Eine Medaillen-Chance bleibt noch

Olympia-Pechvogel Franzi Preuß bricht nach Biathlon-Drama ihr Schweigen

  • Philipp Kuserau
    VonPhilipp Kuserau
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Nach der großen Staffel-Enttäuschung wendet sich Franzi Preuß mit ehrlichen Worten an die Öffentlichkeit – und einer klaren Ansage zu ihrem letzten Olympia-Auftritt.

Es waren Sekunden, die sich für Franzi Preuß wie eine halbe Ewigkeit angefühlt haben müssen. Als die Biathletin vor wenigen Tagen mit der Staffel auf Medaillenkurs lag, ereilte sie jedoch ein bitteres Déjà-vu. In Führung liegend versagten Preuß am Schießstand erneut die Nerven. Die 31-Jährige musste eine Strafrunde drehen und ließ dadurch den olympischen Medaillen-Traum der deutschen Frauenstaffel zerplatzen.

Es sind bislang nicht die Olympischen Spiele von Franzi Preuß – eine letzte Medaillen-Chance bleibt ihr noch.

Ähnlich erging es ihr bereits beim Stehendschießen im olympischen Einzel und in der Verfolgung, als ihr ebenfalls die Nerven flatterten und sie mit Fehlschüssen mögliche Medaillen aus der Hand gab. Es sind bislang einfach nicht die Olympischen Winterspiele der Franziska Preuß. Nach dem Olympia-Drama mit der Staffel verließ sie mit Tränen in den Augen das Stadion.

Olympia-Pechvogel Franzi Preuß bricht nach Biathlon-Drama ihr Schweigen und spricht von „Blackout“

Einen Tag lang schwieg der deutsche Biathlon-Star, der sich vergangene Saison noch den Gesamtweltcup-Sieg holen konnte. Zu groß war der Frust über ihren erneuten Patzer beim Schießen, der das deutsche Quartett von einem möglichen Podestplatz fernhielt. Doch nun meldete sie sich zurück und beschreibt offen, wie sehr sie der erneute Rückschlag getroffen hat.

„Gestern war natürlich kein schöner Tag. Gerade bei einer Staffel ist das immer besonders hart“, sagte sie in einem Statement des Deutschen Skiverbands. „Mir tut es wahnsinnig leid für die anderen drei Mädels und auch für das ganze Team.“ Die Staffel wurde am Ende Vierte – eine Platzierung, die sich wie eine Niederlage anfühlte.

8x Gold, 10x Silber, 8x Bronze: Alle deutschen Olympia-Medaillen in Bildern

Ein perfektes Karriereende für Johannes Lochner (v.l.). Der Lenker holt mit seinen Teamkollegen Thorsten Margis, Jorn Wenzel und Georg Fleischhauer Gold im Viererbob.
Ein perfektes Karriereende für Johannes Lochner (v.l.). Der Lenker holt mit seinen Teamkollegen Thorsten Margis, Jorn Wenzel und Georg Fleischhauer Gold im Viererbob. © IMAGO / IPA Sport
Lenker Francesco Friedrich (v.l.) freut sich mit seinen Teamkollegen Matthias Sommer, Alexander Schuller und Felix Straub über die Silbermedaille im Viererbob.
Lenker Francesco Friedrich (v.l.) freut sich mit seinen Teamkollegen Matthias Sommer, Alexander Schuller und Felix Straub über die Silbermedaille im Viererbob. © IMAGO / Sports Press Photo
Laura Nolte und Deborah Levi bejubeln ihre Triumphfahrt.
Laura Nolte und Deborah Levi bejubeln ihre Triumphfahrt. © IMAGO/Michael Madrid
Der Zweierbob ist fest in deutscher Hand! Johannes „Hansi“ Lochner und Georg Fleischhauer holten sich erstmals die Gold-Medaille bei Olympia ab.
Der Zweierbob ist fest in deutscher Hand! Johannes „Hansi“ Lochner und Georg Fleischhauer holten sich erstmals die Gold-Medaille bei Olympia ab. © IMAGO/Felice Calabro' / ipa-agency.net
Auch die Silber-Medaille im Zweierbob der Herren geht nach Deutschland. Altmeister Francesco Friedrich sammelte zusammen mit Alexander Schüller das nächste Edelmetall ein.
Auch die Silber-Medaille im Zweierbob der Herren geht nach Deutschland. Altmeister Francesco Friedrich sammelte zusammen mit Alexander Schüller das nächste Edelmetall ein. © IMAGO/HMB Media/Marc Niemeyer
Adam Ammour und und Alexander Schaller holten sich im Zweierbob die Bronze-Medaille ab. Für den erst 24 Jahre alten Piloten ein großer Erfolg.
Adam Ammour und und Alexander Schaller holten sich im Zweierbob die Bronze-Medaille ab. Für den erst 24 Jahre alten Piloten ein großer Erfolg. © IMAGO/HMB Media/Marc Niemeyer
Minerva Fabienne Hase und Nikota Volodin freuen sich über Olympia-Bronze. Nach Platz eins im Kurzprogramm kosteten ein paar kleine Patzer in der Kür den Sieg.
Minerva Fabienne Hase und Nikota Volodin freuen sich über Olympia-Bronze. Nach Platz eins im Kurzprogramm kosteten ein paar kleine Patzer in der Kür den Sieg. © IMAGO / VGC
Laura Nolte holte im Mono-Bob Silber für Deutschland. Sie verpasste Gold als Führende nach den ersten drei Läufen nur um 0,04 Sekunden.
Laura Nolte holte im Mono-Bob Silber für Deutschland. Sie verpasste Gold als Führende nach den ersten drei Läufen nur um 0,04 Sekunden. © IMAGO/Eibner-Pressefoto/Memmler
Olympische Winterspiele 2026
Auf die deutschen Skeletonis bleibt verlass. Auch in dem neuen Mixed-Team-Format sammeln die beiden deutschen Teams Medallien und fahren zu Silber und Bronze. © picture alliance/dpa | Robert Michael
(MICO2026)ITALY-CORTINA D'AMPEZZO-OLYMPIC WINTER GAMES-SKELETON-WOMEN
Mit Susanne Kreher (links) und Jacqueline Pfeifer (rechts) holt Deutschland im Skeleton der Damen Silber und Bronze. © IMAGO/Li Gang
GIOCHI OLIMPICI - Olimpiadi Invernali Milano-Cortina 2026 - Skeleton Women
Der Eiskanal liefert weiter fleißig Edelmetall für Team Deutschland. Am Valentinstag zahlen die Skeleton-Damen gleich doppelt auf das deutsche Medaillenkonto ein. © IMAGO/IPA Sport/ABACA
Zwei Deutsche jubeln gemeinsam mit einem Briten über die Skeleton-Medaillen. Axel Jungk (li.) holte Silber und Christopher Grotheer (r.) Bronze. Geschlagen mussten sie sich nur dem überragenden Matt Weston geben.
Zwei Deutsche jubeln gemeinsam mit einem Briten über die Skeleton-Medaillen. Axel Jungk (li.) holte Silber und Christopher Grotheer (r.) Bronze. Geschlagen mussten sie sich nur dem überragenden Matt Weston geben.  © IMAGO/Imagn Images
Grenzenloser Gold-Jubel bei der deutschen Teamstaffel im Rennrodeln. Max Langenhan, Julia Taubitz und in den Doppelsitzern Dajana Eitberger/Magdalena Matschina sowie Tobias Wendl/Tobias Arlt sicherten sich den ersten Platz vor Österreich und Italien.
Grenzenloser Gold-Jubel bei der deutschen Teamstaffel im Rennrodeln. Max Langenhan, Julia Taubitz und in den Doppelsitzern Dajana Eitberger/Magdalena Matschina sowie Tobias Wendl/Tobias Arlt sicherten sich den ersten Platz vor Österreich und Italien. © IMAGO/Revierfoto
Tobias Wendl und Tobias Arlt haben im Zweisitzer der Rodler Bronze geholt. Sie mussten sich den Italienern Rieder/Kainzwaldner sowie dem österreichischen Duo Steu/Kindl geschlagen geben.
Tobias Wendl und Tobias Arlt haben im Zweisitzer der Rodler Bronze geholt. Sie mussten sich den Italienern Rieder/Kainzwaldner sowie dem österreichischen Duo Steu/Kindl geschlagen geben. © IMAGO/Michael Madrid
Silber für die deutschen Rodlerinnen! Dajana Eitberger und Magdalena Matschina haben bei ihrer olympischen Premiere im Doppelsitzer die Silbermedaille gewonnen. Das Duo musste sich nur den Italienerinnen Andrea Vötter und Marion Oberhofer geschlagen geben. Es ist die Rodel-Medaille für Team D nach den Olympiasiegen von Max Langenhan und Julia Taubitz.
Silber für die deutschen Rodlerinnen! Dajana Eitberger und Magdalena Matschina haben bei ihrer olympischen Premiere im Doppelsitzer die Silbermedaille gewonnen. Das Duo musste sich nur den Italienerinnen Andrea Vötter und Marion Oberhofer geschlagen geben. Es ist die Rodel-Medaille für Team D nach den Olympiasiegen von Max Langenhan und Julia Taubitz. © IMAGO/IPA Sport/ABACA
Da ist die Goldmedaille! Die deutsche Rodlerin Julia Taubitz sicherte sich im Einsitzer am Ende sogar sehr souverän den ersten Platz und erfüllte sich damit endlich ihren Goldmedaillen-Traum bei Olympia.
Da ist die Goldmedaille! Die deutsche Rodlerin Julia Taubitz sicherte sich im Einsitzer am Ende sogar sehr souverän den ersten Platz und erfüllte sich damit endlich ihren Goldmedaillen-Traum bei Olympia. © SaschaxFromm
So sieht deutscher Sliber-Jubel bei Olympia aus! Emma Aicher und Kira Weidle-Winkelmann sichern sich nach einer starken Leistung beim Slalom den zweiten Podestplatz.
So sieht deutscher Sliber-Jubel bei Olympia aus! Emma Aicher und Kira Weidle-Winkelmann sichern sich nach einer starken Leistung beim Abfahrt/Slalom-Mix den zweiten Podestplatz.  © IMAGO/Luciano Maria Bisi/IPA Sport / ipa-agency.net
Wahnsinn! Unglaublich! Skispringer Philipp Raimund schreibt auf der Normalschanze in Predazzo ein Olympia-Märchen und sichert sich sensationell die Goldmedaille.
Wahnsinn! Unglaublich! Skispringer Philipp Raimund schreibt auf der Normalschanze in Predazzo ein Olympia-Märchen und sichert sich sensationell die Goldmedaille.  © IMAGO/Eibner-Pressefoto/Memmler
Max Langenhahn holt die erste Goldmedaille für das deutsche Olympia-Team. Nach vier Durchgängen siegte er souverän.
Max Langenhahn holt die erste Goldmedaille für das deutsche Olympia-Team. Nach vier Durchgängen siegte er souverän. © IMAGO
Mit über einer Sekunde Vorsprung holte der Rodler die erste Goldmedaille für die Rodler. Platz zwei ging an Jonas Müller aus Österreich. Dritter wurde Dominik Fischnaller aus Italien.
Mit über einer Sekunde Vorsprung holte der Rodler die erste Goldmedaille für die Rodler. Platz zwei ging an Jonas Müller aus Österreich. Dritter wurde Dominik Fischnaller aus Italien. © IMAGO/Eibner-Pressefoto/Memmler
260208 Vanessa Voigt, Franziska Preuss, Philipp Nawrath and Justus Strelow of Germany celebrate after competing
Auch die deutschen Biathleten starten erfolgreich in die Olympia-Wettkämpfe. Die Mixed-Staffel um Franziska Preuss, Vanessa Voigt, Philipp Nawrath und Justus Strelow (von links nach rechts) landet auf dem dritten Platz. © IMAGO/MATHIAS BERGELD
260208 Lisa Vittozzi, Dorothea Wierer, Tommaso Giacomel and Lukas Hofer of Italy, Julia Simon, Lou Jeanmonnot
Geschlagengeben musste sich das deutsche Quartett lediglich Gastgeber Italien auf Rang zwei und den Olympiasiegern aus Frankreich. © IMAGO/MATHIAS BERGELD
Olympics: Alpine Skiing-Womens Downhill
Emma Aicher holt die erste deutsche Olympia-Medaille in Italien.  © IMAGO/Michael Madrid
Olympics: Alpine Skiing-Womens Downhill
In der Abfahrt musste sich die Skirennläuferin nur der US-Amerikanerin Breezy Johnson geschlagen geben. © IMAGO/Eric Bolte
Ski Alpin
Medaille Nummer eins ist also im Ziel. Für Emma Aicher richtet sich nun der Fokus auf den kommenden Super-G. © Imago/Oryk HAIST

„Man probiert jedes Mal wieder etwas Neues, baut sich wieder auf, und trotzdem ist es dann oft wie ein Blackout, sobald ich auf der Matte stehe“, erklärte sie weiter. „Das ist natürlich nicht schön und tut weh.“ Dass sie am Donnerstag nicht am offiziellen Training teilnahm, überraschte im Team niemanden. Sie habe Ruhe gebraucht, um die Enttäuschung zu verarbeiten: „Entsprechend war die Stimmung natürlich nicht besonders gut und man braucht auch einfach ein bisschen Zeit, um das zu verdauen.“

Dabei hätte die Olympia-Reise nach Antholz ihr Abschiedsfinale werden sollen. Preuß wollte endlich ihre erste Olympia-Einzelmedaille gewinnen, doch ausgerechnet beim olympischen Saison-Highlight kann sie nicht an ihre Weltklasse-Form der Vorsaison anknüpfen. Lediglich zum Auftakt mit der Mixed-Staffel gab es Bronze – seit 1992 hatte es bei Olympischen Winterspielen immer mindestens zwei deutsche Biathlon-Medaillen gegeben. Diesmal steht das Team kurz davor, diese Serie zu reißen zu lassen.

Umso wichtiger ist für Preuß das letzte Rennen ihrer Karriere: der Massenstart am Samstag. „Ich versuche alles, damit ich am Samstag wieder mit einem Lächeln am Start stehe und einfach die Freude am Biathlon wieder spüre“, kündigte sie an. Es ist ihr zu wünschen, endlich den emotionalen Rucksack ablegen und ein letztes Mal frei aufzutreten zu können. (kus)

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