Fünf riesige Hallen geplant
Rechenzentrum in Großauheim soll eines der größten Europas werden
VonDirk Idingschließen
Das Unternehmen P3 Logistic Parks Germany treibt seine Planungen für den Bau eines der größten Rechenzentren Europas auf dem Gelände der ehemaligen Großauheim-Kaserne unweit des Kraftwerks Staudinger voran.
Großauheim – Das wurde deutlich in der jüngsten Sitzung des Struktur- und Umweltausschusses, in dem die P3-Manager Sönke Kewitz und Semir Selcukoglu einen Sachstandsbericht zu dem Projekt gaben.
Im künftigen „Daten Campus Center“, so der offizielle Titel des Projekts, soll nach und nach auf der knapp 40 Hektar großen Fläche ein aus fünf Gebäudekörpern bestehendes Rechenzentrum entstehen, die unabhängig voneinander betrieben werden können. Geplant sind jeweils 190 Meter lange und 60 Meter breite Hallen mit einer Höhe von rund 20 Metern. Insgesamt werden die zweigeschossigen Servergebäude über eine Bruttogeschossfläche von rund 120 000 Quadratmetern verfügen. „Ein solches Projekt hat es in der Form in Europa noch nicht gegeben“, meint Sönke Kewitz.
Hanau: Riesiges Rechenzentrum - Gebäude sollen an Großkunden vermietet werden
Die Gebäude sollen an Großkunden vermietet werden, die dort ihre Server unterstellen und betreiben. Bereits im Oktober vergangenen Jahres hatte die Stadtverordnetenversammlung den Aufstellungsbeschluss für einen entsprechenden Bebauungsplan beschlossen. Doch bis zur Erteilung der Baugenehmigung ist es noch ein weiter Weg. Das ließ auch die Leiterin des Hanauer Stadtplanungsamtes, Anja Batke, durchblicken, die die Komplexität des Verfahrens betonte, die allen Beteiligten einiges abverlange. Batke sprach von einem der „Hanauer Schlüsselvorhaben“ für die nächste Zeit.
Dafür muss allerdings die Großauheim-Kaserne zunächst vollständig zurückgebaut werden, das heißt, alle Gebäude dort werden abgerissen. Anschließend ist das Gelände von Altlasten zu befreien. Im Oktober 2018 war man bei P3 noch davon ausgegangen, dass mit dem Abriss der Gebäude bereits im dritten Quartal dieses Jahres begonnen werden könne. Doch das hat sich offensichtlich verzögert.
Hanau/Großauheim: Rechenzentrum - Enormer Strombedarf erwartet
Wie gewaltig das Vorhaben ist, belegt allein der zu erwartende Strombedarf des Rechenzentrums in der Endausbaustufe. Dann werden die Rechner und Server etwa 180 Megawatt Strom jährlich verbrauchen, das entspricht in etwa dem Doppelten des heutigen Strombedarfs von ganz Hanau.
Zur Versorgung der Anlage ist auf dem Gelände auch der Bau eines Umspannwerks mit fünf riesigen Generatoren geplant, das an die naheliegende Hochleistungsstromtrasse angeschlossen werden soll. In die Planungen sind die Stadtwerke Hanau und die Hanau Netz GmbH eingebunden.
Zusätzlich soll jede einzelne Rechnerhalle mit Diesel betriebenen Notstromaggregaten bestückt werden, die im Falle eines Stromausfalls zugeschaltet werden können. Geplant sind 24 Aggregate pro Gebäude, die jeweils im Viererpack gebündelt an sechs 31 Meter hohe Schornsteine angeschlossen werden.
Hanau: Kühlung der Hallen als technische Herausforderung
Eine große technische Herausforderung ist die Kühlung der Hallen. Die Temperatur in den riesigen Hallen sollte ständig unter 27 Grad Celsius gehalten werden, was angesichts der Abwärme, die die Server ausstrahlen, und der im Sommer höheren Umgebungstemperatur nicht einfach ist. Gleichwohl glauben die Experten von P3, mit einer ausgeklügelten, direkten Luftkühlung das Problem in den Griff bekommen zu können. Es wird Frischluft von außen angesaugt und in die Hallen geleitet. Es müsse dabei keine Luft künstlich und mit hohem Stromeinsatz herunter gekühlt werden, versicherten die Experten. Das sei gut für die CO2-Bilanz. Allerdings sei während der heißen Sommermonate der Einsatz von Kühlwasser erforderlich. Mainwasser komme dafür allerdings nicht infrage. Geprüft werde ein Zisternensystem.
Hanau: Höchste Anforderungen in Sachen Brandschutz
In Sachen Brandschutz werde das Rechenzentrum die „höchsten Anforderungen erfüllen müssen, die man sich überhaupt vorstellen kann“, versicherten die P3-Manager. Denn es liege im eigenen Geschäftsinteresse, mögliche Brände schon in ihrer Entstehung massiv zu bekämpfen. Deshalb werde modernste Rauchmelde- und Sprinklertechnik verbaut. Auch werde man das Gelände und die Gebäude gegen unbefugtes Betreten massiv schützen. P3 geht davon aus, dass etwa 300 Arbeitsplätze neu geschaffen werden. Rund 150 direkt in den Serverhallen und weitere 150 in deren Dienstleistungsumfeld.
von Dirk Iding
Ein anderes Bauprojekt in Hanau-Großauheim ist dagegen schon fertig: Der mit Millionenaufwand umgebaute Rochusplatz ist freigegeben