Ausgerechnet zum 75.

VW Bulli ganz neu: Außen Volkswagen, innen Ford

  • Rudolf Bögel
    VonRudolf Bögel
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Zum 75. Geburtstag präsentiert VW seinen frischen Bulli - unter der Karosserie verbirgt sich ein anderer Produzent. Der Volkswagen Transporter im ersten Fahrbericht.

Hardcore-Fans von Bulli, Samba & Co müssen an dieser Stelle stark sein. Denn der neue Transporter T7 ist eigentlich ein Ford. Genauso wie der Pick-up Amarok wurde er nämlich weitgehend von Ford entwickelt. Und gebaut wird er erstmals auch nicht mehr bei VW Nutzfahrzeuge in Hannover, sondern bei Ford Otosan in der Türkei. Die Zusammenarbeit ist Teil eines größeren Deals, den die Wolfsburger mit den Kölnern abgeschlossen haben. Ford hat bei VW im Gegenzug die elektrische MEB-Plattform zugekauft, auf der ID.3, ID.4 & Co hergestellt werden. Bei Ford heißen sie Explorer und Capri. Wer als eingefleischter Volkswagen-Fan nun Trost sucht, der findet ihn vielleicht beim neuen Marken-Botschafter Jason Statham, der mit seinen Transporter-Filmen weltberühmt wurde.

Zwischen Caravelle und Kastenwagen – alles ist möglich

Aber nun zur neuen Generation des Bulli. Den Freund aller Handwerker, Baufirmen und Shuttle-Services, gibt es in so vielen Varianten wie noch nie. Als Kastenwagen, als Pritschenwagen mit doppelter Kabine, als Caravelle und als Kombi. Mit zwei Radständen, zwei Fahrzeughöhen, ob Frontantrieb oder Allrad, Automatik oder Schalter – alles ist möglich. Und man kann zwischen allen Antriebsarten wählen. Diesel, Plug-in-Hybrid oder rein elektrisch.

Mit viel Schwung in die Kurven: Der neue VW-Transporter fährt sich wie ein PKW. Es gibt ihn als Diesel, als Plug-In-Hybrid oder mit rein elektrischem Antrieb.

Der neue Transporter ist eine eierlegende Wollmilchsau auf vier Rädern. Mehr denn je. Wir haben uns die Elektro-Caravelle für Probefahrten ausgesucht – quasi die edlere Variante des Kombis, wenn es um den Transport von Passagieren geht. Und den klassischen Kastenwagen – und zwar mit einem klassischen Diesel.

Kaum zu sehen: Diese 10 Automarken sind echte Exoten in Deutschland

Lucid Air auf Kies
Platz 10 – Lucid (USA): Schick sieht er ja schon aus der Air. Und mit rund 800 Kilometern Reichweite ist das Elektroauto auch absolut langstreckentauglich. In Deutschland ist das Luxusmobil aber noch ein absoluter Geheimtipp © Lucid Motors
Luicid Air
Grade einmal 392 Neuzulassungen gab es 2024 in Deutschland. Das dürfte auch an dem Preis liegen. Der Lucid Air kostet in der Basisversion Pure bereits stolze 85.000 Euro. Wer den Luxus-Strom voll ausgestattet haben will, muss für den Air Sapphire sogar 250.000 Euro auf den Tisch legen. © Lucid Motors
Lotus Emeya
Platz 9 – Lotus (China): Hier trifft Tradition auf Moderne. Oder britisches Understatement auf chinesische Technologie. Denn wie MG gehört auch diese britische Ikone längst zu einem chinesischen Konzern. © Lotus Cars
Lotus Eltere
Doch anders als MG tut sich Lotus auf dem deutschen Markt noch schwer. Lediglich 365 Autos wurden 2024 verkauft. Das dürfte auch dem Wandel zur Elektromobilität geschuldet sein. © Lotus
Rolls-Royce Cullinan
Platz 8 – Rolls-Royce (Großbritannien): Wenn es um Luxusautos geht, führ kein Weg an Rolls-Royce vorbei. Die Briten stehen für Handarbeit, opulente Materialien und absolute Exklusivität. Ein echtes Statussymbol eben. © Rolls-Royce
Rolls-Royce Cullinan
Das hat natürlich seinen Preis und den können nur wenige zahlen. Wer Rolls-Royce fährt, gehört zu einem sehr exklusiven Kreis. Das zeigt sich auch bei den Neuzulassungen: Grade einmal 360 Fahrzeuge gingen 2024 an die gutbetuchte Kundschaft. © Rolls-Royce
Leapmotor T03
Platz 7 -Leapmotor (China): Ein weiterer Geheimtipp, der sich aber vermutlich nicht mehr lange auf dieser Liste finden dürfte. Denn Leapmotor gehört zum Stellantis-Konzern und greift mit dem günstigen T03 in Europa an. © Leapmotor
Leapmotor C10
Bisher sind die Zulassungszahlen aber noch sehr übersichtlich. 2024 wurde grade einmal 178 Autos bestellt. © Leapmotor
Cadillac Lyriq
Platz 5 – Cadillac (USA): Normal sind es die USA eher gewohnt, die Welt anzuführen. Oder wie Donald Trump sagen würde: America first! Im Falle von Cadillac klappt das jedoch nicht so wirklich gut. © Weigl/Cadillac
Cadillac Lyriq
2024 setzten die Amerikaner lediglich 175 Einheiten des Elektroautos Lyriq ab. Der E-SUV ist derzeit das einzige Modell das Cadillac hierzulande anbietet. © Simon Rainer/Cadillac
VinFast VF 6
Platz 5 – Vinfast (Vietnam): Geteiltes Leid ist bekanntlich halbes Leid. Das gilt auch für das Ranking der seltensten Automarken. Und so teilen sich Vinfast und Cadillac den fünften Rang. © Pond5 Images/Imago
Vinfast VF8
Denn auch Vinfast setzte im Jahr 2024 lediglich 175 Elektroautos in Deutschland ab. Das erste Auto wurde im Mai 2024 übergeben und das, obwohl man eigentlich schon 2022 auf den hiesigen Markt expandieren wollte. © Pond5 Images/Imago
Fisker Ocean
Platz 4 – Fisker (USA): Ein saubere Zukunft für alle. Das versprach Fisker. Möglich machen sollten das nachhaltige Materialien. Doch da Projekt scheiterte krachend. © Pond5 Images/Imago
Fisker Ocean
Statt sauberen Meeren gab es finanzielle Probleme. Die 134 Autos, die in Deutschland verkauft wurden, waren da nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Im Sommer 2024 meldete Fisker schließlich Insolvenz an. © Pond5 Images/Imago
Maxus EUNIQ 6
Platz 3 - Maxus (China): Die Strategie mit der Maxus nach Europa kam, unterscheidet sich von den zahlreichen anderen Marken aus Fernost. Neben Elektroautos hat Maxus auch Transporter im Angebot. © Maxus
Maxus e-Delivery
Trotzdem spielt die Marke in Deutschland keine wirkliche Rolle. Lediglich 70 Fahrzeuge wurden 2024 neuzugelassen. © Maxus
Lynk & Co. 02
Platz 2 – Lynk & Co. (China): Auch Lynk & Co. geht in Deutschland mit einem ungewöhnlichen Konzept an den Start. Die Autos gibt es lediglich im Abo, aber nicht zu kaufen. © Lynk & Co.
Lynk & Co. 01
Wirklich erfolgreich ist das Konzept in Deutschland aber nicht. Grade einmal 68 Abos wurde 2024 abgeschlossen. © Lynk & Co.
Zwei Autos von Aiways
Platz 1 – Aiways (China): Noch seltener erblickt man in Deutschland nur die Autos von Aiways. Und das obwohl der Hersteller bereits seit 2020 in Deutschland aktiv ist. © Aiways
Aiways U6 SUV-Coupé
Wirklich erfolgreich war man seitdem jedoch nicht. 2024 lief für den chinesischen Hersteller aber besonders schlecht. Nur 27 Autos wurden verkauft – das sind nicht einmal zwei pro Monat.  © Aiways

Zwischen die Radkästen passt eine Euro-Palette

Wer den Ford Transit nicht im Detail kennt, der wird die enge Verwandtschaft mit dem VW-Transporter zumindest im Blech nicht bemerken. Im Interieur sowieso nicht, das sieht 100-prozentig nach Wolfsburg aus. Im Vergleich zum Vorgänger, dem T6.1, hat sich die Karosserie um fast 15 Zentimeter auf nun 5,05 Meter Länge gestreckt. Damit passen schon beim kleinen Radstand Gegenstände bis zu einer Größe von 2,60 Meter hinein.

Alter Bulli, neuer Transporter: Vor 75 Jahren rollte das erste Kultmobil von VW auf die Straßen. Heute steckt unter dem Blechkleid ein waschechter Ford.

Beim langen Kerl, der 5,45 Meter misst, beträgt die Ladelänge stattliche drei Meter und damit 40 Zentimeter mehr als beim Vorgänger. Auch in der Breite hat der neue Bulli zugelegt um 12,8 Zentimeter auf jetzt 2,03 Meter. Bei einer Ladebreite von 1,48 Meter hat sogar eine Europalette Platz. Die Kapazität steigt insgesamt um fünf Prozent: Das heißt, beim kurzen Radstand passen 5,8 Kubikmeter hinein, beim langen Radstand sind es 9,9 Kubikmeter. Da hat sogar ein VW Passat Variant das Nachsehen.

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Von wegen Nutzfahrzeug: Apple Car Play und Bluetooth

Wie sieht er aus, der neue Transporter? Ein echter Volkswagen würden wir sagen – die Front mit ihren flachen, serienmäßigen LED-Lichtern und dem verchromten Logo in der Spange oberhalb des Kühlers ist typisch für VW. Und auch im Interieur fühlen wir uns nicht wie in einem Ford. Und schon gar nicht wie in einem Nutzfahrzeug. Dafür sorgen die digitalen Displays. 10,25 Zoll bietet der Tacho, 13 Zoll der Infotainment-Bildschirm. Slider gibt es nicht. Ford sei Dank. Der Gangwahlhebel sitzt am Lenkrad und hat nichts mit dem klobigen Vertreter aus dem VW-Regal zu tun. Überall im Cockpit gibt es reichlich Ablagen, sogar ein zweites Handschuhfach. USB-C-Ladebuchsen verteilen sich ebenfalls großzügig vorne im Cockpit und bei der Caravelle auch im Passagierbereich. Apple Car Play und Android Auto sind serienmäßig – einfach mit Bluetooth koppeln, schon spiegelt sich das Handy auf dem Bildschirm.

Und los geht’s im Diesel-Kastenwagen. Schön, wenn es noch nagelt unter der Motorhaube. Den 2,0 Liter großen Vierzylinder-Selbstzünder gibt es mit drei Leistungsstufen 110, 150 und 170 PS. Letzterer kommt immer mit einer Achtgang-Automatik und beschleunigt den 1,9-Tonner in eher gemütlichen 14 Sekunden von 0 auf 100. So kernig sich der Motor anhört, so fährt sich der an der Front angetriebene Transporter auch. VW oder Ford? Egal, Diesel ist Diesel, und er macht immer noch Spaß. In diesem Fall geht es schon ab 2.000 U/min ziemlich zügig los. Denn da hat das Drehmoment von 410 Newtonmetern (Nm) schon sein Leistungshoch. Die Lenkung ist ausreichend präzise, das Fahrwerk lässt an der ein oder anderen Stelle das Nutzfahrzeug durchblicken.

Sieht nicht aus wie ein Nutzfahrzeug, ist aber eines: Das Cockpit des neuen VW Bullis ist natürlich voll digital, überall gibt es Ablagen und USB-C-Ladestecker.

7,4 Sekunden von 0 auf 100 - so schnell ist die Caravelle

Etwas anders fühlt sich die elektrische Caravelle an. Federn und Dämpfer wurden offensichtlich etwas komfortabler ausgelegt. Hier kann man wählen zwischen 136, 218 und 286 PS Leistung. Angeschoben wird das Fahrzeug auf der Hinterachse oder mit Allrad. 7,4 Sekunden von 0 auf 100 – da wird aus der Caravelle, die ihren Namen von einem leichten Segelschiff ableitet, schnell ein fliegender Fisch. Damit die Leistung mit Ladung und Passagieren nicht allzu heftig umspringt, kann man übrigens einen Begrenzer ordern, dann erfolgt die Beschleunigung nicht ruckartig, sondern brav und gesittet.

Wendekreis nur wenig schlechter als beim VW Golf

Die Batterie des 2,5-Tonnen schweren Elektro-Bus hat eine Kapazität von 64 kWh – und soll je nach Leistung eine Reichweite bis zu 350 Kilometer bieten. Im Gegensatz zur hauseigenen Konkurrenz VW ID.Buzz (185 kW) kann der elektrische Transporter nur mit 125 kW laden. Das bedeutet laut VW 39 Minuten von zehn auf 80 Prozent. An der Wallbox oder an öffentlichen Stromsäulen sind es 11 kW. Das hohe Gewicht merkt man beim Fahren nicht. Aber so einen B-Bus bewegt man ja eher entschleunigt. Auch mit dem langen Radstand zeigt sich die Caravelle agil und beim Rangieren kommt ihr ein Wendekreis von 13 Metern zugute. Beim kurzen Transporter sind es nur 11,9 Meter – und damit nur ein Meter mehr als beim aktuellen VW Golf 8.

Zwischen die Radkästen passt sogar eine Europalette. Wer die Version mit dem langen Radstand wählt, kann knapp 10 Kubikmeter Ladung unterbringen.

Nun zu den Werten, die vor allem Handwerker und Lieferanten interessieren dürften. Bei der Zuladung liegt der Transporter durchgehend über der 1-Tonnen-Marke. Der Stromer nimmt 1.038 Kilo auf die Ladefläche, der Diesel 1.326 – und der Plug-in-Hybrid, der erst im ersten Quartal 2026 kommt (2,5 Liter Benziner mit 233 PS), schafft immerhin noch 1.140 Kilogramm. Bei der Anhängelast haben die Ingenieure noch mal 300 zusätzliche Kilo draufgesattelt. So zieht der Diesel Anhänger mit 2,8 Tonnen – beim Stromer sind es stattliche 2.300 Kilogramm. Und last but not least: Das Dach trägt Lasten bis zu 170 Kilo. Das sind 20 Kilo mehr als beim Vorgänger.

Unser Fazit zum neuen Bulli

Ist der VW nun ein Ford oder der Ford ein VW? Diese Frage stellt sich nicht, wenn man mit dem neuen Transporter unterwegs ist. Das Produkt ist gut, die Konzepte ausgereift. Und wenn es ums Geld geht – da ist es egal, wohin es überwiesen wird. Der Grundpreis für den TDI-Kastenwagen startet bei 36.780 Euro. Die Caravelle mit dem kleinen Diesel bei 43.945 Euro. Für die Elektrovarianten werden 46.213 Euro fällig, respektive 55.480 Euro für die E-Caravelle. (Rudolf Bögel)

Rubriklistenbild: © ingobarenschee.com / Volkswagen