Olympia-Coup für Rodel-Legende

„Mein Sohn ist mein größter Kritiker“: Wird Rodel-Ikone Loch zu Gold gepusht?

  • Hanna Raif
    VonHanna Raif
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Er ist einer der deutschen Wintersport-Helden schlechthin: Felix Loch. Im Interview spricht er über ehrliche Kinderworte und sein olympisches Motto: Spaß haben!

Auch wenn man es kaum glauben kann: Es ist tatsächlich zwölf Jahre her, dass Felix Loch das letzte Mal olympisches Gold um den Hals hängen hatte. In Cortina d‘Ampezzo könnte die Zeit wieder reif sein – und unrealistisch ist der Coup nicht. Denn Loch ist zwar 36 Jahre alt, aber nach einer Saison, die an seine besten Jahre erinnert, Top-Favorit. Ein Gespräch mit Home of Sports über Rodeln im Alter – und vor dem Augen der gesamten Familie. Alle Wettkampf-Infos zu Olympia gibt es hier.

Herr Loch, die letzten beiden Weltcups wurden in Oberhof ausgetragen. Kann man sich auf einer Lieblingsbahn am besten auf Olympia einstimmen?
Finde ich schon. Wenn man noch mal ein paar gute Läufe trifft und kein „Ausschuss“ dabei ist, macht das die Brust natürlich immer breiter. Ich fühle mich momentan sehr wohl auf dem Schlitten. Deshalb lief es in der Saison auch so gut.
Wohler als in den letzten Jahren?
Ja. Es ging mit der ersten Fahrt in Lillehammer los. Da habe ich gemerkt, dass alles passt, dass ich mit dem neuen Schlitten sehr gut zurechtkomme. In das Material haben wir in den letzten Jahren aber auch wirklich viel Zeit investiert. Das hat sich gelohnt. Es ging von Woche zu Woche bergauf, ich habe mich immer sicherer gefühlt. Schauen wir mal, wie es in Cortina funktioniert. Ich reise mit sehr gutem Gefühl an.
Was ist gleich, was ist anders als zu den bisher besten Zeiten?
Ich bin älter geworden (lacht). Und wir haben im Sommer sehr viel untergeordnet, um zielführend zu arbeiten. Ich bin froh, dass bisher alles aufgeht. Das Athletische passt, ich habe keine Wehwehchen. Am Start bin ich vorne mit dabei, das ist im Männerfeld extrem wichtig, um vorne mitzufahren. Und das Gefühl am Schlitten ist so wie vor vielen, vielen Jahren: Einfach drauflegen und Spaß haben. Ich weiß genau, was ich wann, wie, wo machen muss, wie der Schlitten reagiert, was das Material macht. Das Gesamtpaket macht es gerade aus.
Felix Loch beim Weltcup in Oberhof.
War das Gefühl zwischendurch mal weg?
Ganz weg war es nie. Aber wenn man sich stetig verbessern will, macht man auch mal einen falschen Schritt. Dann tappt man von Schlagloch zu Schlagloch, nimmt gefühlt alles mit. Und dann gibt es Zeiten wie jetzt, wo du überall drumherum fährst und alles zusammenpasst. Die Täler gehören aber dazu. Es kann nicht immer alles perfekt sein. Ich hoffe, dass wir es zur richtigen Zeit hinbekommen haben.

Dominanz, Familienglück und ganz viel Edelmetall: Das Leben von Olympia-Ikone Felix Loch

Felix Loch wurde 1989 in Sonneberg geboren. Schon als Kind liebte er den Schnee. Ob er schon zu diesem Zeitpunkt geahnt hat, wie erfolgreich er einmal werden wird?
Felix Loch wurde 1989 in Sonneberg geboren. Schon als Kind liebte er den Schnee. Ob er schon zu diesem Zeitpunkt geahnt hat, wie erfolgreich er einmal werden wird? © Instagram / loch_felix
Als amtierender Juniorenweltmeister stieg er in der Saison 2006/2007 in den Kreis des Weltcup-Teams auf. Bei seinem Debüt in Park City wurde er Zehnter.
Als amtierender Juniorenweltmeister stieg er in der Saison 2006/2007 in den Kreis des Weltcup-Teams auf. Bei seinem Debüt in Park City wurde er Zehnter. © Instagram / loch_felix
Loch wurde schnell zu einem der besten Rennrodler der Welt. Bei der WM 2008 in Oberhof startete er mit großen Ambitionen.
Loch wurde schnell zu einem der besten Rennrodler der Welt. Bei der WM 2008 in Oberhof startete er mit großen Ambitionen. © IMAGO
Loch überragte in Oberhof und gewann mit 18 Jahren seinen ersten Weltmeistertitel.
Loch überragte in Oberhof und gewann mit 18 Jahren seinen ersten Weltmeistertitel. © imago sportfotodienst
Zusätzlich konnte er noch Gold mit dem Team erlangen. Der Beginn einer unglaublichen Erfolgsgeschichte.
Zusätzlich konnte er noch Gold mit dem Team erlangen. Der Beginn einer unglaublichen Erfolgsgeschichte.  © imago sportfotodienst
Nachdem er 2009 seinen Weltmeistertitel verteidigen konnte, wollte er auch bei Olympia den großen Wurf landen.
Nachdem er 2009 seinen Weltmeistertitel verteidigen konnte, wollte er auch bei Olympia den großen Wurf landen.  © imago sportfotodienst
Am 14. Februar 2010 war es dann soweit. Loch zeigte mal wieder seine ganze Klasse und fuhr allen anderen davon.
Am 14. Februar 2010 war es dann soweit. Loch zeigte mal wieder seine ganze Klasse und fuhr allen anderen davon. © imago sportfotodienst
Der Olympiasieg in Vancouver war die frühe Krönung für einen der erfolgreichsten Wintersportler aller Zeiten.
Der Olympiasieg in Vancouver war die frühe Krönung für einen der erfolgreichsten Wintersportler aller Zeiten. © imago sportfotodienst
Felix Loch dominierte in den kommenden Jahren den Weltcup nach Belieben und fuhr auch 2014 als großer Favorit nach Sotschi.
Felix Loch dominierte in den kommenden Jahren den Weltcup nach Belieben und fuhr auch 2014 als großer Favorit nach Sotschi.  © imago sportfotodienst
Und auch dort wurde er seiner Favoritenrolle gerecht. Er durfte sich über seinen zweiten Olympiasieg freuen.
Und auch dort wurde er seiner Favoritenrolle gerecht. Er durfte sich über seinen zweiten Olympiasieg freuen.  © imago sportfotodienst
Loch war in dieser Zeit einfach nicht zu stoppen und legte eine Fabelzeit nach der anderen hin.
Loch war in dieser Zeit einfach nicht zu stoppen und legte eine Fabelzeit nach der anderen hin.  © IMAGO/Kevin Jairaj
Doch nicht nur das: Dieses Mal durfte er auch den Olympiasieg mit dem Team bejubeln. Gemeinsam mit Einsitzer-Fahrerin Natalie Geisenberger und den Doppelsitzer-Fahrern Tobias Wendl und Tobias Arlt war Loch nicht zu schlagen.
Doch nicht nur das: Dieses Mal durfte er auch den Olympiasieg mit dem Team bejubeln. Gemeinsam mit Einsitzer-Fahrerin Natalie Geisenberger und den Doppelsitzer-Fahrern Tobias Wendl und Tobias Arlt war Loch nicht zu schlagen. © imago sportfotodienst
Es war die letzte olympische Medaille, die Loch bis heute bejubeln durfte. Doch mittlerweile ist der Deutsche wieder gut in Form und gilt als Favorit auf die Goldmedaille.
Es war die letzte olympische Medaille, die Loch bis heute bejubeln durfte. Doch mittlerweile ist der Deutsche wieder gut in Form und gilt als Favorit auf die Goldmedaille.  © IMAGO/Kyle Terada
Zu Teamkollegin Natalie Geisenberger hat Loch bis heute ein gutes Verhältnis. Auch bei ihrer Hochzeit gehörte er zu den Gästen.
Zu Teamkollegin Natalie Geisenberger hat Loch bis heute ein gutes Verhältnis. Auch bei ihrer Hochzeit gehörte er zu den Gästen.  © Instagram / loch_felix
In seiner bisherigen Karriere im Einsitzer und mit dem Team gewann er drei olympische Goldmedaillen, 13 Weltmeistertitel, sechs Europameistertitel sowie siebenmal den Gesamtweltcup. Beeindruckende Zahlen.
In seiner bisherigen Karriere im Einsitzer und mit dem Team gewann er drei olympische Goldmedaillen, 13 Weltmeistertitel, sechs Europameistertitel sowie siebenmal den Gesamtweltcup. Beeindruckende Zahlen. © imago sportfotodienst
Auch sein Vater Norbert Loch (r.) ist ein wichtiger Teil im Leben von Felix Loch. Der ehemalige Rodelnationaltrainer unterstützt seinen Sohn, wo er kann.
Auch sein Vater Norbert Loch (r.) ist ein wichtiger Teil im Leben von Felix Loch. Der ehemalige Rodelnationaltrainer unterstützt seinen Sohn, wo er kann.  © imago sportfotodienst
Auch im Fernsehen ist Felix Loch immer ein gern gesehener Gast. Beim „Aktuellen Sportstudio“ stand er schon des öfteren Rede und Antwort.
Auch im Fernsehen ist Felix Loch immer ein gern gesehener Gast. Beim „Aktuellen Sportstudio“ stand er schon des Öfteren Rede und Antwort.  © imago sportfotodienst
Neben seiner Leidenschaft fürs Rodeln ist Loch auch fußballverrückt. Das Rodel-Ass, das mittlerweile in Schönau lebt, ist großer Fan des FC Bayern München.
Neben seiner Leidenschaft fürs Rodeln ist Loch auch fußballverrückt. Das Rodel-Ass, das mittlerweile in Schönau lebt, ist großer Fan des FC Bayern München. © Instagram / loch_felix
Von Bayern-Ikone Karl-Heinz Rummenigge erhielt Loch sogar ein Trikot seines Herzensvereins.
Von Bayern-Ikone Karl-Heinz Rummenigge erhielt Loch sogar ein Trikot seines Herzensvereins.  © imago sportfotodienst
Privat hat er sein Herz an seine Lisa verloren. Seit 2010 kennen und lieben sich beide.
Privat hat er sein Herz an seine Lisa verloren. Seit 2010 kennen und lieben sich beide.  © Instagram / loch_felix
2016 folgte die Hochzeit. Auf Social Media zeigen die Turteltäubchen immer wieder, wie glücklich sie sind.
2016 folgte die Hochzeit. Auf Social Media zeigen die Turteltäubchen immer wieder, wie glücklich sie sind.  © Instagram / loch_felix
Auch das große Kinderglück durften beide schon bejubeln. 2017 und 2018 wurden ihre beiden Söhne geboren.
Auch das große Kinderglück durften beide schon bejubeln. 2017 und 2018 wurden ihre beiden Söhne geboren.  © Instagram / felix_loch
Loch zeigt auf Social Media immer wieder, wie stolz er auf seine Kinder ist. Wachsen die nächsten Weltklasse-Rodler heran?
Loch zeigt auf Social Media immer wieder, wie stolz er auf seine Kinder ist. Wachsen die nächsten Weltklasse-Rodler heran? © Instagrem / felix_loch
Auch sonst liegen dem mehrfachen Olympiasieger Kinder am Herzen. Loch engagiert sich ehrenamtlich für die Kinderhilfsorganisation Plan International und unterstützt eine Vielzahl von anderen Projekten.
Auch sonst liegen dem mehrfachen Olympiasieger Kinder am Herzen. Loch engagiert sich ehrenamtlich für die Kinderhilfsorganisation Plan International und unterstützt eine Vielzahl anderer Projekte. © IMAGO
Loch macht sich auch für die Olympia-Bewerbung von München stark. Er gehört zu den Sportlern, die das sportliche Großereignis in die bayerische Landeshauptstadt holen wollen.
Loch macht sich auch für die Olympia-Bewerbung von München stark. Er gehört zu den Sportlern, die das sportliche Großereignis in die bayerische Landeshauptstadt holen wollen. © IMAGO/Ulrich Wagner
Im Gespräch vor einem Jahr haben Sie schon geahnt, dass es „in die richtige Richtung“ geht.
Das stimmt. Mit dem zweiten Platz bei der WM habe ich schon gemerkt, zu was ich noch zu Leisten imstande bin. Sogar Platz eins wäre drin gewesen. Jetzt ging es nochmal einen Schritt nach vorne. Das tut extrem gut, ich gebe es offen zu. Du brauchst solche Erfolge, um selbstbewusst an den Start zu gehen.
Haben die Rollen sich vertauscht: Max Langenhan war Favorit – mit Blick auf die Weltcup-Saison sind Sie es nun?
Nein. Wir haben im Moment fünf Schlitten in der Weltspitze, die alle in Cortina gewinnen können. Deswegen muss man immer alles rausholen auf der Bahn, beim Material, am Start. Sonst hast Du keine Chance. In unserem Feld musst du das letzte Hemd geben. Es kann auch ganz schnell mal in die andere Richtung gehen. Die Favoritenrolle würde ich niemandem alleine zuschieben. Und dass die Italiener nochmal dort trainiert haben, macht die Aufgabe für uns nicht leichter.

Rodel-Ikone Felix Loch über Olympia-Ziel: „Medaille ist natürlich drin“

Sind Sie aber inzwischen nicht in der Situation, in der Sie sagen: Alles andere als eine Medaille wäre eine kleine Enttäuschung?
Nein, das nicht. Ich versuche einfach, vier nahezu perfekte Läufe hinzubekommen. Wenn das passt, lassen wir uns überraschen, was am Ende für eine Zahl da steht. Wenn ich alles abrufen kann, ist die Medaille natürlich drin. Was es dann am Ende für eine ist, hängt von der Tagesform und äußeren Bedingungen ab.
Ist es ein Learning aus zwei Jahrzehnten im Weltcup, sich selber keinen Druck zu machen?
Das habe ich gut im Griff, denn ich kenne es aus vielen, vielen Jahren. Ich sehe Olympische Spiele inzwischen ganz entspannt.
Wie sieht Sie eigentlich die Konkurrenz? Als lebende Legende?
(lacht) So ungefähr. Aber wir haben ja schon auch andere Ältere dabei. Wolfgang Kindl ist ein Jahr älter als ich, ein Slowake im Feld ist sogar acht Jahre älter. Da habe ich noch ein bisschen hin.
Über das deutsche Generationen-Duell reden alle. Max Langenhan ist 26 Jahre jung, sie 36 Jahre „alt“. Wie liegt ihm die Bahn, wie liegt Sie Ihnen?
Wir kommen beide gut zurecht. Der anspruchsvolle Teil ist oben, in der Kurve zwei, drei, vier. Ab dann muss man sauber fahren, aber alles ist machbar. Wir haben uns darauf schnell gut eingestellt, arbeiten nur noch an Kleinigkeiten. Das gilt aber für unser ganzes Team. Es scheint, als liege die Bahn den Deutschen. Was ja schon mal nicht schlecht ist (lächelt).
Und der Espresso wartet im Ziel…
(lacht) So war es zumindest im Training. Unten stand ein kleines Mobil, da gab es alles Mögliche. Und der Espresso war hervorragend. Generell aber gilt: beim Essen und Trinken in Italien kann man nicht viel falsch machen.
Es sind Ihre 5. Spiele – und trotzdem spezielle. Denn sie sind so nah daheim wie nie zuvor.
Es freut mich, dass die Spiele da sind, wo ich den Wintersport sehe. In China mit Corona, davor in Südkorea, da ist es jetzt doch etwas anderes, dass alle kommen können, die gerne live dabei sein wollen. Ich will das richtig aufsaugen.

Lochs Ehefrau kümmert sich im Olympia-Tickets für Familie und Freunde

Wie viele Tickets haben Sie schon besorgt?
Ich habe zum Glück eine gute Organisatorin: Meine Frau kümmert sich. Aber meine Familie wird natürlich komplett da sein.
Auch Ihre Kinder – bei den ersten Spielen, die sie richtig begreifen?
Genau. Sie waren in Oberhof bei der WM dabei. Aber wenn sie das jetzt wirklich live erleben können, ist das ein riesiges Erlebnis für beide. Und auch für mich ist es toll, wenn die Jungs dabei sind. Sie haben da lange was davon, da bin ich mir sicher.
Schauen die beiden schon fachmännisch auf Ihre Läufe?
Und wie! Mein Großer ist der größte Kritiker. Der schaut sich Zeitlisten an, ruft an, fragt, was los ist. Das freut mich, aber ich frage mich: Von wem hat er das nur?! (lacht)
Zusammen ist‘s am schönsten: Familie Loch.
Ihr Vater wird in anderer Rolle dabei sein. Macht das für Sie einen Unterschied?
Nein. Jeder weiß, was seine Rolle ist, wo er mir helfen kann, wo ich ihn brauche oder nicht. Das ist über die Jahre gewachsen. Er sieht, wann ich mich wohlfühle, wann ich Input brauche. Da geht es um minikleine Hinweise, die manchmal Großes bewirken.
Fassen wir also zusammen: Wenn Sie mit Ihren Söhnen und Ihrem Vater die olympische Goldfahrt analysieren dürften…
… dann wäre alles perfekt (lacht).

Interview: Hanna Raif

Rubriklistenbild: © IMAGO/christian heilwagen

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