Gefahr für die Gesundheit

Umfrage zu Kinderarmut: Eltern sparen meist am Essen

  • Jasmina Deshmeh
    VonJasmina Deshmeh
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Eine Forsa-Umfrage zeigt: Kinderarmut ist ein drängendes Problem in Deutschland. Viele Eltern fordern von der nächsten Regierung konkrete Maßnahmen.

Das Meinungsforschungsinstitut Forsa befragte im Auftrag der Organisation Save the Children im Dezember 2024 und Januar 2025 insgesamt 1.005 Eltern minderjähriger Kinder zum Thema Kinderarmut und sozialer Teilhabe. Die Ergebnisse zeigen: Viele von ihnen machen sich Sorgen, ob das Geld in Zukunft für den Lebensunterhalt reicht. 88 Prozent sehen Kinderarmut außerdem als drängendes Problem, das die neue Bundesregierung vorrangig angehen sollte.

88 Prozent der Eltern sehen Kinderarmut als drängendes Problem

Laut einer Umfrage sparen zehn Prozent der Eltern beim Lebensmittelkauf. (Symbolbild)

Die hohe Inflation hat immer noch Folgen und lässt viele Eltern besorgt in die Zukunft blicken. Laut der Umfrage fürchtet rund jeder siebte Elternteil, aus finanziellen Gründen künftig die Grundbedürfnisse seiner Familie nicht mehr decken zu können, darunter Essens- und Wohnkosten. Besonders betroffen sind Mütter und Väter, die mit ihren Kindern alleine leben – hier sind es 30 Prozent – und Familien mit einem Haushaltsnettoeinkommen von weniger als 3.000 Euro (36 Prozent).

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„Seit Jahren bleibt die Kinderarmut auf einem erschreckend hohen Niveau unverändert. Es muss etwas passieren, und zwar sofort, denn für ein Kind bedeutet jedes weitere Jahr in Armut weniger Zukunftschancen“, erklärt Eric Großhaus, Experte für Kinderarmut bei Save the Children. „Zwar geht es den meisten Familien in Deutschland relativ gut. Aber unsere Umfrage zeigt eine große Kluft zwischen Arm und Reich, die sich nicht von selbst auflösen wird. Grundlegende Dinge - Wohnen, Essen oder Kleidung - sind mit einem niedrigen Einkommen alles andere als selbstverständlich. Darunter leiden vor allem die Kinder, und sie laufen Gefahr, in eine Spirale der Armut zu geraten.“

Kindheit im Wandel der Zeit: Was der Nachwuchs heute kaum mehr kennt und frühere Generationen feiern

Weißbrot in Eiermilch
„Arme Ritter“ zum Frühstück – Viele Erwachsene erinnert die Süßspeise aus altem Weißbrot an ihre Kindheit, die schon zur Römerzeit bekannt gewesen sein soll. „Arme Ritter“ werden in Eiermilch getunkt, in der Pfanne angebraten und zum Schluss mit Zimt und Zucker bestreut. Was früher regelmäßig verspeist wurde, kennen so manche Kinder von heute in Anbetracht einer möglichst gesunden Ernährung, die propagiert wird, wohl eher weniger. © imageBROKER/Katharina Hild/Imago
Frau schmiert ein Butterbrot
Während Kinder früher das gute alte Butterbrot in die Schule mitbekamen, sind es heute eher die Brotdosen mit ganz besonders ausgefallener Essenszubereitung, gekrönt von originellen, kreativen Gemüse- und Obstdekorationen. Diese werden dann nicht selten von den eifrigen Müttern oder Vätern in sozialen Medien geteilt. © philipimage/Imago
Junge liegt auf Sofa und liest ein Buch
Früher war es nicht unüblich, dass Kinder auch mal eine gewisse Zeit alleine Zuhause waren, beispielsweise nach der Schule, sich selbst beschäftigten, bis die Eltern von der Arbeit kamen. Heutzutage versuchen viele Eltern, die (Fremd-)Betreuung ihrer Kinder nahezu lückenlos einzurichten. © imagebroker/Imago
Mädchen auf dem Schulweg
Für Kinder der früheren Generationen war es nahezu normal, alleine zur Schule und von dort wieder selbstständig nach Hause zu gehen – und das bei Wind und Wetter. Heutzutage achten viele Eltern verstärkt darauf, dass ihr Kind möglichst sicher zur Schule kommt, indem sie es beispielsweise selbst mit dem Auto hinbringen und wieder abholen. © Zoonar.com/Max/Imago
Telefonzelle
Während viele Kinder von heute dafür schon ein Smartphone nutzen, brauchte der Nachwuchs früher Kleingeld in der Tasche und eine Telefonzelle in der Nähe. Dann wurde Mama nach der Schule angerufen, um zu fragen, ob er noch zur Freundin mitdarf. Telefonzellen sind heute vielerorts aus dem Stadtbild verschwunden. © Westend61/Imago
Mädchen schreibt einen Brief
Der Computer ist heute gar nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken. Vieles wird digital festgehalten, notiert, geschrieben. Für frühere Generationen war es noch ganz normal und üblich, einen handschriftlichen Brief an die beste Freundin oder Oma zu verfassen, der dann höchst persönlich übergeben oder per Post verschickt wurde. Kinder von heute schreiben dann eher nur mehr die SMS oder eine WhatsApp-Nachricht auf dem Smartphone – Briefe schreiben war gestern. © IMAGO/Zoonar.com/Ingrid Balabanova/Imago
Kassettenrekorder
Das waren noch Zeiten, als man mit dem Kassettenrekorder Lieder punktgenau über die Rec-Pause-Tasten aus dem Radio aufgenommen und dann immer wieder zurückgespult und angehört hat. Manche Kinder von heute kennen nicht mal mehr CDs. © Panthermedia/Imago
Mädchen im Auto auf dem Rücksitz
Was heute undenkbar wäre, war früher normal: Kinder konnten auch mal ohne Sicherheitsgurt im Auto mitfahren, sich frei bewegen und ungesichert in jeglichen Positionen einschlafen. © YAY Images/Imago
Frau liest Straßenkarte
Mit dem Auto in den Urlaub fahren, ist für viele Familien das Highlight des Jahres. Während heutzutage häufig das Navigationssystem den Weg zum Hotel lotst, waren es früher die kleinteiligen Straßenkarten, die regelmäßig für Verwirrung und Diskussionen unter den Familienangehörigen während der Autofahrt sorgten. © NomadSoul/Imago
Aschenbecher mit Zigaretten
Während es früher durchaus üblich war, in Innenräumen wie der Wohnung oder dem Auto in Anwesenheit der Kinder zu rauchen, ist diese Angewohnheit heute eher verpönt, auch, weil die Folgen von Passivrauchen mehr ins Bewusstsein gerückt sind. Kinder von heute wachsen eher mit dem Papa oder Opa auf, der zum Rauchen auf die Terrasse oder den Balkon geht. © monticello/Imago

Eltern sparen vor allem am Essen

Besonders beim Lebensmitteleinkauf machten sich der Umfrage zufolge die finanziellen Engpässe bemerkbar. Vor dem Hintergrund, dass jedes Kind ein Recht auf gesundes Aufwachsen hat, wollte Save the Children wissen, inwiefern Eltern in Deutschland aus finanziellen Gründen auf gesundes, ausgewogenes und entsprechend oft auch teureres Essen verzichten.

Die Umfrage ergab, dass offenbar fast ein Viertel (23 Prozent) der Eltern mit einem Haushaltsnettoeinkommen von unter 3.000 Euro häufig bei gesunden Lebensmitteln spart. Bei der mittleren Einkommensgruppe (3.000 bis unter 4.500 Euro monatliches Haushaltsnettoeinkommen) sinkt dieser Anteil auf zwölf Prozent und bei der höchsten Einkommensgruppe (über 4.500 Euro) auf fünf Prozent. Eltern, die nicht mit einem Partner oder einer Partnerin zusammenleben, verzichten häufiger (18 Prozent) auf gesundes Essen als Eltern, die mit einem Partner oder einer Partnerin zusammenleben (acht Prozent).

Deutlich seltener gaben Eltern dagegen an, dass sich ihre Kinder aus finanziellen Gründen ausgeschlossen fühlen. Etwa, weil sie an bestimmten Hobbys oder Aktivitäten nicht teilnehmen konnten (zwei Prozent).

Nährstoffarme Ernährung gefährdet die Gesundheit von Kindern

Kinder aus einkommensschwachen Haushalten seien durch die hohen Lebensmittelpreise besonders gefährdet, nicht alle notwendigen Nährstoffe für eine gesunde Entwicklung zu erhalten, heißt es in der Studie. Save the Children macht in diesem Zusammenhang auch auf langfristige gesundheitliche Risiken wie Störungen des Fett- und Zuckerstoffwechsels und Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen aufmerksam.

„Save the Children hält es für nicht hinnehmbar, dass eine der reichsten Volkswirtschaften der Welt nicht in der Lage ist, zu garantieren, dass jedes Kind ausreichend ernährt werden kann“, teilt die Organisation mit.

„Die nächste Bundesregierung darf Kinderarmut nicht ignorieren. Sie muss sicherstellen, dass sich alle Familien eine ausgewogene Ernährung leisten können. Dazu gehören insbesondere Familien im Bürgergeld. Die in der Grundsicherung für Ernährung vorgesehenen Mittel reichen eindeutig nicht aus“, erklärt Eric Großhaus.

Rubriklistenbild: © imagebroker/Imago