Wutrede

Börsen-Chef rechnet gnadenlos mit Ampel-Politik ab: „Ramschladen geworden“

  • VonMax Schäfer
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„Wir sind ökonomisch gesprochen auf dem Weg zum Entwicklungsland“, kritisiert Börsen-Chef Weimer. Dabei attackiert er vor allem die Bundesregierung und Robert Habeck.

München – Theodor Weimer, Chef der Deutschen Börse AG, sorgt mit einer Wutrede für Aufsehen. Im Rahmen einer Tagung des Wirtschaftsbeirats Bayern rechnete der selbsternannte „Mr. Dax“ mit der Wirtschaftspolitik der Ampel-Koalition ab. Deutschland sei „ökonomisch gesprochen auf dem Weg zum Entwicklungsland“ und ein „Ramschladen“ geworden, erklärte Weimer.

Weimer hat die Rede bei der Veranstaltung im Bayerischen Hof in München bereits am 17. April gehalten. Der laut der Organisation Lobbycontrol CSU-nahe Wirtschaftsbeirat Bayern hat die Aufzeichnung der Rede jedoch erst am 21. Mai auf Youtube veröffentlicht. Die rechtsgerichtete Zeitung Junge Freiheit und das ähnlich einzuordnende Magazin Tichys Einblick haben Weimers Wutrede auf die Politik jedoch am Donnerstag, 6. Juni, und Freitag, 7. Juni, aufgegriffen und Weimer damit Aufmerksamkeit verschafft.

Börsen-Chef Weimer kritisiert Habecks Wirtschaftspolitik: „Fundamentalisten kommen durch“

In seiner Rede berichtete Weimer einerseits von den Treffen mit Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne). Er habe sein 18. Treffen mit Habeck hinter sich und könne dem Publikum sagen: „Es ist eine schiere Katastrophe.“ Am Anfang sei er noch „voller Begeisterung gewesen“. Habeck habe „super zugehört“ und „auch ein paar Dinge“ richtig gemacht. „Inzwischen kommen die Fundamentalisten immer mehr durch.“

Das Interesse internationaler Investoren an einer Geldanlage in Deutschland sei eingebrochen, sagte Weimer bei seinem Vortrag. Ursächlich sei die Wirtschaftspolitik. „So schlecht wie jetzt war unser Ansehen in der Welt noch nie – noch nie.“ Investoren schütteln nur noch mit dem Kopf. „Die sagen: Wo sind denn eigentlich die deutschen Tugenden geblieben. Wir wissen gar nicht, wie wir euch in Deutschland lesen sollen“, schildert der Vorstand der Deutschen Börse die Begegnungen mit ausländischen Investoren.

Theodor Weimer (l.) attackiert die Bundesregierung und Robert Habeck. (Archivfotos)

„Ramschladen geworden“: Deutschland laut Weimer für Investoren nicht mehr interessant

Die Gespräche hätten „fatalistischen Charakter“. Die Investoren sagen laut Weimer: „Wenn ihr so weitermacht, werden wir euch noch weiter meiden und noch weiter rausgehen aus Deutschland.“ Die Investitionen würden nur getätigt, weil sie günstig seien und Geld vorhanden sei. „Wir sind so ein Ramschladen geworden“, folgerte Weimer.

„Was ihr macht, ist einfach bekloppt“, sollen Weimers Gesprächspartner sagen. Sie vermissten politische Führungsstärke. Gleichzeitig warnten sie, dass Deutschland auf dem Weg sei, eine „alte Ökonomie“ wie Japan zu werden, das Probleme mit Deflation, sinkenden Umsätzen, fehlenden Investitionen, fallenden Löhnen und kaum Wirtschaftswachstum habe.

Deutschland laut Weimer „ökonomisch“ auf dem Weg zum „Entwicklungsland“

„Wir sind ökonomisch gesprochen auf dem Weg zum Entwicklungsland“, sagte Weimer. „Wir“, sagte der „Mr. Dax“ und meinte Unternehmer, „machen uns klein vor Brüssel und Berlin“. Konkret geht es um das Selbstbewusstsein der Konzerne gegenüber der Politik. „Die Amerikaner sagen mir klipp und klar ins Gesicht: ‚Hört auf, eine Public Economy zu sein, die wie das Kaninchen vor der Schlange sitzt und drauf wartet, dass die Schlange beißt. Werdet wie wir eine private Economy‘“. In den USA führten die Unternehmer das Land. Ihnen sei egal, „welcher alte Mann“ Präsident werde. Die gesellschaftliche Spaltung würde überwunden, wenn es dem Geldbeutel gutgehe.

Ein Grund für das die schlechte Entwicklung des Wirtschaftsstandorts und dessen Wahrnehmung sei, dass Deutschland seine Automobilindustrie zerstört habe. „Wir haben uns unser Geschäftsmodell kaputt reden lassen“, kritisiert Weimer und nennt dabei CO2-Vorgaben, die Autokonzerne in eine Ecke gedrängt hätten, aus der sie nicht mehr herauskämen. „Dann erklärt mir unser Aufsichtsrat, wir müssen die Dienstwagen kleiner machen“, so Weimer. „Das ist doch dummes Zeugs. Wir müssen die Dienstwagen wieder groß machen. Das schafft nämlich Wachstum.“

Als weitere Kritik internationaler Investoren an der deutschen Politik nannte Weimer die Migrationspolitik, die „allseits als vollkommen falsch“ empfunden werde sowie die Themen Verteidigung und Digitalisierung, die Deutschland verschlafen habe.

Rubriklistenbild: © dpa (2) / Britta Pedersen / Andreas Arnold