Bei der Kanzlei nachgebessert
Hanau: Möglicher Schlossplatz-Investor KCI stellt neue Nutzungsideen vor
Die Entscheidung darüber, wer den Hanauer Schlossplatz umbaut – das letzte Großprojekt im Rahmen des Hanauer Innenstadtumbaus – soll nach der Sommerpause fallen.
Jetzt hat einer der drei Bewerber, das Unternehmen KCI Invest Frankfurt, zum Teil neue Nutzungsideen für das Areal entwickelt und gestern der Presse vorgestellt. KCI-Geschäftsführerin Kalliopi Charitonidou glaubt, damit Anforderungen der Stadt Hanau auf attraktive Weise gerecht zu werden.
Beim großen Bürgerwochenende „Zukunft Hanau“ im März hatten alle drei Bewerber um das Projekt (siehe Infokasten) ihre Pläne im Congress Park Hanau bereits der breiten Öffentlichkeit vorgestellt. Im Nachgang hieß es von Seiten der Stadt, alle drei Bewerber müssten insbesondere was die künftige Nutzung des historischen Kanzleigebäudes betrifft, „nacharbeiten“. KCI hat das offenbar getan und entwickelte in Gesprächen mit der Geschäftsführung der städtischen Betriebsführungsgesellschaft, die auch den Congress Park Hanau (CPH) managt, die Idee einer Kooperation.
Laut CPH mangelt es gerade bei größeren Kongressen mitunter an separaten Seminar- und Tagungsräumen. Die will KCI nun im Obergeschoss des gegenüberliegenden Kanzleigebäudes schaffen. Im Untergeschoss sei unter anderem ein größerer Eventsaal geplant, der von Nutzung und Attraktivität her vergleichbar sein werde mit dem „Weißen Saal“ in Schloss Philippsruhe. Event- und Tagungsräume sollen über das CPH für jedermann mietbar sein – ob für Familienfeiern oder Konferenzen. Für Ehrenamtliche will KCI zudem einen Tagungsraum schaffen, der etwa für Vorstands- oder Abteilungssitzungen Vereinen oder anderen gemeinnützigen Organisationen kostenlos zur Verfügung gestellt werde.
Den Wasserturm am Kanzleigebäude kann sich KCI-Geschäftsführerin Charitonidou als ungewöhnlichen Ausstellungsort für junge Künstler vorstellen. Denkbar sei beispielsweise eine Kooperation mit der Hanauer Zeichenakademie.
Am baulichen Konzept von KCI hat sich hingegen nichts geändert. Als einziger der drei Bewerber verfolgt KCI einen historisierenden Ansatz – inspiriert durch die viel gelobte Rekonstruktion der Frankfurter Altstadt, wie Charitonidou sagt. Wobei die Investorin statt Rekonstruktion lieber den Begriff „schöpferischer Nachbau“ verwendet. Davon spricht auch der Hanauer Architekt Olaf Gerstner vom Architekturbüro Gerstner/Kaluza, das für KCI die Planungen übernommen hat. Denn bei seinem Konzept gehe es nicht um die Rekonstruktion von einmal an dieser Stelle gestandenen Gebäuden, sondern um das Aufgreifen alter Baulinien mit Häusern, die historische Architekturelemente, beispielsweise Fachwerk, neu interpretieren. So wird die historische Erbsengasse zwischen der früheren Schule am Schlossplatz und einem weit in den Platz hineinragenden Neubau, in dem Gastronomie, Geschäfte und vor allem ein Tagungshotel unterkommen sollen, neu entstehen. Gerstner: „Wir wollen dem Schlossplatz seine ursprüngliche Größe wiedergeben. Heute ist er einfach überdimensioniert.“ Und als reiner Parkplatz zudem reichlich unattraktiv. Nach seiner Umgestaltung wird der Schlossplatz autofrei sein - Dank einer Tiefgarage, die Bestandteil der Planungen aller drei Bewerber ist.
VON DIRK IDING