Hochbetrieb vor Weihnachten
15.000 Pakete am Tag vor Weihnachten: So läuft es in der DHL-Zustellbasis Hanau
VonJens Döllschließen
Die DHL-Zustellbasis in Wolfgang verarbeitet täglich tausende Pakete. 30 Aushilfen wurden für die Stoßzeit kurz vor Weihnachten eingestellt.
Hanau - Geht ein Weihnachtsbaum auf Reisen. Aus Plastik ist er, von einer Gartencenter-Kette. Er ist Inhalt eines von tausenden Paketen, die durch die Zustellbasis im Industriegebiet Hanau-Wolfgang laufen. Kurz vor Weihnachten sind es 15 000 Päckchen und Pakete am Tag, die von dort in die gelben DHL-Transporter geladen und zu ihren Empfängern in Hanau, Maintal und Teilen von Bruchköbel und Langenselbold gebracht werden. Vorsicht ist in der großen Halle wichtig, Arbeitsschuhe und Warnweste sind Pflicht.
Rund 30 Aushilfen fahren Extratouren
„Passen Sie auf Ihre Füße auf“, sagt Leiter Falk Reichel. Rollwagen und anderes schweres Gerät sind in der Halle an der Marie-Curie-Straße unterwegs. Es rumpelt und rattert wegen der Förderbänder.
Briefe und Pakete rechtzeitig aufgeben
Pakete, die rechtzeitig bis 24. Dezember beim Empfänger sein sollen sind, müssen bis spätestens 20. Dezember aufgeben werden. Dies gilt auch für Briefe und Postkarten (Einschreiben: 22. Dezember). Das teilt DHL mit. Die Zeiten gelten für innerdeutsche Sendungen.
Hermes schreibt von einem garantierten Zustellversuch an Heiligabend, wenn ihr eure Pakete bis zum 19.12.2025, 12 Uhr abgegeben habt.
DPD gibt für den Standardversand Zeit bis zum 19.12.2025 an.
Reichel erklärt: Nicht die Tage vor Weihnachten sorgen für den größten Paketdurchlauf, sondern eher die letzte Woche im November und die ersten Wochen im Dezember. Black Friday, Cyber Monday, Black Week und wie die Aktionstage alle heißen. „Früher war es so: Je näher Weihnachten kommt, desto mehr hat es gebrummt. Jetzt hat es sich entzerrt“, berichtet Postpressesprecher Stefan Heß.
Und noch etwas ist neu: „Auch Sendungen aus Fernost werden immer mehr, wie man an den weißen Plastikpäckchen sehen kann“, berichtet Reichel und zeigt auf die Förderbänder, auf denen sich zwischen braunen Pappverpackungen viele weiße Plastiksäckchen mischen. Insgesamt habe das Volumen von Sendungen zugenommen, während die reine Briefpost in jedem Jahr abnimmt.
„Dabei reden wir von zwei bis drei Prozent, die Briefe weniger werden. Pakete nehmen dafür um fünf bis sieben Prozent zu“, erläutert Heß. Das Verteilzentrum in Wolfgang ist eine von etwa 300 Zustellbasen im Bundesgebiet und eine von 90 mechanisierten Einrichtungen. Das heißt: Die Pakete werden maschinell verarbeitet, die Barcodes eingescannt und von der Maschine in einzelne Schütten verteilt. Von diesen reichen Teleskop-Förderbänder dann bis zu den Autos. Die Zusteller beladen ihre Autos selbst.
Einer davon ist Petar. „Ist viel geworden“, sagt er über die Menge an Paketen. „Es ist vor Weihnachten mehr als sonst, aber kein Stress.“ 70 Menschen arbeiten an normalen Tagen dort, 100 in der aktuellen Stoßzeit. „Wir haben 30 Aushilfen eingestellt, die Extratouren fahren“, führt Reichel aus. Zu Petars Ladung gehört auch der erwähnte Plastikbaum neben vielen anderen großen und kleinen Gaben, die das Zustellfahrzeug füllen. Nicht alles kommt über die automatisierten Schütten und Förderbänder. Was dafür zu groß ist, muss manuell zugeordnet werden. „Das sind zum Beispiel Fernseher oder Fahrräder“, führt Reichel aus.
Bevor der Baum seinen Weg nach Wolfgang gefunden hat, war er in einem der 38 Paketzentren von DHL. Diese befinden sich an Verkehrsknotenpunkten wie Rodgau, Obertshausen, Staufenberg und Neuwied. Durch diese laufen Millionen von Sendungen. In Wolfgang kommen die ersten Ladungen nachts um 1 Uhr an.
In zwei Wellen werden dann tagsüber die 60 Zustellbezirke bedient. Ab Mittag geht es in die umgekehrte Richtung: Pakete werden in die Zustellbasis geliefert, von wo aus sie in alle Welt gesendet werden. Das sind pro Tag bis zu 12 000 Stück. Dieses System werde am Standort Wolfgang seit etwa zwei Jahren genutzt. „Im Rhein-Main-Gebiet liegen die Zustellbasen näher zusammen, sodass sie einander entlasten können“, so Reichel. Im ländlichen Raum, wie in Mecklenburg-Vorpommern oder Brandenburg, sind sie weiter auseinander. Das Problem im urbanen Raum: Es sei schwerer, Zusteller zu finden. „Die Konkurrenz ist groß, im ländlichen Gebiet ist es einfacher“, sagt Reichel.
Sind die Fahrzeuge beladen, zieht eine Flotte gelber Wagen los, um die Sendungen schließlich an die Frau oder den Mann zu bringen. Reichel: „Auch am 24. Dezember sind wir bis Mittag im Einsatz. Die Zusteller sollen dann einen schönen Heiligabend haben.“ Bis dahin hat auch der Baum aus Plastik längst seinen Bestimmungsort erreicht. (Jens Döll)


