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In Hessen brausen immer mehr Unfallverursacher einfach davon
Frankfurt – Nichts wie weg, denken viele. Also Fahrerflucht. Die Zahl hat auch in Hessen zugenommen. Fast 44.000-mal sind Unfallverursacher laut Polizeistatistik 2017 davongebraust, also rund 120 Mal jeden Tag. In den Jahren 2013 und 2014 lag die Zahl noch bei unter 40 .000.
Bei fast jedem dritten Verkehrsunfall sucht der Verursacher das Weite. „Die Unfallfluchten steigen leider permanent an“, sagt Jörg Lang, der sich als Leiter der Zentralen Ermittlung Unfallflucht bei der Polizei in Frankfurt mit dem Thema in einer Großstadt befasst. „Es passiert alle 15 Minuten.“
Fahrerflucht gibt es vor allem in den Städten, in denen die meisten Unfälle passieren. „Der Parkrempler ist der Klassiker“, sagt Lang. Die meisten führen einfach davon, weil sie den Schaden für klein halten. „Da denkt man, das ist eine Bagatelle“, sagte der 51-Jährige. „Oder sie haben Angst, in der Versicherung hochgestuft zu werden. Oder Termindruck. Oder etwas konsumiert, was sie nicht hätten konsumieren dürfen.“
Auch wer meint, es sei nur eine Kleinigkeit gewesen – die Strafe kann erheblich sein. Wer sich unerlaubt vom Unfallort entfernt, muss mit einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder einer Geldstrafe rechnen. Zudem kann der Führerschein vorläufig weg sein.
Auch Irrglauben und Unwissenheit dürften eine Rolle spielen. Denn: „Ein angebrachter Notizzettel reicht nicht aus“, sagt Lang. Auch die Vorsitzende des Landesverbands Hessen im Deutschen Anwaltverein, Edda Steinmetz, warnt davor. „Am besten Polizei anrufen oder auf den Geschädigten warten“, sagt die 47-Jährige. „Das Schlimmste ist, einfach wegzufahren.“
Schwere Fälle landen beim Landeskriminalamt. Laut Verkehrsbericht bleibt es in den allermeisten Fällen aber beim Sachschaden. Nur in etwa vier Prozent der Unfallfluchten wurden Menschen verletzt oder getötet. Die Zahl der Schwerverletzten stieg zuletzt auf rund 230 an, die der Leichtverletzten ging auf knapp 1900 ebenso zurück wie die der Getöteten auf sechs. „Die Aufklärungsquote liegt gleichbleibend bei 41 Prozent“, bilanziert der Verkehrsbericht Hessen 2017 für alle Fälle. Bei schweren Unfällen mit Fahrerflucht ist die Aufklärungsquote deutlich höher.
Eine Unfallflucht kann schnell aufgeklärt sein. „Innerhalb einer Stunde“, sagt Lang. Die Beschuldigten reagieren laut Lang oft einsichtig, sprechen aber von einem „Bagatellschaden“, geben auch an, „nichts bemerkt“ zu haben. (dpa)