Autokauf im Einkaufszentrum

Autokauf im Einkaufszentrum – So hängen Chinas E-Auto-Marken BMW und Co. ab

  • Sven Hauberg
    VonSven Hauberg
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Rund jedes zweite Auto, das in China zugelassen wird, fährt mit Strom. Unterwegs mit Autokäufern in Shenzhen, wo man E-Autos im Einkaufszentrum kaufen kann.

Shenzhen – Ein Mittwochvormittag Ende April im südchinesischen Shenzhen. Das „Wongtee Plaza“ ist eines jener riesigen Einkaufzentren, wie es sie in jeder chinesischen Großstadt gleich mehrfach gibt. Man kann hier Hotpot essen, eine Art chinesisches Fondue, oder Karaoke singen. Und natürlich hemmungslos shoppen, Dutzende westliche Marken sind vertreten. Und wer will, kann sich sogar ein Elektroauto kaufen, quasi in der Mittagspause.

Etwa bei Lantu, einer chinesischen Marke, die im Ausland unter dem Namen Voyah auftritt. Das Modell Dream beispielsweise gibt es für rund 45.000 Euro. Im Fond des luxuriösen Minivans haben Herr Zhao und Frau Meng Platz genommen, ein junges Ehepaar aus der Stadt Dongguan, nordwestlich von Shenzhen. Die breite Rückbank habe es ihnen angetan, sagen sie, während vorne ihre neunjährige Tochter über den Fahrersitz klettert. „Und die großen Bildschirme“, ergänzt Frau Meng und zeigt auf ein Display, das vor ihr hängt. Filme könne man hier streamen oder Spiele spielen und natürlich die Klimaanlage steuern, erklärt eine Verkäuferin. Nicht unwichtig im schwül-heißen chinesischen Süden.

Auch die Marke Lantu, die im Ausland unter dem Namen Voyah auftritt, ist im „Wongtee Plaza“ vertreten.

Elektroautos in China: „Das ist die Zukunft“

„Den Wagen können Sie gleich hier im Geschäft bestellen“, sagt die Verkäuferin. „Oder online, wie Sie möchten.“ Herr Zhao nickt höflich, sagt dann aber doch, dass ihm der Dream etwas zu teuer sei. Also begleitet man Herrn Zhao und Frau Meng ein paar Meter weiter, vorbei an den Ausstellungsräumen von Lynk & Co und Branchenprimus BYD, zum Showroom von Zeekr. Die Marke gibt es erst seit vier Jahren, sie hat aber schon ein halbes Dutzend Modelle auf dem Markt und konnte im vergangenen Jahr gut 222.000 Fahrzeuge ausliefern. Schnell hat es der 007 GT Herrn Zhao angetan, ein vollelektrischer Kombi, ab 199.900 Yuan, umgerechnet etwa 25.000 Euro. Das sei eher seine Preisklasse, sagt er.

Für den Mittdreißiger wäre es der zweite eigene Wagen. Die Marke sei ihm eigentlich egal, meint er. Hauptsache, der Wagen fahre mit Strom. „Das ist die Zukunft.“ Zumindest für China stimmt das: Schon im vergangenen Jahr waren 41 Prozent der neu zugelassenen Autos in der Volksrepublik entweder reine Elektroautos oder Plug-in-Hybride, im März dieses Jahres stieg ihr Anteil auf 51 Prozent. 2030 könnten es bereits 80 Prozent sein, schätzt die Internationale Energieagentur.

Für VW, BMW und Co. geht es in China bergab

Laden könne er den Wagen an seinem Arbeitsplatz, sagt Herr Zhao. Sein Arbeitgeber, ein Gastronomiedienstleister, habe erst vor Kurzem weitere Ladesäulen auf den Firmenparkplatz stellen lassen. Und Strom sei sowieso viel billiger als Benzin. Hinzu kommt: In vielen chinesischen Großstädten ist es deutlich einfacher, E-Autos zuzulassen als Verbrenner.

Der Showroom von Zeekr in einem chinesischen Einkaufszentrum in Shenzhen.

Vom chinesischen E-Auto-Boom profitieren bislang vor allem die einheimischen Hersteller. Für deutsche Autobauer geht es auf dem wichtigsten Automarkt der Welt hingegen bergab: 2024 verkaufte VW neun Prozent weniger Fahrzeuge als im Jahr zuvor, bei Mercedes (minus neun Prozent) und BMW (minus 13 Prozent) war der Einbruch noch dramatischer.

2024 hatten in China 86 Automarken insgesamt 327 reine Elektromodelle im Angebot. Auf Chinas größter Automesse, der Auto Shanghai, präsentierte sich Ende April eine kaum mehr zu überblickende Anzahl an Herstellern, darunter Marken, die auch vielen Chinesen nichts sagen. Schicke Showrooms sollen helfen, die Hersteller bekannter zu machen.

Im Verkaufsraum von VW stehen keine Autos mehr

Nicht nur in chinesischen Einkaufszentren haben sich deshalb viele der neuen E-Auto-Marken angesiedelt, auch in Fußgängerzonen werben Showrooms um Käufer. Besonders clever geht dabei der Telekommunikationskonzern Huawei vor: Er präsentiert die E-Autos seiner Marken Stelato und Aito inmitten von neuen Smartphones und anderen Technik-Gadgets. Wer sich also nur mal das neueste Smartphone-Modell von Huawei anschauen will, so das Kalkül des Unternehmens, nimmt vielleicht auch kurz im neuen Stelato S9 Platz und findet Gefallen an der batteriebetriebenen Luxuslimousine.

Zurück im „Wongtee Plaza“ in Shenzhen. Für ein neues Auto haben sich Herr Zhao und Frau Meng an diesem Mittwochvormittag noch nicht entschieden. Ob sie sich vorstellen können, auch ein deutsches Auto zu kaufen? Natürlich, sagt Herr Zhao, sein alter Verbrenner sei ein VW gewesen. „Ein gutes Auto.“ Dann zeigt er hinüber zu einem Showroom, über dem noch das Volkswagen-Logo hängt. In dem Ausstellungsraum haben sich allerdings längst Krimskrams-Stände breitgemacht, die Handtaschen und Hautcremes verkaufen. Deutsche Ingenieurskunst gibt es hier nicht mehr zu bestaunen.

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