Mächtig verärgert
Fünf Wutzettel und viele Ausrufezeichen DHL-Kunde verzweifelt an Paketboten – „Ist es denn so schwer?“
VonRomina Kunzeschließen
Ein DHL-Kunde aus München ist am Ende seiner Geduld. Seine Pakete kommen scheinbar einfach nicht an – trotz detaillierter Anweisungen.
München – Mal liegt es bei einem Nachbarn, mal drei Häuser weiter. Hin und wieder findet man das erwartete Paket irgendwo im Garten oder auf dem Balkon, falls es nicht den Weg in die Packstation oder Filiale gefunden hat. Und dann wiederum ist es überhaupt nicht mehr auffindbar. Als Empfänger ist so mancher geneigt, dem Paketboten entgegenzuschleudern: Das kann doch nicht so schwer sein.
So erging es auch einem DHL-Kunden aus München, der seinen Zustellern eine Nachricht hinterlassen hat. Die zeigt jedoch: Ganz so einfach haben es die Paketboten tatsächlich nicht immer.
„Ist es denn so schwer?“: Ein DHL-Kunde gibt Paketboten über fünf Din-A-4-Seiten Anweisungen
Der Unmut über die misslungene Paketzustellung veranlasst einige Kunden dazu, ihren Zustellern Nachrichten zu hinterlassen. Freundlich ist der Umgangston darin selten, oftmals sind es kurze, barsche Einsätzer. Und ist er es doch, hinterlässt er irgendwie ein mulmiges Gefühl oder ist dem Zynismus geschuldet, wie im Falle eines UPS-Zettels. Der Kunde aus München scheint dagegen besonderen Redebedarf zu haben. Über fünf Din-A-4-Seiten macht er seinem Ärger Luft.
„An die DHL-Zusteller!!!“, macht der Empfänger dem Boten gleich zu Beginn unmissverständlich klar, dass er keinen Dankesbrief zu erwarten hat. „Ist es denn so schwer, den Anweisungen zu befolgen?“ Es folgen detaillierte Anweisungen, wo und wie das Paket abzugeben sei. „Sie gehen in das Haus rein (Tür ist offen) und klopfen an der ersten Tür rechts.“ Dahinter befindet sich eine Naturheilpraxis, die der Zusteller offenbar nur selten von innen gesehen hat.
Denn der Kunde fügt hinzu: „Und, wenn Sie keine Lust haben, ins Haus zu gehen, dann klopfen Sie doch an meiner Terrassentür“. Diese befindet sich „direkt hinter diesem grünen Zaun“. Die Wut-Zettel sind allerdings mit Klebeband an der Hecke befestigt. Welcher Zaun gemeint ist, bleibt also unklar.
DHL-Kunde schießt sich mit Wutzettel ein Eigentor: „Homöopathisches Ausliefern“
Nicht die einzige Unklarheit, die aus dem Fünfteiler hervorgeht. „Allerdings nutzt die zettelschreibende Person auch Kommas in so homöopathischen Dosen, dass der Sinn an der einen oder anderen Stelle leise verschoben ist“, kommentiert er unter dem Instagram-Beitrag von notesofgermany. Und es bleibt nicht bei dieser einen Spitze gegen die umstrittene alternative Behandlungspraxis.
„Tja, ein homöopathischer Briefkasten ist halt immer noch kein Briefkasten“, schreibt eine Person mit subtilem Bezug auf die mutmaßliche Wirkungslosigkeit von alternativen Heilmethoden. Ein anderer Nutzer zielt in die gleiche Richtung: „Homöopathisches Ausliefern für die Naturheilpraxis. Je weiter weg man von der Türe ist, desto besser klappt die Zustellung – das nennt man Potenzierung. Und am Anfang kann es halt eine Erstverschlechterung geben“.
Zum besseren Verständnis: In der alternativen Medizin werden homöopathische Medikamente durch sogenanntes „Potenzieren“ hergestellt. Dabei wird der Wirkstoff immer weiter verdünnt, in der Überzeugung, dass er erst dadurch seine volle Wirkung entfalten könne, wie die Apotheken-Umschau schreibt. Sie sind in der Regel rezeptfrei erhältlich. Es ist jedoch wichtig, zwischen Homöopathie und Naturheilkunde zu unterscheiden:
- Naturheilkunde (auch Pflanzenheilkunde oder Phytotherapie): Arzneimittel werden ausschließlich aus pflanzlichen Stoffen herstellt und bezieht sich auf jahrhunderte altes Wissen. Damit ist sie wissenschaftlich belegbar.
- Homöopathie: Arzneimittel werden hoch verdünnt und bestehen zu großen Teilen aus Zucker. Verfolgt das Ähnlichkeitsprinzip: Ein Mittel wirkt dann, wenn es gleiche oder ähnliche Symptome hervorrufen kann, wie die Krankheit selbst. Ist nicht evidenzbasiert, hat aber auch keine Nebenwirkungen und wird daher akzeptiert.
Quelle: zellerag.ch, Medical Tribune, Gesellschaft für Phytotherapie
„Warum sollte ein Zusteller alle möglichen Terrassentüren probieren“: Nutzer springen dem Boten zur Seite
Einige Nutzer können den Frust des Empfängers nachvollziehen. Ein User, vermutlich selbst ein entschlossener Zusteller, zeigt jedoch wenig Verständnis: „Das ist ganz einfach: keine Klingel, kein Paket. Keine Hausnummer, kein Paket. Kein Name an der Klingel, kein Paket. Und das alles in Kombination, kein Paket“.
Andere stellen sich ebenfalls auf die Seite des Paketboten. „Absolut richtig so! Warum sollte ein Zusteller alle möglichen Terrassentüren probieren“. Schließlich könne man einen Ablageort angeben, was nach Erfahrung des Nutzers gut funktioniert. Verbraucherschützer warnen jedoch, dass Händler dann nicht mehr haften, sollte die Sendung verschwinden. Ein Mann aus Kassel kann davon ein Liedchen singen – er drehte irgendwann den Spieß einfach um. (rku)
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