chinas Elektroauto-Boom bekommt Risse: Das Ministerium deckt auf, wie BYD, Chery und weitere Hersteller Millionen an Fördergeldern zu Unrecht kassierten.

Peking/Shenzhen – Chinas Automarkt gilt als das Epizentrum der globalen Elektromobilität. Mit großzügigen Subventionen hat die Regierung über Jahre hinweg den Wandel zu Elektro- und Hybridfahrzeugen forciert – und damit nicht nur Herstellern der Volksrepublik zu großem Wachstum verholfen, sondern auch den internationalen Wettbewerb herausgefordert.

Doch nun sorgt eine landesweite Überprüfung für einen Paukenschlag: Das Ministerium für Industrie und Informationstechnologie (MIIT) deckte auf, dass einige Autobauer zwischen 2016 und 2020 Fördergelder in Höhe von mehr als 864 Millionen Yuan (rund 103 Millionen Euro) beantragt hatten, obwohl ihnen diese gar nicht zustanden. Im Zentrum der Vorwürfe stehen nach übereinstimmenden Berichten die Branchenriesen BYD und Chery.

Chinas Elektroauto-Subventionen: Betrug um förderfähige Fahrzeuge

Die nun bekannt gewordenen Prüfungen lassen tief blicken: Chery etwa beantragte angeblich für rund 8760 elektrifizierte Modelle Hilfsgelder, obwohl diese Fahrzeuge nicht förderfähig waren. Der Schaden beläuft sich allein bei Chery laut Bloomberg auf 240 Millionen Yuan (rund 28.791.960 Euro). Auch bei Weltmarktführer BYD wurden 143 Millionen Yuan für fast 4900 Fahrzeuge aus den Büchern gestrichen. Insgesamt wurden 21.725 Fahrzeuge von der Förderung ausgeschlossen – namentlich werden nur BYD und Chery genannt, doch mehrere weitere Hersteller seien betroffen und mehr als 75.000 Fahrzeuge würden geprüft.

Die Gründe für die zu Unrecht erhaltenen Subventionen sind laut Reuters vielfältig: So konnten die China-Hersteller oft keine Betriebsdaten zu den angeblich verkauften Modellen liefern, oder die Kilometerstände entsprachen nicht den Fördervorgaben. Eine beliebte Praxis kennen wir auch aus Europa: Neuwagen werden an Händler verkauft, dort zugelassen und polieren so die Absatzstatistik auf. Tatsächlich landen diese Fahrzeuge als sogenannte „Null-Kilometer-Gebrauchtwagen“ wieder auf dem Markt. Das ist auch in der Volksrepublik ein Thema, dazu kassierten Hersteller die staatliche Förderung.

BYD und weitere China-Hersteller sind von der heimischen Industrieaufsichtsbehörde ertappt worden.

Elektroautos: Chinas Subventionspolitik mit Schwächen

Das chinesische Subventionssystem war jahrelang ein wichtiger Wachstumsmotor: Bis Ende 2022 wurden pro Elektro- oder Hybridfahrzeug bis zu 60.000 Yuan (rund 7200 Euro) ausgezahlt – direkt an die Hersteller, die diese Förderung als Rabatt an die Kunden weitergeben sollten. Doch das System war nach Ansicht von Kritikern von Anfang an anfällig für Betrug. Anders als in Deutschland, wo sich Staat und Hersteller die Umweltprämie teilen, verließ sich China auf die Eigenverantwortung der Unternehmen – mit den nun bekanntgewordenen Folgen.

Inwiefern die zu Unrecht erhaltenen Gelder von den chinesischen Behörden zurückgefordert werden, ist unklar. Weder BYD noch Chery hätten sich zu den Vorwürfen nach einer Anfrage von Reuters geäußert. Eine Strafzahlung in Millionenhöhe wäre für die Hersteller, die aktuell mit Überkapazitäten und sinkenden Margen kämpfen, ein weiterer Rückschlag. Bereits im vergangenen Jahr geriet hierzulande und in der EU die Subventionspolitik im Reich der Mitte in den Fokus.

China-Hersteller unter Druck: Unberechtigte Hilfsgelder und Preiskämpfe

Der Betrugsverdacht trifft die chinesische Autoindustrie zu einem Zeitpunkt, an dem der Preiskampf auf dem Heimatmarkt schon länger im Gange ist und die Gewinne entlang der gesamten Lieferkette belastet. Die Regierung in Peking hatte jüngst angekündigt, die Preisregulierung zu verschärfen und die Kontrolle über die heimische Autoindustrie zu intensivieren. Das Ministerium habe zudem die Sorge, dass die Qualität und der Ruf chinesischer Autos Schaden nehmen könnten.

Chinesische Hersteller boomen: 14 Autobauer, die Sie kennen sollten

Changan-Händler
Changan ist einer der ältesten Autohersteller Chinas und produziert jährlich mehrere Millionen Fahrzeuge, darunter auch Joint‑Venture‑Modelle mit Ford und Mazda. In den vergangenen Jahren hat Changan seine eigene Markenstrategie stark elektrifiziert und mit Submarken wie Deepal und Avatr moderne Elektro‑ und Plug‑in‑Hybridmodelle auf den Markt gebracht.  © IMAGO/CFOTO
Changan-Produktion
Kürzlich hat der China-Autobauer die Produktion von 30 Millionen Fahrzeugen zelebriert. Für Europa verfolgt der Konzern eine schrittweise Expansionsstrategie, die zunächst über ausgewählte Märkte und wenige Modelle erfolgen soll – meist im mittleren bis gehobenen Segment. Neben den genannten Marken sollen in den kommenden Jahren auch Modelle des Anbieters Nevo auf den Markt kommen. © Changan Automobile Deutschland GmbH
Jaecoo 7 von Chery
Chery ist einer der größten chinesischen Autoexporteure und baut seine Präsenz in Europa mit mehreren Marken gezielt aus. In Ländern wie Spanien erfolgte der Markteintritt früher. Zunächst wird hierzulande der Plug-in-Hybrid Jaecoo 7 angeboten. © Chery/dpa
Omoda 5 HEV
Die zweite Chery-Marke für Deutschland heißt Omoda. Gut ausgestattete Modelle wie der Omoda 5 HEV sollen zeitgemäßes Design mit effizienter Hybrid-Antriebstechnologie vereinen. Inwiefern sich deutsche Kunden darauf einlassen? Wir dürfen gespannt sein. © Omoda
Fahransicht Leapmotor B10
Leapmotor ist ein E-Auto-Hersteller, der sich auf dem Heimatmarkt China mit technisch ambitionierten, aber preislich sehr wettbewerbsfähigen Modellen einen Namen gemacht hat. Im Bild ist das Kompakt-SUV B10. © Leapmotor/dpa
Leapmotor T03
Die Marke bietet auch kleine, bezahlbare Modelle wie den T03 an. In Europa startete Leapmotor 2025 mit Unterstützung von Stellantis, das 21 Prozent der Anteile hält und den Markteintritt beschleunigt. © Leapmotor
Lynk & Co 01
Lynk & Co: Hinter diesem Hersteller, der 2016 gegründet wurde, verbirgt sich Geely. Der Plug-in-Hybrid 01 wurde zunächst vor allem im Abo vertrieben. Das Modell kann aber auch gekauft oder geliehen werden.  © Lynk & Co
Lynk & Co 02
Entwickelt und entworfen werden die Modelle von Lynk & Co in Schweden bei der traditionsreichen Konzernschwester Volvo. Das elektrische Crossover-Coupé Lynk & Co 02 war kürzlich auf einer Reise- und Freizeitmesse im Münchner Osten zu sehen. © IMAGO/Bernd Feil/M.i.S.
Elektrotransporter von Maxus.
Maxus: Ford, VW und Mercedes aufgepasst. Mit Maxus greifen chinesische Hersteller auch bei den Nutzfahrzeugen an. Die Modelle der 2011 gegründete Tochter von SAIC Motors sind unter anderem bei der österreichischen Post und Ikea im Einsatz. Verkauft werden die Transporter über eigene Händler. © GlobalImagens/Imago
Maxus: Elektro-Transporter eDeliver
Maxus ist vor allem auf Elektro‑Transporter, Vans und leichte Nutzfahrzeuge spezialisiert – ein Segment, das in Europa durch Lieferdienste, Handwerk und urbane Logistik wächst. © IMAGO/Slavek Ruta
Der MG 4 EV.
MG: Tot gesagte Leben länger. Das gilt auch für die britische Traditionsmarke. Allerdings nicht mehr unter der Flagge ihrer Majestät. Nach der Insolvenz erwarb zunächst die Nanjing Automobile Group im Juni 2005 die Markenrechte. Inzwischen gehört der Hersteller zu SAIC Motor. Dort wurde MG mit Roewe in der Abteilung Passenger Vehicle zusammengefasst. Seit Januar 2021 ist MG auch wieder auf dem deutschen Markt vertreten – unter anderem mit dem 4 EV. © MG
MG Cyberster
Das Modellangebot der von China neu aufgelegten Traditionsmarke umfasst unterschiedliche Fahrzeuggattungen: Zum Portfolio gehört der vollelektrische Roadster MG Cyberster.  © MG Motor
Der Xpeng P7.
Xpeng: Wie viele chinesische Hersteller ist auch Xpeng noch relativ jung. 2014 wurde das Unternehmen gegründet, konnte in den vergangenen Jahren seine Stückzahlen aber immer weiter steigern. In Europa war Xpeng zunächst in Schweden, Norwegen, Dänemark und den Niederlanden vertreten. Wann der Hersteller nach Deutschland kommt, ist unklar. © Zuma Wire/Imago
Xpeng G9
Für Schlagzeilen sorgte auch die Zusammenarbeit mit Volkswagen in China. 2026 ist der Marktstart in Deutschland terminiert. Partnerschaften mit mehreren Händlern sind geschlossen, hierzulande wird als erstes Modell das Elektro-SUV Xpeng G9 angeboten. © Xpeng
Der Zeekr 001.
Zeekr: Auch wenn der Name so gar nicht chinesisch klingt, stammt der Hersteller dennoch aus dem Reich der Mitte. Der Markenname setzt sich aus Generation Z und dem Begriff Geek zusammen. Hinter dem erst 2021 gegründeten Autobauer steckt Geely. Mit der neuen Tochter möchte man im Premiumsegment Fuß fassen. 2023 hat der chinesische Anbieter in Schweden und den Niederlanden mit den Modellen 001 und X ihren Europa-Start gefeiert. © Zeekr
Zeekr 7X
In Europa verfolgt Zeekr eine Wachstumsstrategie im hochwertigen E‑Segment – mit technisch starken Modellen (800‑Volt‑Architektur, große Reichweiten) und einem Fokus auf gut ausgestattete, aber preislich konkurrenzfähige Fahrzeuge. Seit Ende 2025 sind Zeekr-Modelle wie der 7X auch in Deutschland bestellbar. © Zeekr
Xiaomi SU7
Xiaomi steigt mit dem SU7 erstmals in den Automarkt ein und verfolgt dabei klar ambitionierte Pläne – auch für Deutschland. Der Konzern nutzt seine enorme Elektronik‑Reichweite und Markenbekanntheit, um sich im E‑Auto‑Segment als technologischer Herausforderer zu positionieren. Für Deutschland plant Xiaomi mittelfristig den Vertrieb über ein eigenes Händler‑ und Servicenetz, anfangs stark digital gesteuert.  © David Zorrakino/EUROPA PRESS/dpa
Studie Vision GT von Xiaomi
Studie Vision GT von Xiaomi: Ziel von Xiaomi ist es, im Premium‑Elektro‑Segment Marktanteile zu gewinnen, indem man Performance, Software‑Kompetenz und aggressive Preisgestaltung kombiniert. Deutschland gilt dabei als Schlüsselmarkt, weil Xiaomi hier eine treue Smartphone‑Kundschaft hat, die als Einstiegskanal in die Mobilität dienen soll. © Josep LAGO/AFP
Der Ora Funky Cat.
GWM Ora ist die Elektromarke des chinesischen Herstellers Great Wall Motor und in Europa vor allem durch den Ora Funky Cat (später: Ora 03) bekannt geworden. Die Marke positioniert sich im kompakten bis unteren Mittelklasse‑Segment und zielt damit auf europäische Volumenmodelle wie VW ID.3, Renault Mégane E‑Tech oder auch den heimischen Rivalen MG4 ab. © Ora/GWM
GWM Ora 07
Der Hersteller versucht, sich als preislich zugängliche, designorientierte E‑Alternative zu etablieren – bisher jedoch mit zögerlichem Markterfolg. Dazu machen vermeintliche Kopien die Runde – wie zum Beispiel der GWM Ora 07, als chinesische Ausführung des Porsche Panamera.  © GWM Ora
Der NIO ES6 steht auf einer Messe.
NIO: Der Name des 2014 gegründeten Herstellers ist eine Anspielung auf den Smog über den Großstädten Chinas. NIO, in chinesischen Schriftzeichen „Weilai“, bedeutet übersetzt „Der Himmel wird blau“.  © VCG/Imago
Kombi NIO ET5 Touring
NIO ET5 Touring: Eine Besonderheit der Marke ist die Battery-Swap-Technologie. In fünf Minuten wird der Akku gegen einen neuen ausgetauscht. Ihr Europa-Debüt gab die Marke 2021 in Norwegen. Seit 2022 sind die E-Autos auch in Deutschland erhältlich. © NIO
Der BYD Seal.
BYD: Seit 1995 gibt es das Unternehmen. Autos spielten am Anfang noch keine Rolle, stattdessen baute man wiederaufladbare Batterien. 2003 stieg man durch den Kauf der angeschlagenen Xian Qinhuan Automobile in das Automobilgeschäft ein. Inzwischen ist BYD einer größten Hersteller der Welt. © VCG/Imago
BYD-Schiff mit Neufahrzeugen im Hafen
BYD: In Deutschland sind die Chinesen mittlerweile mit mehreren Modellreihen vertreten. Schlagzeilen macht der Autoriese aus Fernost auch mit seiner Schiffsflotte, welche die Fahrzeuge in großer Stückzahl in verschiedene Weltregionen befördert. © Anadolu Agency/Imago
Denza Z9GT
Denza ist die technologieorientierte Premiummarke von BYD. Im April 2026 wurde das Angebot im Rahmen einer Veranstaltung in Paris als global agierende Marke eingeführt. Dabei gab es auch die ersten Modelle für Europa zu sehen. Im Bild das vollelektrische Coupé Denza Z9GT. © DENZA
Luxus-Van Denza D9
In China hat sich Denza mit Modellen wie dem Van D9 (im Bild) als hochwertige Alternative zu Marken wie Lexus, Mercedes EQ oder BMW i etabliert. In Europa soll der Anbieter schrittweise als gehobenes Premium‑Label eingeführt werden, allerdings nicht sofort in der Breite wie die Hauptmarke BYD. © DENZA
Smart #5
Smart: Einst eine Kleinwagenmarke, ist Smart heute ein Gemeinschaftsunternehmen zwischen Mercedes-Benz und dem chinesischen Geely-Konzern, wobei die Produktion und technische Entwicklung in China erfolgt. Der Fokus liegt auf SUVs (im Bild #5), die Effizienz und wettbewerbsfähige Preise ermöglichen sollen.  © Mercedes-Benz/Smart
Smart #1
Das erste Modell der neuen Ära ist der Smart #1. Strategisch sieht Smart Europa weiterhin als Kernmarkt, allerdings nicht mehr im klassischen Microcar‑Segment, sondern als kompakte, elektrisch angetriebene Crossover‑Alternative im Premiumbereich. Gleichzeitig hilft die Mercedes‑Designsprache, ein vertrautes Markenimage zu erhalten.  © Mercedes-Benz/Smart

Abseits der Turbulenzen um den Subventionsbetrug bleibt die Rolle Chinas auf dem Weltmarkt beeindruckend: In vielen Branchen – mit Ausnahme von Autos, Medizintechnik und Luftfahrt – hat die chinesische Exportindustrie Deutschland bereits überholt. Nach einer Analyse des Schweizer Prognos-Instituts liegt der Anteil chinesischer Unternehmen an den globalen Ausfuhren bei 16 Prozent, der deutsche nur noch bei acht Prozent. Auch die Bundesbank erkennt in einer Studie, dass Deutschland nicht nur gegenüber China, sondern auch gegenüber anderen Ländern im Euroraum sowie den USA an Boden verliert. (PF)

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