Ausbau der Kinzigtalbahn
„Pünktlicher und leiser“
Hanau/Main-Kinzig-Kreis - Der Ausbau der Kinzigtalbahn zwischen Hanau und Fulda ist für die Deutsche Bahn von herausragender Bedeutung. Davon profitieren würde nicht nur der Fern-, sondern insbesondere der Regionalverkehr.
Das machte Dr. Klaus Vornhusen, Konzernbevollmächtigter für das Land Hessen bei der Deutschen Bahn AG, bei einem Besuch der IHK Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern deutlich. Ein alltägliches Bild an Bahnhöfen im Kinzigtal, zum Beispiel in Gelnhausen oder in Bad Soden-Salmünster: Während Pendler auf ihren Regionalexpress warten, rauscht ein ICE nach dem anderen an ihnen vorbei. Und alle fahren in die gleiche Richtung. Woran liegt das?
„Die Kinzigtalstrecke mit zum Teil nur zwei Gleisen ist extrem ausgelastet. Wir müssen die Fahrten der ICEs bündeln, damit nicht einzelne langsamere Regionalzüge die Schnellzüge ausbremsen. Das zeigt, wie hoch der Bedarf ist. Wir fahren am Limit. Mehr Gleise bedeutet zusätzliche Kapazitäten – auch für den Regionalverkehr“, erklärte Dr. Vornhusen. Er traf sich zum Gespräch mit den Vorsitzenden der IHK-Ausschüsse „Mobilität und Infrastruktur“ sowie „International“, Thomas Bauer (Geschäftsführer vom Hanauer Anzeiger) und Dr. Matthias Häberle, Finanzvorstand bei der Gelnhäuser Veritas AG, sowie den IHK-Mitarbeitern Andreas Kunz und Dr. Achim Knips.
Die Vertreter der regionalen Wirtschaft sehen den Bahn-Engpass im Kinzigtal mit Sorge: Deutschland sei ein Exportland. Rund 90 Prozent der deutschen Exporte gingen über Seehäfen wie Hamburg oder Bremerhaven in andere Länder, wobei mehr als ein Drittel dieser Exporte aus Bayern, Baden-Württemberg und Hessen stammten. Während viele Rohstoffe und Massengüter via Rotterdam oder Antwerpen über den Rhein und den Main die Unternehmen tief im Binnenland erreichten, eigneten sich für Hochtechnologie-Produkte oft nur die Transportmittel Bahn, Lastwagen und Flugzeug. „Ohne zusätzliche Bahnkapazitäten drohen entweder mehr Dauerstaus auf den Autobahnen oder die Wirtschaft gerät ins Stocken“, befürchtet man bei der IHK Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern.
Eine der besonders stark belasteten Strecken verläuft zwischen Hanau und Fulda durch das Kinzigtal, wobei die Strecke zum Teil nur zweigleisig, vor Gelnhausen bis zu dreigleisig ist. Die DB Netz AG möchte diesen Engpass ausbauen. Schon heute passieren am Tag etwa 290 Züge Wächtersbach, darunter 110 bis 115 Schnellzüge im Fernverkehr. Vor Fulda sind es sogar 390 Züge.
Die IHK-Vertreter diskutierten mit Dr. Vornhusen, wie dieser Bahnengpass schnell, aber auch möglichst umweltverträglich beseitigt werden kann und wo die heimische Wirtschaft den Planungsprozess unterstützen kann. Dazu stellte Dr. Vornhusen nicht nur den aktuellen Planungsstand vor, er ging auch auf die Einbindung der Öffentlichkeit ein. Der Bahn sei bewusst, dass die im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens vorgeschriebenen Offenlegungszeiten zeitlich zu knapp bemessen seien und vor allem auch viel zu spät kämen, nämlich erst am Ende der Planung.
Deshalb habe man zur frühen Bürgerbeteiligung ein Dialogforum eingerichtet, das bis zu dreimal im Jahr tage, um den aktuellen Sachstand zu diskutieren und allen Betroffenen bekannt zu machen. Vor allem gehe es darum, Fragen und Hinweise aus der Region frühzeitig aufzunehmen. „Das Verfahren ist sehr transparent. Es hilft uns, Probleme zu erkennen, von denen wir zuvor nicht wussten, dass es sie gibt“, betonte Vornhusen. Breiten Raum im IHK-Gespräch nahm der Lärmschutz ein, der auf der Neubaustrecke im Zuge der Baumaßnahmen deutlich verbessert werden soll – so, wie es die neuen Gesetze verlangten. „Im Abschnitt zwischen Hanau und Gelnhausen, den wir viergleisig ausbauen, wird es künftig deutlich leiser als heute – und das, obwohl mehr Züge fahren“, versicherte Vornhusen.
Hinsichtlich des für die Wirtschaft so wichtigen Güterverkehrs verwies Vornhusen auf Überlegungen, den nächtlichen Güterverkehr von der Bestandsstrecke auf die neue, sehr viel besser lärmgeschützte ICE-Trasse zu lenken, um auch auf diese Weise zum Lärmschutz beizutragen. Der Bahn-Verantwortliche unterstrich, dass die neue Bahnstrecke wesentlich dazu beitragen werde, Qualität und Pünktlichkeit im Nah- und im Fernverkehr deutlich zu erhöhen. Die komplizierten Planungen werden sich noch einige Zeit hinziehen. Frühestens in der Mitte des nächsten Jahrzehnts dürfte der erste Spatenstich für die beiden neuen Gleise nordöstlich von Gelnhausen anstehen. Der viergleisige Ausbau der Strecke zwischen Hanau und Gelnhausen soll allerdings bereits 2022 starten.