Federvieh soll Biomüll vertilgen
Aufsehen erregendes Projekt: Hühner auf dem Dach
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Hanau – Mit einem Aufsehen erregende Projekt will die städtische Baugesellschaft Hühner zurück in die Stadt holen: in Hinterhöfe oder auf Dächer ihrer Häuser. Ob eigene Eier oder soziale Komponenten – das Vorhaben hat für die Mieter mehrere Aspekte. Ein wichtiger: Das Federvieh soll Biomüll vertilgen. Von Christian Spindler
Was sich zunächst wie eine spinnerte Idee anhören mag, ist Jens Gottwald durchaus ernst. Anfangs ist der Geschäftsführer der städtischen Baugesellschaft für seine Initiative zwar etwas belächelt worden. Aber wem auch immer er von der Idee erzählt, der war und ist rasch fasziniert von dem ungewöhnlichen Gedanken. Und dieser ist mittlerweile so weit gereift und entwickelt, dass feststeht: „Das wird kommen“, sagt Gottwald, auch wenn noch nicht genau feststeht, in welcher Wohnanlage der Baugesellschaft das Hanauer Pilot-Projekt starten soll.
Das Thema Müllentsorgung und Müllvermeidung sei der Auslöser für seine Idee gewesen, berichtet Gottwald, nachdem er mitbekommen hatte, dass Hühner auch Biomüll vertilgen können. Und das in beachtlichen Mengen. „Warum also Hühner nicht zurück in die Stadt holen?“, sagte sich Gottwald und ließ das Vorhaben prüfen. Und je mehr man sich bei der Baugesellschaft damit befasste, desto mehr positive Facetten taten sich auf. „Das hat viele Komponenten“, sagt Gottwald. Zum Beispiel einen Ernährungs- und Gesundheitsaspekt. „Man weiß, wo die Eier herkommen.“ Oder einen „sozialen Faktor“, wenn Bewohner, insbesondere Kinder, sich in Baugesellschafts-Liegenschaften um die Tiere kümmern.
Bei weiteren Recherchen stieß das städtische Wohnungsunternehmen darauf, dass ein ähnliches Hühner-Projekt im elsässischen Colmar besteht. Gottwald: „Aber in Mietshäusern wie bei uns wird das was Neues.“ In Colmar gibt es städtische Gratis-Hühner bereits seit geraumer Zeit. Die Abfallbetriebe der französischen 70.000-Einwohner-Stadt vergeben je zwei Hühner an interessierte Bürger, wenn zumindest ein kleiner Garten vorhanden ist. Über 1000 Hühner sind laut Medienberichten bereits als „Müllschlucker“ im Einsatz. Und das mit beachtlichem Erfolg. Jedes Huhn kann bis zu 150 Kilo Küchenabfälle pro Jahr futtern. „Hühner sind ein bisschen wie Schweine“, wird Laurent Ott, Chef der Colmarer Abfallbetriebe zitiert, „sie fressen alles.“
Und so soll das mit den Hanauer Hühnern funktionieren: Die Baugesellschaft installiert in Anlagen mit Mietwohnungen einen entsprechenden Hühnerstall samt Auslauf. Zum Beispiel in einem Hinterhof oder, so die neueste Idee, auf einem begehbaren Dach. Wo der erste Baugesellschafts-Hühnerstall entsteht, „wird zurzeit noch geprüft“, sagt Gottwald auf Anfrage. Interessierte Mieter können sich dann bereit erklären, sich um ein oder mehrere Hühner zu kümmern und die Tiere zu füttern. Positiver Nebeneffekt: Regelmäßig frische Eier.
Die Erfolge bei der tierischen Biomüll-Entsorgung will man überprüfen: Mieter mit Hühnern sollen andere Biomülltonnen bekommen als die übrigen Hausbewohner. So will man herausfinden, inwieweit die Hühner tatsächlich bei der Biomüll-Verwertung helfen. Die Baugesellschaft will ihr Projekt vom 29. bis 31. März beim Bürgerwochenende zum Diskussionsprozess „Zukunft Hanau - mach mich großartig!“ vorstellen. Wie berichtet, sollen die Hanauer bei dem langfristigen Diskussionsprozess über die Zukunft ihrer Stadt reden.
Von Christian Spindler
Das Projekt „Hühner erobern die Stadt“ in Hanau bekommt Lob von allen Seiten.