Maintal Tagesanzeiger


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Lesen, was los ist: Trotz aller Widrigkeiten und jetzt erst recht


Der Maintal Tagesanzeiger blickt mit Stolz auf das erste Vierteljahrhundert seines Bestehens ­
Auch in schwierigen Zeiten am Ball bleiben ­
Von Dirk Müller (Redaktionsleiter von 2000 bis 2006)


Ein Vierteljahrhundert „Maintal Tagesanzeiger“ ­ das ist schon ein Grund zum Feiern, nicht aber zur kritiklosen Selbstzufriedenheit. Natürlich haben der Verlag und alle Mitarbeiter allen Grund, stolz auf dieses nicht selbstverständliche Jubiläum zu sein, was vor allem deutlich wird, wenn man die Zeit 25 Jahre zurückdreht. Die Zeitungslandschaft glich Ende der siebziger Jahre im Osten von Frankfurt einem „Haifischbecken“, der Leser hatte auch in Maintal die Qual der Wahl und konnte aus dem Vollen schöpfen. Denkbar schlechte Ausgangsvoraussetzungen eigentlich, um damals, am 2. Dezember 1978, gut viereinhalb Jahre nach Gründung der Stadt Maintal, eine neue Tageszeitung ins Leben zu rufen. Natürlich gab es Vorgänger vom „Dörnigheimer Echo“ über den „Bischofsheimer Anzeiger“ bis zur „Maintal-Zeitung“ ­ aber mit jenem 2. Dezember 1978 wagte es ein Gesellschafter-Trio erstmals, eine werktäglich erscheinende Publikation für Maintal und seine Stadtteile unters Volk zu bringen ­ in der Hoffnung, dass das Volk Gefallen findet.

Lokales zuerst!
Und tatsächlich fand das Volk Gefallen: Die Auflage schnellte sprunghaft in die Höhe, mit dem Frankfurter Societäts-Verlag (Frankfurt Allgemeine Zeitung, Frankfurter Neue Presse) war nach wenigen Monaten auch ein kompetenter Partner gefunden, und so schrieb der Tagesanzeiger mit seinem Konzept „Lokales zuerst!“ über viele Jahre hinweg eine beachtliche Erfolgsgeschichte. Tatsächlich war der Maintal Tagesanzeiger die erste Neugründung einer regionalen Abonnementzeitung seit 1954 in der Bundesrepublik, die noch heute erscheint. Ein Erfolg, der sicherlich begünstigt wurde durch das Entstehen der Stadt
Maintal, forciert aber wurde dieser Erfolg vor allem durch den „Gründergeist“ seiner Urheber - heute würde man wohl „Innovation“ dazu sagen.
Die Urheber und Gründungsgesellschafter seien an dieser Stelle ausdrücklich erwähnt:

Richard Brandl (Bild) ist nach wie vor Geschäftsführer der Maintal Tagesanzeiger Verlags-GmbH. Unternehmerischer Weitblick war in diesem Vierteljahrhundert immer gefordert, und dass das „Schiff“ Tagesanzeiger weiterhin Kurs hält, dürfte Beweis genug sein, dass sich Richard Brandl in all¹ den Jahren und bis zum heutigen Tage ebenso wie das gesamte Team auf diesen Weitblick verlassen konnten.
Norbert Albrecht war der zweite „Mann der ersten Stunde“ , Gründungsgesellschafter und ist im Ruhestand.
Rolf P. Schmidt war seinerzeit der „Dritte im Bunde“ der Gründungsgesellschafter. Bis zum 14. Februar 1992 war er verantwortlicher Chefredakteur. Danach trennten sich die Wege, zuletzt war er Reiseorganisator beim Deutschen Journalistendienst in Würzburg. Schmidt erlebt das 25-jährige Jubiläum des Tagesanzeiger, das viele Jahre auch „sein Kind“ war, leider nicht mehr ­ er verstarb am 20. September 2002 im 55. Lebensjahr in seiner Wohnung in Hanau-Steinheim.

Solides Fundament bis heute
Lässt man den Blick durch die Jahre schweifen, kann man getrost feststellten, dass sich der Tagesanzeiger stets wachsender Beliebtheit erfreute, was sich auch in den Verkaufs- und Abonnentenzahlen widerspiegelte, denn die kannten nur eine Richtung ­ nach oben. Und auch wenn dieser Trend in den vergangenen Jahren etwas gebremst wurde: Die Auflage steht nach wie vor nicht nur auf einem soliden Fundament, sondern bewegt sich noch immer leicht aufwärts ­ ganz im Gegensatz zu den allermeisten anderen Tageszeitungen im gesamten Bundesgebiet, ob groß oder klein. Gerade für die „Kleinen“ ist der Werdegang des Tagesanzeiger keine Selbstverständlichkeit: Viele Lokalzeitungen in Deutschland und auch in Hessen mussten gerade in den letzten Jahren, seit Beginn der Anzeigenkrise im Jahre 2001, personell stark abspecken oder ihr Erscheinen sogar einstellen. Nicht so der Tagesanzeiger, der sich immer auf seine Stärke „Lokales zuerst“ besann und sich seiner besonderen Nähe zum Leser dadurch immer sicher sein konnte.

Kurswechsel Anfang 1996
Dies blieb auch nach dem Wechsel der Hauptgesellschafter so: Am 1. Januar 1996 ging die Anteilsmehrheit von der Frankfurter Societät an den Hanauer Anzeiger über. Bei der „lokalen Aufmachung“ auf Seite 1 blieb es, wenn auch der eigentliche und gewohnt ausführliche Lokalteil etwas nach hinten, meist ins sogenannte „zweite Buch“ rückte. Der Kurswechsel von Frankfurt nach Hanau stellte übrigens einmal mehr den unternehmerischen Weitblick der Geschäftsführung unter Beweis: Unter dem Motto „Gemeinsam sind wir stärker!“ wurde im Osten Frankfurts und Westen des Main-Kinzig-Kreises eine Medienkooperation geschaffen, die sich gerade gegen aggressive Anzeigenblätter und ihre Politik der Dumpingpreise als „besser aufgestellt“ erwies, bei der Kooperation gerade der Redaktionen Kompetenz vor „Lückenfüllen“ stellte und als Stimme der Region noch an Einfluss gewann. Dies honorierten auch die Maintaler Leser, die den verlegerischen Umschwung ihres Tagesanzeiger ohne Weiteres mitvollzogen und ihrem Blatt die Treue hielten. Bald machten sich Synergieeffekte bemerkbar, von denen auch die Leser in ihrem unmittelbaren Informationsbedarf profitieren: So erscheinen wichtige Artikel des Hanauer Anzeiger über Hanau und die Region auch im Tagesanzeiger, ebenso wie die Kollegen in der Hanauer Redaktion ihren Lesern das Wichtigste aus Maintal mitteilen, indem sie auf Tagesanzeiger-Artikel zugreifen.

Große Feier zum „20-sten“
Es folgte das „Zwanzigjährige“, das groß gefeiert wurde. Der Tagesanzeiger publizierte eine 64-seitige Sonderzeitung, die rechtzeitig zum „Geburtstags-Straßenfest“ am 13. März 1999 erschien und viele Einblicke in die Abläufe des „Zeitungsmachens“ im Allgemeinen und die Geschichte des Tagesanzeiger im Besonderen gab. Aus heutiger Sicht scheint das „Zwanzigjährige“ fast wie ein nostalgischer Blick in eine unbeschwerte Zeit, nicht nur weil das Wetter am Fest-Tag so sonnig und frühlingshaft war. Denn was seitdem geschah, hätte sich vor fünfeinhalb Jahren wohl kein Verlag träumen lassen. Etwa zur gleichen Zeit, als an der Börse die großen Träume platzten, sich Milliardensummen in Luft auflösten und der „Neue Markt“ im Winde zerstob, mehrten sich auch in der Zeitungsbranche die Alarmzeichen: Das Anzeigengeschäft stagnierte erstmals nach gut zwei Jahrzehnten und entwickelte sich fortan rückläufig. Das Internet erwies sich als ernsthafter Konkurrent, vor allem ein Großteil der Stellen- und Immobilienanzeigen wanderte ab ins Internet und ging dem Zeitungsmarkt wohl für immer verloren. Sicherlich war der Tagesanzeiger weniger als andere, vornehmlich größere Tageszeitungen von der Internet-Konkurrenz betroffen ­ doch wenig später setzte eine Wirtschaftsflaute ein, von der sich das Land bis heute nicht so recht erholt hat. Betroffen waren nun auch die kleineren Tageszeitungen, denn auch der unternehmerische Mittelstand, die „kleinen Geschäfte“ vor Ort überlegten nun immer genauer, was man sich denn eigentlich noch leisten könne, schließlich waren und sind sie die unmittelbar Leidtragenden der allgemeinen Konsumzurückhaltung. So kam es ­ und kommt es noch immer ­ auch bei den gewerblichen Anzeigen zu Abstrichen und Rückgängen, was sich auch beim Tagesanzeiger in barer Münze bemerkbar macht.

Schmerzhafte Einschnitte
Unternehmerischer Weitblick war also erneut gefordert im Verlagshaus an der Dörnigheimer Kennedystraße, und diesmal waren es schmerzhafte Einschnitte und personelle Konsequenzen, die unumgänglich wurden, um ein Überleben des gesamten Verlages zu sichern. Eisernes Sparen hielt dort Einzug, wo man sich noch vor absehbarer Zeit recht sicher fühlte, und tatsächlich ist die Produktion einer eigenständigen Tageszeitung für eine Stadt von 40000 Einwohnern zum Existenzkampf geworden. Dass das kleine Maintaler Zeitungshaus „sicher auch die nächsten zwanzig Jahre überleben wird“, wie in der Sonderpublikation zum „20-Jährigen“ noch prognostiziert, scheint keineswegs mehr so sicher. Die nach wie vor schwierige Wirtschaftslage führte zu einer tiefen Mentalitätskrise in unserem Land (der mittlerweile erkennbare, „schmale Silberstreif am Horizont“ soll dabei nicht verleugnet werden) ­ eine Krise, die „heruntergebrochen“ auf die lokalen Gegebenheiten auch dazu beiträgt, dass sich der Tagesanzeiger sicherer wirtschaftlicher Gestade in den kommenden Jahren keineswegs restlos sicher sein kann.
Dass sich der Tagesanzeiger bis zum heutigen Tag allen Widrigkeiten stellt und nach wie vor als eigenständige und in Maintal mit großem Abstand meistgelesene Tageszeitung erscheint, ist zum einen dem engagierten Team zu verdanken, das weder Überstunden noch Sonderschichten scheut, um den Überlebenskampf täglich neu erfolgreich zu bestreiten; zum anderen liegt dies nicht unerheblich an den Anzeigenkunden, die ihrem Maintaler Printmedium die Treue halten. Denn jede Tageszeitung „lebt“ nun einmal in erster Linie von ihren Anzeigen; ohne Annoncen, ob gewerblich oder privat, könnte auch der Tagesanzeiger wirtschaftlich unmöglich überleben, von der ganzseitigen Vierfarb-Reklame großer Möbelhäuser bis zum kleinen privaten, aus wenigen Zeilen bestehenden Gruß.

Großer Dank und ein Appell
Die Botschaft an alle Anzeigenkunden ist daher vor dem Hintergrund des „25-Jährigen“ zweigeteilt: Einerseits Dank für Treue und Zusammenarbeit, andererseits der Appell, auch weiterhin auf die örtliche Tageszeitung als optimalen Werbeträger zu setzen. Dabei profitieren beide Seiten, denn das branchenbekannte Leitmotiv ist nicht einfach so dahergesagt: „Wer nicht wirbt, wird vergessen.“ Die Botschaft an alle Leserinnen und Leser ist dagegen eindeutig: Ihre Treue ist unsere Verpflichtung, Ihre Kritik ist unser Auftrag. Ein großes Dankeschön gilt vor allem den Abonnentinnen und Abonnenten ­ wohlwissend, dass man es niemals „allen rechtmachen“ kann. Aber wer dieses wollte und sich Redakteur nennt, hätte seinen Beruf verfehlt. Dass auch Fehler verziehen werden, ist eine weitere Qualität derer, die sich den Tagesanzeiger regelmäßig zu Gemüte führen. Dahinter muss wohl die Einsicht stecken, dass eine Tageszeitung trotz aller Technisierung im Grunde noch immer „Handarbeit“ ist, auch wenn die meisten Zeitungsseiten längst komplett am Bildschirm erstellt werden. „Handarbeit“ im Sinne von Schweiß und Herzblut, mit dem jeder Tagesanzeiger-Mitarbeiter seine Arbeit verrichtet.
Es sind also Menschen, die hier ihren Dienst tun. Und Menschen machen Fehler. Fehler, die bei einer Tageszeitung naturgemäß mehr auffallen, weil sie sozusagen „öffentlich“ geschehen, als dies in anderen Branchen der Fall ist. Dass das 25-Jährige nicht so „groß“ gefeiert wurde wie seinerzeit der 20. Geburtstag, liegt ebenfalls an wirtschaftlichen Zwängen ­ aber auch an einer Art mentalem Paradigmenwechsel. Denn die „neue Bescheidenheit“ hat auch im Verlagshaus Platz gegriffen. So begnügte sich die Maintaler Lokalzeitung zur Feier ihres ersten Vierteljahrhunderts mit einem Stand beim „Bischofsheimer Straßenfest“ 2004.
Ein kleines Veranstaltungsprogramm mit Tombola und Zaubershow sollte nicht zuletzt signalisieren: Wir haben die Zeichen der Zeit erkannt, wir sind und bleiben „am Ball“, doch nicht das Feiern oder gar Selbstbeweihräuchern ist unser Hauptauftrag, sondern die Dienstleistung, die da lautet Information und Unterhaltung für die Menschen in Maintal.

Ungebrochene Energie
Dieser Auftrag soll, kritisch und unbestechlich, nachdenkenswert und auch humorvoll, allen Widrigkeiten zum Trotz und „jetzt erst recht“ noch viele Jahre erfüllt werden ­ ganz im Sinne unserer Leserinnen und Leser, denen wir verpflichtet sind und mit ungebrochener Energie auch verpflichtet bleiben.



Von RP Schmidt bis Lars-Erik Gerth
Die Leiter der Tagesanzeiger-Redaktion und ihre ganz persönlichen Stile
Das redaktionelle Image des Maintal Tagesanzeiger wurde in den vergangenen drei Jahrzehnten vor allem durch seine Redaktionsleiter geprägt. Damit unterscheidet sich die Heimatzeitung keineswegs von anderen Blättern. Spezifisch ist aber für den Tagesanzeiger, dass Redakteure und im Besonderen Redaktionsleiter in Maintal einen regen und intensiven Austausch mit der Leserschaft pflegen. Diese Tradition gilt vom ersten Erscheinungstag am 2. Dezember 1978 bis heute. Aktuell wird das Redaktionsteam in Maintal-Dörnigheim von Redaktionsleiter Lars-Erik Gerth geführt. Das mit Abstand dienstälteste Mitglied der Redaktion ist Eberhard Dunkel, der seit fast 30 Jahren als Chef des Lokalsports eine wichtige Größe im Tagesanzeiger-Verlagshaus darstellt. Lars-Erik Gerth, der beim Tagesanzeiger 1996/97 sein Volontariat absolviert hat, ist für die Berichterstattung über die lokalpolitischen Ereignisse und die Kultur verantwortlich. Die Verantwortung für die Wochenzeitungen Der Bergen-Enkheimer und Fechenheimer Anzeiger liegt in den Händen von Mirjam Fritzsche und Frank Schairer, der auch über den Lokalsport in den beiden Frankfurter Stadtteilen berichtet.


Redaktionsleiter der ersten Stunde
Nicht nur Mitbegründer des Tagesanzeiger in Maintal, sondern zugleich dessen erster Redaktionsleiter bis zu seinem Ausscheiden am 14. Februar 1992 war Rolf Peter Schmidt. Wo immer sein Kürzel "rs" auftauchte, war spannende und kontroverse Berichterstattung garantiert. Das 25-jährige Bestehen seines "Zeitungskindes", wie er es in seinem Aufmacher am 2. Dezember 1978 bezeichnete, erlebte "RP Schmidt" nicht mehr: Er verstarb am 20. September 2002 im 55. Lebensjahr in seiner Wohnung in Hanau-Steinheim.

Der "Hanauer Bub" übernimmt
Nach dem Ende der Ära Schmidt und einem kurzen Intermezzo des frühzeitig verstorbenen Peter C. Roth übernahm im November 1992 der zu diesem Zeitpunkt bereits langjährige Tagesanzeiger-Redakteur Ulrich Trageser die Redaktionsleitung. Der gebürtige "Hanauer Bub" blieb bis zum 30. Juni 2000 an der Spitze der Redaktion. Vielen Leserinnen und Lesern ist sein Kürzel "ut" noch in bester Erinnerung. Im Frühjahr 2002 trennten sich die Wege. Ulrich Trageser ist seit dieser Zeit vor allem als freier PR-Journalist tätig

Ein Franke auf dem Redaktions-Chefsessel
Dirk Müller übernahm am 1. Juli 2000 das Redaktionsruder. Der aus Hof in Oberfranken stammende Vollblut-Journalist stieß nach sieben Semestern Politologie-Studium in Frankfurt sowie freier Mitarbeiter bei der „Offenbach-Post“ im Januar 1993 zum Tagesanzeiger, war zunächst Volontär, dann ab Mitte 1994 Redakteur, bevor er dann den Chefsessel in der Lokalredaktion erklomm. Sein Autoren-Kürzel „dm“ ist den Tagesanzeiger-Leserinnen und –Lesern ein vertrauter und ständiger Begleiter gewesen. Neben seiner fundierten Berichterstattung gehörten vor allem „Spitzmäuse“ und Kommentare zu seinem Handwerkszeug, wobei er großen Wert darauf legte, die Dinge auf den Punkt zu bringen. Nach 13 Jahren in Maintal zog es Dirk Müller nach dem 12. März 2006 in den Breisgau nach Freiburg. Sein Stil und seine distanzierte und unbestechliche Sicht auf das Maintaler Geschehen bleiben unvergessen.

Redaktions-Troika
Die Nachfolge von Dirk Müller teilten sich ab März 2006 bis Ende 2007 die Troika Lars-Erik Gerth, Christiane Nölle und Eberhard Dunkel. Einen Redaktionsleiter im bisherigen Sinne gab es zunächst nicht. Nachdem Christiane Nölle den Tagesanzeiger im Dezember 2007 verließ, um sich neuen journalistischen Aufgaben in Frankfurt zu widmen, zeichneten Lars-Erik Gerth und Eberhard Dunkel als verantwortliche Redakteure. Ein waschechter Dörnigheimer ist Eberhard Dunkel, der bereits gut ein Jahr nach Gründung des Maintal Tagesanzeiger Teil der Redaktionscrew wurde. Seither beleuchtet "ed" den lokalen Sport, den er wie kein anderer kennt. Ohne ihn geht in der Sportberichterstattung so gut wie nichts und das wissen die Repräsentanten und Ansprechpartner eigentlich aller Maintaler Sportvereine auch zu schätzen. Ebenfalls ein "alter Hase", wenngleich noch nicht so lange beim Tagesanzeiger dabei wie "Ebu" Dunkel, ist Lars-Erik Gerth. Seit 1995 ist der Diplom-Politologe für den Tagesanzeiger tätig, nach seinem im Sommer 1997 abgeschlossenen Volontariat ist "leg" als Redakteur für die lokale Berichterstattung zuständig. Er berichtet von Stadtverordnetenversammlungen, schreibt pointierte "Spitzmäuse" und kommentiert die oft überraschenden Wendungen in der Maintaler Kommunalpolitik. Neben der lokalen Berichterstattung hat er sich auch als Kulturredakteur und vor allem als profunder Opernexperte weit über die Grenzen Maintals hinaus einen hervorragenden Namen gemacht.

Ein echter Frankfurter wird Redaktionsleiter
Im Juni 2008 übernahm Lars-Erik Gerth die Position des Redaktionsleiters. Analog zu seinen drei Vorgängern steht für den gebürtigen Frankfurter und Wahl-Dörnigheimer die Lokalberichterstattung aus den vier Maintaler Stadtteilen im Mittelpunkt der täglichen Arbeit. Die Redaktion hat für die Sorgen und Nöte ihrer Leser stets ein offenes Ohr, freut sich über Anregungen und interessante Begebenheiten, die oft auch Eingang in die "Spitzmaus"-Kolumnen finden. Die Teamarbeit liegt "leg" besonders am Herzen. Zusammen mit den Redakteurinnen Martina Faust (mf) und Judith Grommes (gro) gestaltet Lars-Erik Gerth die Titelseite, die Lokal- und Kulturseiten des Tagesanzeiger. Ausführliche Interviews mit wichtigen Entscheidungsträgern in Maintal und im Main-Kinzig-Kreis gehören ebenso zum Angebot an die Leserschaft wie die populäre Serie "Maintaler Persönlichkeiten im Portrait" und die Reiseseite, die in jeder Samstagausgabe erscheint. Im Vorfeld der Maintaler Bürgermeisterwahl 2009 leitete Lars-Erik Gerth die große Tagesanzeiger-Podiumsdiskussion mit den drei Bewerbern Erhard Rohrbach (CDU), Katja Weitzel (SPD) und Jörg Schuschkow (WAM).




Vom „alten“ Metteur bis zum modernen Redakteur
In gut drei Jahrzehnten hat sich das „Zeitungsmachen“ vollkommen verändert

Mehr als ein Vierteljahrhundert Maintal Tagesanzeiger, das bedeutet auch ein ständiger Wandel von Techniken und Aufgaben. Als der Tagesanzeiger Ende 1978 erstmals in Druck ging, kam bereits der sogenannte Fotosatz zur Anwendung. Das Vorgängerblatt „Maintal-Zeitung“ produzierte kurz zuvor noch „in Blei“, und die Atmosphäre in der Mettage hatte ihre eigenen Reize: Auf der einen Seite des langen Eisentisches stand der Redakteur, auf der anderen der Metteur. Er setzte die Seite nach den Anweisungen des Redakteurs mit den aus Metall gegossenen Artikeln aus den sogenannten „Schiffen“ zusammen. Das war eine Kunst für sich, denn der Metteur musste alles in Spiegelschrift lesen, und der Text stand aus seiner Sicht auf dem Kopf.
Überschriften wurden, Buchstabe für Buchstabe, mit der Hand gesetzt. Mit der Ahle, einer Eisennadel, ging der Metteur zu Werke, etwa wenn ein Komma in einen Punkt verwandelt werden musste. Oder er füllte den Platz mit hauchdünnen oder dickeren Plättchen und legte Linien um etwas schmalere Textzeilen, was die sogenannten „Kästen“ ergab.

Artikel noch mal abschreiben
In Klarschrift war die Seite erst zu lesen, wenn der Metteur mit der Bürste über angefeuchtetes Zeitungspapier (Bürstenabzug) gestrichen hatte, auf dem sich der Korrekturabzug für den Redakteur abbildete, damit der auch sehen konnte, was er „ins Blatt heben“ ließ. Dann wurde die Mater, die Vorform für den Druck, unter einer tonnenschweren Presse geprägt, wohin die Arbeiter die Seiten auf schweren Stahlwagen rollten. Kaum zu glauben, dass dieses nostalgisch anmutende Procedere noch vor etwas mehr als 25 Jahren gang und gäbe war. Noch kürzer liegen jene Zeiten zurück, in denen Redakteure ihre Schreibmaschinen-Manuskripte an die Setzerei lieferte, wo der Setzer den Text abschreiben musste, um ihn setzen zu können, was bedeutete, ihn direkt an der Setzmaschine zeilenweise abzusetzen und zu gießen, später dann in Lochstreifen zu stanzen.

Gewachsene Aufgaben für den Redakteur
Es folgten die Jahre der Texterfassung: Vom Redakteur redigierte Manuskripte, die noch immer von Hand erneut erfasst – also abgetippt – werden mussten. Heute geschieht dies nur noch mit einem kleinen Bruchteil aller Texte, denn mehr als 90 Prozent werden vom Redakteur direkt am E-Mail-Eingangsordner bearbeitet und gleich am Bildschirm in einen Artikel gegossen. Der klassische Metteur hat also ebenso ausgedient wie die „reine“ Texterfasserin. Gleichzeitig sind die Aufgaben des Redakteurs erheblich gewachsen, denn er ist mittlerweile sein eigener Setzer und produziert nicht nur Artikel, sondern gestaltet auch die kompletten Zeitungsseiten. Nicht nur der gewandte und verständliche Umgang mit dem Wort wird dem Redakteur heute abverlangt – er muss auch „ein Auge“ für Layout und Seitenoptik haben. Auch die Aufgaben des altehrwürdigen „Setzers“ haben sich ganz erheblich verändert. Er heißt jetzt Mediengestalter und kreiert längst alle Anzeigen ausschließlich am Bildschirm.


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